Club & Livemusik

Trio, Duo, Radio

Martin Schmidt
3. April 2017

Zwei Ohren hat der Osterhase; und Eier genug hat schon immer der Jazz: Im April füllt der Jazzclub Augsburg Tim-Allhoff-Jazz in jeden unserer Lauscher ein – und damit auch zweimal hintereinander sich selbst mit ebenjenem Allhof und zahlreichen Allhoff-Fans. Mit zwei Konzertabenden in Folge – Freitag, 21., und Samstag, 22. April (jeweils 20:30 Uhr) – präsentiert das Tim Allhoff Trio sein just am 21. April neu erscheinendes Album »There will be Light«. Was ist über den zweifachen »Echo Jazz«-Preisträger aus Augsburg nicht schon alles geschrieben worden, JazzThing nannte ihn den »Piano-Shootingstar der Republik«, bejubelt von Süddeutsche Zeitung und Zeit und bedacht mit dem Neuen Deutschen Jazzpreis ist Allhoff ein Meister eines intelligenten, aber dennoch eingängigen Jazz, dem die Herzen zufliegen: virtuos, smooth, kreativ.  Nach zehn Jahren Bandgeschichte veröffentlicht sein Trio nun sein viertes Album. Zurück zur reinen Akustik heißt die Devise – allein das Fender Rhodes findet seinen Weg in die Klangarbeit. An Bord – zwei Ohren hat der Osterhase, sechs Ohren das Tim Allhoff Trio – sind wie immer Andreas Kurz (Bass) und Bastian Jütte (Drums), jeweils für sich Meister ihres Fachs.

Osterhasen-Ober-Oster-Reich

Bilderbuch, Wanda, meinetwegen zum Auferstehungsfest Ostern auch Falco: Österreich ist in aller Pop-Munde. Knapp neben diesem, jenseits aller Kategorien, sitzen – und das seit 27 Jahren – Attwenger. Das Oberösterreicher Neo-Polka-Electro-Rap-Dialekt-Punk-Volksmusik-Duo spielt, zeitgleich zu obigem ersten Allhoff-Abend, am Freitag, 21. April, in der Kantine (Schwimmbad). Das kann das skurril-urige Duo gut, denn in all den Jahren kam es auf 750 Auftritte in 20 Ländern.  Begonnen hatten Attwenger in der Kombi Ziehharmonika plus Drums – die Harmonika durch Effektgeräte gejagt, das Schlagzeug groovy. Heute sind Attwenger woanders, aber immer noch im minimalistischen Mix: Traditionelle Volksmusik trifft auf afroamerikanische Einflüsse, Electronica auf Swing, Schmäh auf Experiment, Singsang auf oberösterreichischen Dialekt. Und dabei sind Attwenger selber multikulturelles Effektgerät und quetschen aus der Weltenharmonika einen eigenen Sound, ach was: einen eigenen Slang aus Punk und Dada, Club und Schmäh, Arsch und Hose.

History & Hysterie

Ikonen, Legenden, Altmeister: Das Spectrum hat sich redlich den Ruf erarbeitet, für ebenjene ein hochversierter Magnet zu sein. Der Club in der Ulmer Straße – vergangenes Jahr machte er sein Vierteljahrhundert-Jubiläum voll – holt im April einige gepflegte Hochkaräter nach Augsburg und lädt so zu einer spannenden, einsichtsreichen und für ältere Semester erregenden Geschichtsstunde des Rocks: Es kommen Pavlov’s Dog (Montag, 3. April), The Sweet (Mittwoch, 19. April) und Saga (Sonntag, 24. April). Nota bene: Die kommen nicht im Radio, die kommen in echt. Die US-amerikanische Progrock-Formation Pavlov’s Dog, gegründet 1973, setzte mit ihrem Hit »Julia« und dem Album »Pampered Menial«, gesungen in unglaublicher Falsettstimme, eine ganze Generation in einen progrockigen Schmusetaumel. Der Gesang derart hoch, dass einst die Legende entstand, Sänger David Surkamp sei beim Inhalieren von Helium gestorben. Nächste Ikone, bitte: »Ohne The Sweet hätte es Kiss nie gegeben«, sprach einst der mit XXL-Zunge versehene Kiss-Bassist Gene Simmons – und, for fuck’s sake, er hat recht. Glamrock wäre ohne The Sweet undenkbar, und sogar große Anteile großgestiger Popzeichenwelt. Die Dritten im Legendenbunde sind Saga. Die vor 40 Jahren in Kanada gegründete Gruppe ist unwegdiskutierbar Genre-Mitbegründer des Progressive Rock, also der arty Neuausrichtung der konzeptionellen und stilistischen Grenzen der Rockmusik. Pavlov’s Dog, Sweet, Saga: Ja, das ist alles Dad- vielleicht sogar Senioren-Rock, bisweilen cheesy, und ist beileibe nicht »2017«. Aber welchem jungen Pop-Nerd dürfte zumindest in einem Punkt da nicht schwindlig werden: Popkultur hat, ist und macht Geschichte; Pop ist Herz- und Zeichenwelt, ist Erinnerungskultur per se, seine Zeugen und Erzeuger haben immer edlen, coolen Kern. It’s immer time for paying back.

Foto: Macht zweimal die Bude voll: Der Augsburger »Echo Jazz«-Preisträger Tim Allhoff präsentiert am Freitag, 21., und Samstag, 22. April, im Jazzclub Augsburg das neue Album seines Trios.

 

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