Theater & Bühne

Strapaziöser Machttrip mit Teddy-König

Während Verdis Oper als musikalisch komplexes und anspruchsvolles Seelendrama in Anlehnung an Shakespeares Libretto-Vorlage im Schottland des 11. Jahrhunderts spielt, buchte Regisseur Lorenzo Fioroni sein krankhaft Machtbesessenes Ehepaar Macbeth im »Hotel Patria« ein, das schon bessere Zeiten erlebt hat. Der Königsmord und die in der Konsequenz zum Thronerhalt nötigen Gräueltaten wurden so im Jetztzeit-Irgendwo eines krisenerschütterten und Diktatur-gebeutelten Kriegsgebietes verortet. Ein mittig platzierter Baum im Wechsel der Jahreszeiten sollte dabei die Spanne zwischen Aufstieg und Fall der Herrschaft symbolisieren. Der stumme König Duncan, der als rosa Riesenteddy samt SpongeBob-Gefolgschaft im düsteren Hotelareal einmarschierte, lief denn auch im kuscheligen Doppelbett, auf dem sich das auch sexuell ambitionierte Ehepaar Macbeth ausgetobt hatte, ins Meuchelmördermesser.

Die leider irritierend platt bebilderte und damit bewusst zur gnadenlosen Groteske getrimmte Lesart, für die sich Lorenzo Fioroni mit seinem Produktionsteam (Bühne: Ralf Käselau; Kostüme: Annette Braun) entschieden hatten, verärgerte das Premierenpublikum, das bereits zur Pause eine für Augsburger Verhältnisse gewaltige Buh-Salve abfeuerte.

Mit seinem Faible für die grelle Überzeichnung, die sich später im Heroin-Schuss des zumindest stimmlich nicht an seine Grenzen gekommenen Macbeth (Matias Tosi beeindruckte trotz angesagter Indisposition!) konsequent fortsetzte, Nikolaus-Maskerade und finalen Skelett-Knabbereien der Hexen nicht aussparte, schoss die Regie übers Ziel hinaus. Bei allem Verständnis für die gewünschte Aktualitäts-Botschaft strapazierte die Inszenierung die Geschmacksnerven und die Glaubwürdigkeit der Figuren, lenkte mit fast permanentem szenischem Overkill unnötig vom dramatischen Spannungsbogen und der bezwingenden Atmosphäre in Verdis Werk über korrumpierenden Machtrausch und den Verlust des Humanen ab.

Bis zum Schlussapplaus beruhigten sich die Zuschauer-Gemüter, nicht zuletzt dank der überzeugenden Leistung des Orchesters unter der Leitung von Lancelot Fuhry, der die Balance zwischen Graben, Solisten und Chor auffallend souverän managte. Bleibenden Eindruck hinterließen neben Sally du Randt, die facettenreich Willkür und Wollust der Macht auskostete und im Trinklied zum perfekten Täuschungsmanöver abhob, insbesondere Ji-Woon Kim mit mutig-tenoralem Glanz in der Rolle des Macduff und natürlich der »verhexte« und etwas albern bewegte Opernchor.

Weitere Termine am 4., 7., 10.6. und 14. Juni

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