Literatur

Umzug geglückt

Patrick Bellgardt
13. November 2013

»Welcome to the Brechtbühne« – mit diesen Worten begrüßte Oliver Brunner, Produktionsleiter am Theater Augsburg, Slam-Master Horst Thieme zum ersten Poetenwettkampf in seinem Haus. Anschließend übernahm das Urgestein der Szene wie gewohnt selbst das Mikrofon, schließlich galt es neben dem Umzug in die neue Location auch den 15. Geburtstag des Augsburger Poetry-Slams gebührend zu feiern. 1998 im Blauen Salon aus der Taufe gehoben, zog er drei Jahre später in die Kresslesmühle. Seitdem konnten unzählige Poeten aus der ganzen Republik in der Stadt begrüßt werden, lokale Slammer wagten hier ihre ersten Gehversuche und die hiesige Fanbase vergrößerte sich rasch. Nicht nur in Augsburg hat sich der Poetry-Slam längst zu einer etablierten Veranstaltungsform entwickelt. Während früher einige Erklärungsversuche nötig waren, um das Format zu beschreiben, bedarf es heute kaum vieler Worte.

Zum 15. Geburtstag nun also der Umzug auf die Brechtbühne. Passend zur neuen, größeren Location heißt der Slam nicht mehr »Lauschangriff«, sondern »Grand Slam«. Unter diesem Titel bringt Horst Thieme zusammen mit Richard Goerlich Poetry und Pop ins Theaterviertel. Neben der Brechtbühne werden das Weisse Lamm, das Schwarze Schaf, die neue Soho Stage und die Alte Liebe von den beiden Veranstaltern bespielt. Die Regeln des monatlichen Slam-Wettkampfs bleiben jedoch wie gehabt: In zwei Vorrunden haben die Kandidaten jeweils zehn Minuten Zeit, die Zuhörer von ihrem Text zu überzeugen. Instrumente und Requisiten sind verboten. Die Publikumsjury wertet mit Applaus und befördert zwei Poeten ins Finale. Dort angekommen, müssen sich die Slammer auf drei Minuten beschränken.

Die Premiere war mit vier geladenen Gästen aus ganz Deutschland bereits hochkarätig besetzt. Dazu kamen sechs Vertreter der Augsburger »Slamily«, die per Los bestimmt wurden. Prosa, Lyrik, Rap – von einer Bahnfahrt mit Bruce Willis über die Schönheit von kauenden Frauen bis hin zu Kreuzfahrten auf der »MS Zuversicht« waren die Texte mal witzig und ironisch, mal ernst und nachdenklich. Das Publikum bedankte sich mit meist tosendem Applaus. In die Endrunde einziehen konnten schließlich der Münchner Bumillo und Tobias Kunze aus Hannover. Während der Niedersachse mit einer erotischen Beziehungsgeschichte dem Toastbrot huldigte, versuchte sich der Oberbayer mit einer Danksagung an den Schlafanzug. Denkbar knapp entschied sich das Publikum letztendlich für Tobias Kunze als Sieger des ersten »Grand Slam«.

Nach 15 Jahren ist der Poetry-Slam auf der Theaterbühne angekommen. Die Kresslesmühle war eine tolle Location, sicherlich auch irgendwie gemütlicher und charmanter als die Brechtbühne, doch funktioniert der Slam hier mindestens genauso gut: Die Stimmung im Publikum war ausgezeichnet, das Haus bis auf den letzten Platz ausverkauft, die Poeten und ihre vorgetragenen Texte gewohnt erstklassig. Die nächste Chance, sich selbst vom neuen »Grand Slam« zu überzeugen, bietet sich am 22. November um 20 Uhr. Lasse Samström (Bonn), Fee und Heiner Lange (München) sowie Dominik Schick (Kempten) haben ihr Kommen bereits zugesagt.

www.slam-augsburg.de

Weitere Positionen

28. September 2021 - 12:21 | Anna Hahn

Vom Klimastreik direkt in die Premiere auf der Brechtbühne: Der Freitag vor der Zukunft, vor der Bundestagswahl, stand ganz im Zeichen des Klimawandels.

27. September 2021 - 13:15 | Bettina Kohlen

Thomas Manns legendärer Roman »Der Zauberberg« wurde für das Staatstheater Augsburg in Bühnenform gebracht.

27. September 2021 - 10:08 | Bettina Kohlen

Mit »Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend macht« zeigt das Maximilianmuseum, wie sich das Leben der Menschen im Augsburg des 16. Jahrhunderts gestaltete.

27. September 2021 - 0:00 | Juliana Hazoth

Am Freitag, den 17. September lud Knut Schaflinger zur Langen Nacht der Poesie im Brunnenhof. Die Augsburger Autor* innen Carmen Jaud, Sarah Kiyanrad, Max Sessner und Siegfried Völlger trugen unter dem Motto »Im Wort zuhaus« ausgewählte Texte vor. Sabine Lutzenberger begleitete den Abend musikalisch.

21. September 2021 - 11:38 | Fabian Linder

Stadtkultur (mit)gestalten – aber wie? Im Textil- und Industriemuseum lud das Netzwerk »Degraux!« zur Diskussion. Ein erstes Talkexperiment zu den Ankerthemen wie Konsum & Partizipation, Leerstände und Zwischennutzung.

20. September 2021 - 12:14 | Sophia Colnago

Passend zur anstehenden Bundestagswahl sprechen Lisa McQueen und Jürgen Kannler in der aktuellen Folge von »Lisa & me« über Lokalpolitik und Sitzungen im Augsburger Rathaus.

16. September 2021 - 10:00 | Marion Buk-Kluger

Für den September können wir Kabarett- und Comedy-Fans (fast) aus dem Vollen schöpfen, denn es ist angerichtet. Quergelacht – die a3kultur-Kolumne von Marion Buk-Kluger im September.

15. September 2021 - 10:47 | Bettina Kohlen

Die erste Premiere der neuen Spielzeit des Staatstheaters setzt digitale Zeichen mit einer VR-Brillen-Produktion, dem Ballett »kinesphere«.

15. September 2021 - 10:34 | Sarvara Urunova

Das Festival »Mozart @ Augsburg« ging am Wochenende zu Ende. a3kultur-Autorin Sarvara Urunova besuchte das Konzert von Sebastian Knauer und Daniel Hope.

14. September 2021 - 13:38 | Sophia Colnago

»Lisa & me« ist die neue Podcastreihe von a3kultur: zwei Personen, ein Mikrofon und jedes Mal ein anderes Thema. Jürgen Kannler und Lisa McQueen im Talk. Hier anhören!