Klassik

Unerhört klingende Jahreszeiten im Doppelpack!

Renate Baumille...
9. Juli 2019

Im Klangkosmos der »bayerischen kammperphilharmonie« existieren gleich acht Jahreszeiten! Zum Finale ihres überwältigend erfolgreichen Jubiläums »15 Jahre un*er*hört« kombinierte das Orchester unter der Leitung des Soloviolinisten Gabriel Adorjan im ausverkauften Parktheater Antonio Vivaldis spätbarocken Werkzyklus »Die vier Jahreszeiten« mit Astor Piazollas musikalischer Hommage an die Hauptstadt Argentiniens »Las Cuatro Estaciones Portenas«.

Dies resultierte, zumal so geschickt gespiegelt, wie sich das aufgrund der beiden Erdhalbkugeln ganz natürlich ergibt, in reiz-und sinnvollen Kontrasten sowie Berührungspunkten. Diese betonte auch die Fassung für Solovioline und Streichorchester, die der russischen Komponisten Leonid Desyatnikov 1999 schuf. Geistreich schummelte er Zitate von Piazollas Komposition (entstanden ab 1964) in Vivaldis musikalische Darstellung der jahreszeitlich bedingten Aktivitäten und Naturphänomene und vice versa hinein, die das achtsame Publikum mit Staunen und fröhlichem Raunen quittierte.

Dem mit tänzerischem Elan eingeleiteten, grün und in strahlendem E-Dur in Szene gesetzten »Primavera« folgte also in Piazolla-typischer Tangomanier der leidenschaftlich und melancholisch gefärbte Herbst; den betörend klirrenden »Winter« erwärmte zum Ende hin im »Allegro moderato« die sinnliche Glissandi-Glut im sommerlich erhitzten Großstadt-Dschungel von Buenos Aires. Im Laufe dieses grandiosen Konzertes, das einmal mehr die spezifische Klang-und Spielqualität samt dem besonderen künstlerischen Elan der Bayerischen Kammerphilharmonie offenbarte, wurde jeder Hörer eines Besseren belehrt, der Genussminderung aufgrund der extremen Popularität von Vivaldis Opus gefürchtet hatte. Absolut keine Langeweile war angesagt dank einer Interpretation, die auf Präzision, Spannung, lyrische Intensität, Einfühlung und klangliche Transparenz setzte, um die Balance im Dialog der ideenreichen Solistenpassagen und dem Streichorchester, das ihnen das tonmalerische Fundament bereitet, in jedem der drei Sätze der vier Jahreszeiten herzustellen.

So durfte sich die musikalische Schilderung etwa der »Mattigkeit des Sommers« behutsam entfalten, so widmete das Orchester sich eindringlich Vivaldis großartig gezeichneten Schlafstudien, machte die von der herbstlichen Weinernte schwergliedrigen Bauern lebendig. Gleichberechtigung erfuhren die langsamen Sätze und die Naturszenerien der effektvoll-schnellen Sätze, die man quasi abrufbereit und mitsummend im Kopf hat. Natürlich trugen die kühnen und temperamentvollen argentinischen Jahreszeiten ihren gewichtigen Part dazu bei, dass dies ein wirklich inspirierender Konzertabend wurde, der natürlich nicht ohne eine traumhaft gespielte Piazollo-Zugabe ausklingen durfte. Solist und Orchester freuten sich über den wahrhaft begeisterten Beifall samt Bravi und machten mit diesen »8 Jahreszeiten« virtuos Werbung für die neue »unerhört«-Saison 2019/20, für die man sich bald ein Abonnement sichern sollte!

www.kammerphilharmonie.de

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