Politik & Gesellschaft

Terror(ängste) – was tun?

Iacov Grinberg
10. März 2016
neue stadtbücherei

Am 9. März fand in der Neuen Stadtbücherei die von MdB Ulrike Bahr organisierte Diskussionsveranstaltung »In Deutschland frei und sicher leben« mit hochkarätigen Referenten statt. Nach 2,5 Stunden Reden und Diskussionen, die danach draußen noch fortgesetzt wurden, erschien ein Bild, das zeigte: Man muss handeln, aber möglichst ohne Emotionen, einfach ruhig und vernünftig.

Der Terror ist in unserer Welt vorhanden. Wir können ihn nicht aus dieser Welt verdrängen und müssen folglich mit ihm leben. Man kann da die folgende Metapher benutzen: In der Nähe unseres Städtchens standen grüne Berge. Wegen Klimaveränderungen sind diese Berge aber jetzt mit Schnee bedeckt und uns droht Lawinengefahr. Wir können das Klima nicht ändern und müssen jetzt anders leben. Wir erkennen diese Gefahr an und handeln ruhig und vernünftig. Wir bauen spezielle Netze und Schutzwände, wir gehen nicht sorglos in die Berge. Das kostet Geld, das braucht spezielle Dienste, die die Einwohner unseres Städtchens mit ihren Steuergeldern bezahlen, aber anders geht es nicht. Wir machen keine Panik und schüren keine Ängste, wir passen uns den neuen Umständen an. Natürlich es war besser ohne diese Gefahr, aber wir müssen mit ihr leben.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als man für einen Flug nur ein Flugticket brauchte, sogar ohne Familiennamen. Heute müssen wir uns leider nicht nur zahlreichen Kontrollen unterziehen, sondern auch mit unserem Geld die Ausrüstung und Arbeit der Kontrolleure bezahlen. Wir sollen auch unser Verhalten ändern. Im Jahr 2000 stand im »Leitfaden für Migranten«: falls Sie ein herrenloses Gepäckstück in einem Bus entdecken, sollten sie dies dem Busfahrer abgeben. In der Ausgabe von 2005 stand dann, dass Sie in diesem Fall das Gepäckstück keinesfalls berühren, aber den Busfahrer benachrichtigen sollten!

Diese und andere ähnliche Veränderungen sind heute gewöhnlich, bilden einen Teil unseres Lebens und verursachen kaum Ängste. Statistisch ist die Gefahr, Opfer eines Terroranschlages zu werden, unvergleichbar geringer als bei einem Autounfall ums Leben zu kommen. Wir müssen mit der Terrorgefahr weiter leben und weiter in Spezialkräfte und Kontrollausrüstung investieren. Doch jeden Terrorakt als Hauptereignis des Tages oder der Woche zu präsentieren und wiederzukäuen, dadurch Ängste zu schüren und indirekt den Terroristen helfen, ihre Ziele zu erreichen – diese heutige Praxis der Massenmedien sollte man stoppen.

Wir leben nun mal in einer Welt, wo Gefahren wie die Terrorgefahr existieren. Man sollte Ruhe bewahren und vernünftig entgegensteuern, so wie unsere Gesellschaft auch gegen die Gefahren im Straßenverkehr steuert. Diese Position scheint mir vernünftig. Wie erscheint es Ihnen, liebe Leser?

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