Politik & Gesellschaft

Sprachlos ins Debakel

Jürgen Kannler
20. Juli 2015

Vor wenigen Tagen konnte sich die Stadt Augsburg endlich dazu durchringen, im Rahmen einer eilig einberufenen Pressekonferenz zu erklären, dass sie über 2017 hinaus nicht mit Juliane Votteler als Intendantin des Stadttheaters planen wird. Endlich nur deshalb, weil eigentlich schon die halbe Stadt seit Wochen von diesem Ansinnen wusste, das ohne echte Einbeziehung des verantwortlichen Referenten in den Hinterzimmern der Koalitionsrunden ausbaldowert wurde.

Auch in der übersichtlichen deutschsprachigen Theaterszene war es schon längere Zeit kein Geheimnis mehr, dass die Zeit für die künstlerisch überaus erfolgreiche Intendantin in Augsburg abläuft. Zu laut war das Geplärre aus dem Rathaus, um mögliche Nachfolger zu locken. Es ist Juliane Votteler, die diese Demütigung zu ertragen hat, den Schaden aber, der aus diesem respektlosen Umgang erwächst, fällt auf die ganze Stadt zurück. Durch eine aufrechte Kommunikationspolitik wäre dieses Debakel zu vermeiden gewesen.

Es ist nicht neu, dass im Kulturkosmos unserer kleinen Fuggerstadt durch eine stümperhafte Personalpolitik Schaden für unsere Gesellschaft, vor allem aber auch immer wieder für die betroffenen Personen entsteht. Die Liste der Stellenprofile mit Besetzungspannen ist lang. Sie reicht vom Pop- bis zum Mozartbüro und vom GMD bis zum Brechtfest. Im Gegensatz dazu scheint beim OB-Referat das Human Resource Management reibungslos zu klappen. Still und leise wächst und gedeiht dort nicht zuletzt das Medien- und Kommunikationsamt und liefert seinem Chef … ja, was eigentlich?

Erfolgreiche Strategien werden es kaum sein. Das Fusionsdebakel wird als eine der schallendsten Ohrfeigen in die Geschichte eingehen, die sich je ein Augsburger OB von Bürgerhand eingefangen hat. Das Regionalmarketingprojekt »Und jetzt kommst Du« lahmt vom Start weg und macht wohl nur die Agentur des OB-Spezis Daniel Melcer reich, der im Übrigen auch für die unwirksame Fusionskampagne Rechnungen schreiben wird. Und nun droht für die Stadtregierung auch die Planung des Theaterneubaus zum Debakel zu werden. Fast ein Jahr lang kartete ein Lenkungsausschuss aus Politik, Theater und Verwaltung einen Neubau aus, ohne die Bürger in diesem Prozess mitzunehmen. Statt sich entmündigen zu lassen, schlossen sich diese nun in einer Initiative zusammen und fordern vom OB nicht ohne Erfolg, vor weiteren Planungsschritten einen Bürgerbeteiligungsprozess zu stellen. Auch in diesem Fall wäre ein Bürgerbegehren eine letzte Option, Mitbestimmung durchzusetzen.

Seit Jahren nun hüllt sich die Stadt Augsburg bei Bedarf in anhaltendes Schweigen und an die Stelle von echtem Austausch und Bürgerdialog werden Marketingkampagnen platziert. Dass Plakatmaler und Sprücheklopfer aber nicht unbedingt fähige Politberater sind, konnte nun auch OB Kurt Gribl schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Er sollte aus dem Debakel lernen, wenn er nicht länger Prügel von Bürgerhand einstecken will.

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