Klassik

Think outside the box

Gast
5. Oktober 2019

Das ist doch eine Überraschung, wenn zum feierlichen Auftakt der Saison im Konzertsaal endlich mal ein Instrument in der Solorolle brilliert, dem sonst stets nur die hintersten Ränge im Orchester zustehen. Bei seiner Klanggewalt kann es sich natürlich jederzeit auch von den fernsten Plätzen durchsetzen. Aber wann darf es dabei schon mal ausreizen, wie unfassbar reich und stets neu variiert der Schatz an Klangfarben ist, der sich mittels verschiedenster Schlaggerätschaften erzeugen lässt? Kannten Sie zum Beispiel das »Waterphone«? »Gerührt oder geschüttelt« gibt es (frei nach James Bond) in den Händen von Star-Schlagzeuger Martin Grubinger glucksende Wasserlaute, verwunschene harfen-ähnliche oder metallische Sounds von sich. Und das gleich im ersten Sinfoniekonzert der Saison im Kongress am Park.

Zu verdanken hat die Musikwelt die neue Klangvielfalt dem, vor allem als Pianisten bekannten, türkischen Komponisten Fazil Say. In dessen Concerto for percussion and orchestra op. 77, von Grubinger unlängst (März 2019) in Dresden uraufgeführt, geht es um echte Spielfreude und Expressivität: Mit tänzerischen bis jazzigen, burlesken sowie lyrischen Klanglandschaften bis hin zu orientalischen Anklängen an Says anatolische Heimat. »Gypsy-style« nennt das der junge Dynamiker Grubinger.

Diese ganz neue perkussive Ästhetik des musikalischen Shootings-Stars Grubinger ist der Höhepunkt des Auftaktkonzertes, das sich den wiederkehrenden Rhythmen, nicht nur in der Musik, sondern auch in unserem Leben verschrieben hat. Den »Lebenszyklen« (so das Motto des Konzertes) nachspüren, muss zum Herbstbeginn erlaubt sein. Und dazu geben auch die sinfonischen Dichtungen »Les Préludes« von Franz Liszt und »Heldenleben« von Richard Strauss reichhaltige Impulse. Wie sagte nicht schon Hans von Bülow? »Am Anfang war der Rhythmus«.

Julika Jahnke ist seit der Spielzeit 2019/20 Pressereferentin für Musiktheater und Konzert am Staatstheater Augsburg.

www.staatstheater-augsburg.de

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