Festival

So viele Bewerbungen wie nie zuvor

Patrick Bellgardt
15. Oktober 2016

a3kultur: Frau Friedrichs, das lab30 feiert heuer ein kleines Jubiläum. Zur 15. Ausgabe lohnt sich der Blick zurück: Wie hat sich das Festival in den vergangenen Jahren entwickelt?
Barbara Friedrichs: Das lab30 hat sich als feste Größe im Festivalkalender etabliert – lokal wie international. Ich freue mich insbesondere, dass wir dabei so gute Partnerschaften vor Ort haben. Angesichts des engen Budgets sind wir stark auf Kooperationen angewiesen. Da freut es mich sehr, dass uns das Junge Theater, das Märchenzelt und auch der Reesegarden unterstützen. Denn mittlerweile sind wir ja ein Festival, das nicht mehr nur die kunstinteressierte Avantgarde anspricht, sondern sich darüber hinaus an Familien und Kinder richtet. Außerdem genießen wir heute innerhalb der Medienkunstszene einen außerordentlich guten Ruf. Bei uns landen viele Künstler, die auf anderen Festivals von uns gehört haben und jetzt bei uns spielen bzw. ausstellen wollen.

In diesem Jahr haben Sie zusammen mit Gerald Fiebig und Mona Rother die Programmauswahl getroffen. Wie viele Künstlerinnen und Künstler haben sich beworben? Nach welchen Kriterien wählen Sie die Werke und Auftritte aus?
In diesem Jahr haben wir so viele Bewerbungen wie nie zuvor bekommen! Allein für die Ausstellung waren es über 100, für das Konzertprogramm dann noch mal um die 70. Bei der Auswahl spielt eine Reihe von Kriterien eine wichtige Rolle: Uns ist es wichtig, ein internationales Programm zu präsentieren, dabei aber auch die lokalen Akteure zu berücksichtigen. Außerdem legen wir großen Wert auf interaktive Arbeiten, damit auch Kinder auf ihre Kosten kommen. Kosten sind aber – leider – auch immer ein wichtiger Faktor: Die Künstler erhalten von uns nicht immer die übliche Gage, sondern eher eine Aufwandsentschädigung. Sie kommen zum Austausch und fürs Netzwerken, da bieten wir eine gute Plattform. Dennoch muss es eben auch ins Budget passen.

Wenn sich die Medienkunstszene im abraxas trifft, hat das Ganze trotz aller Internationalität immer etwas Familiäres an sich. Wie kommt das?
Ein Großteil der Künstler reist ja bereits einige Tage vorab an. Wir holen alle vom Bahnhof oder Flughafen ab, wir kümmern uns um eine gute Verpflegung, bieten dank der Regio eine Stadtführung an – zusammen mit dem Austausch mit dem Publikum entsteht da innerhalb kürzester Zeit eine wunderbare Gemeinschaft.

Sie sind nicht nur Festivalleiterin und Kuratorin beim lab30, sondern auch Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg. Sie haben die Szene im Blick. Wie viel Medienkunst steckt in unserer Region?
Jede Menge! Einer der wichtigsten Player ist sicherlich die Hochschule Augsburg mit ihren entsprechenden Studiengängen. Hier ist immer auch jemand fürs lab30 dabei. Man bedenke auch deren Absolventen, wie z.B. das Kollektiv lab binaer. Aber auch das open lab Augsburg hat ein tolles Angebot. Und im musikalischen Bereich haben wir mit der monatlichen Konzertreihe »echokammer«, dem loop30 im abraxas und vielen aktiven Einzelkünstlern ja auch einiges zu bieten.

Was ist Ihr persönliches Festivalhighlight für dieses Jahr?
Im Konzertbereich freue ich mich insbesondere auf Tomoko Sauvage und Eli Gras, beides Künstlerinnen, die ich sehr schätze und wo ich wirklich gejauchzt habe, als klar war, dass es klappt. Sehr gespannt bin ich außerdem auf die akustische Intervention von Davide Tidoni im Augsburger Stadtraum. Und dass Reinhard Gupfinger Artist in Residence ist und wir so noch einmal einen lab30-Satelliten in der Innenstadt haben, bereichert das Programm ungemein!

Das lab30 präsentiert vom 27. bis 30. Oktober internationale Medienkunst, hochkarätige Performances und spannende Workshops – und das nicht nur in der Festival-Homebase abraxas. Weitere Infos unter:
www.lab30.de

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