Festival

They rock the city

Patrick Bellgardt
1. Oktober 2014

Wir schreiben das Jahr 1982. Eine Handvoll Augsburger Musiker zieht los, um die mangelhafte Proberaum-Situation in der Stadt zu verbessern. In der »Musikerinitiative Augsburg und Umgebung« (MIAU) zusammengeschlossen, wird nach geeigneten Räumen gesucht. Zwei Jahre später wird man schließlich am Kitzenmarkt, nahe der Ulrichskirche, fündig. Auf Wunsch des Vermieters, der die Location in den Namen des Vereins integrieren möchte, nennt man sich fortan »Kultur im Kitzenmarkt« (KUKI). Insgesamt zwölf Proberäume im Keller des Gebäudes können bezogen werden. Rund 25 Bands beherbergt der Verein damals.

Nachdem der Vermieter Eigenbedarf anmeldet, folgt 1996 der Umzug in die Langemarckstraße auf das Gelände der damals noch kaum erschlossenen Reese-Kaserne. Dort, wo wenige Jahre zuvor noch die US-Army stationiert war, steigt die Zahl der Proberäume auf 25. Zehn Jahre später packt KUKI erneut die Koffer und wird zum größten Mieter des neu geschaffenen Kulturparks West. Für den Verein bedeutet dies eine schlagartige Vervielfachung der bisherigen Kapazitäten: In der Sommestraße verfügen die Musiker über eineinhalb Häuser mit circa 3.300 Quadratmetern Fläche. Die 108 Räume beherbergen heute rund 200 Bands, ein Dutzend Tonstudios und Unterrichtsräume. Etwa 1.200 Personen nutzen sie regelmäßig.

Von The Seer über Nova International, der Hank Davison Band bis hin zu Anajo gibt es über die Jahre kaum eine überregional erfolgreiche Band aus Augsburg, die nicht bei KUKI geprobt hat. Dabei ist sich der Verein auch nach 30 Jahren treu geblieben: Als Zusammenschluss von Musikern für Musiker spielt es keine Rolle, was man für eine Richtung einschlägt, ob man hoch hinaus will oder »nur« hobbymäßig musiziert. KUKI versteht sich nicht jedoch nur als Interessenvertreter für seine Mitglieder: In den vergangenen Jahren rückte zunehmend die Schaffung von Auftrittsmöglichkeiten in den Fokus der Vereinsarbeit. Die Liste der eigenen oder in Kooperation betreuten Projekte ist lang: Konzerte im Bürgerhof, Lechwood, Augsburg City Beatz, Grenzenlos Festival, regelmäßig finden Gigs im Bombig, abraxas, in der Kradhalle und vielen weiteren Locations statt.

Doch die Zukunft ist ungewiss: Viele Fragen in Bezug auf das Projekt Gaswerk sind noch ungeklärt, der Mietvertrag des Kulturparks endet im Juli 2017. Die KUKI-Mitglieder haben sich zu einem Großteil für den Verbleib in der Sommestraße ausgesprochen. Gerade den Austausch mit Bildenden Künstlern und die hervorragende Infrastruktur mit mehreren Bühnen in nächster Nähe möchten die Musiker nicht missen. Klar ist aber auch: Man ist nicht gegen eine kulturelle Nutzung des Gaswerks, vielmehr spricht sich der Verein für eine Sowohl-als-auch-Lösung aus.

Zum Jubiläum haben wir mit KUKI-Urgestein Jürgen »Gebi« Gebhardt die Archive durchforstet. Das längst verschollen geglaubte Bildmaterial dokumentiert zumindest einen kleinen Teil der Geschichte des Vereins – und der Augsburger Musikszene – von 1984 bis heute. Mehr dazu auf Seite 8 unserer aktuellen Ausgabe:

www.a3kultur.de/media/pdf/a3kultur_ausgabe_2014_13.pdf

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