Klassik

Sie sind dann mal weg

Renate Baumille...
22. April 2021

Als wäre der Corona-Stillstand nicht schon hinreichend »ungünstig« für die Musiker*innen, die derzeit in Kurzarbeit sind, und für das Publikum, das mit vergleichsweise wenigen digitalen Formaten musikalisch bei Laune gehalten wird: Im April – und damit noch vor der Veröffentlichung der aktuellen VR-Orchesterproduktion »Bilder einer Ausstellung« läuft der Sponsoring-Vertrag zwischen MAN Energy Solutions und den Augsburger Philharmonikern aus. Somit steht für das »bedeutendste Sinfonieorchester Bayerisch-Schwabens« (so die Pressemeldung wörtlich) als dringliche Aufgabe für das laufende Jahr die Suche nach einem neuen Partner an.

Mit Pauken und Trompeten muss sich das Staatstheater Augsburg jetzt also Gehör verschaffen, um das Defizit, das mit der Vertragskündigung im Raum steht, wieder zu beseitigen. Noch verhindern die Pandemie und der kulturelle Stillstand diese Strategie, bei der sich GMD Domonkos Héja und sein Philharmonisches Orchester von der besten Seite präsentieren könnten, um damit fortissimo neue Sponsoren für sich zu gewinnen.

Neben den rein monetären Vorteilen waren die zahlreichen Konzerte im reizvoll-urbanen Ambiente des MAN-Museums Highlights der Kooperation – etwa die Reihe für Neue Musik »Zukunft(s)musik« und die mit ungewöhnlichen Programmen lockenden Recitals der Artists in Residence. Ebenso in bester Erinnerung bleiben die großen MAN-Open-Air-Konzerte am Ulrichsplatz zur Eröffnung der Augsburger Sommernächte. Innovativ waren die Formate, für die Musiker*innen direkt mit MAN-Mitarbeitenden zusammenkamen, oder Dirigierworkshops für Führungskräfte. An Kreativität und Einsatzwillen kann es also eigentlich nicht gelegen haben, oder? Welche Motive standen hinter der Entscheidung von MAN, nach neun Jahren diese Kooperation zu beenden?

Die Nachfrage unserer Redaktion bei MAN führte schnell zu einer Antwort. Argumente sind das Restrukturierungsprogramm bis zum Jahr 2023 sowie in Folge von Corona die weltwirtschaftlichen Herausforderungen. Diesem »strikten Spargebot« seien »auch sämtliche Sponsoring-Aktivitäten zum Opfer gefallen sind. Dies betrifft leider auch unser Engagement bei den Philharmonikern. Wir bedauern dies sehr. Diese Zusammenarbeit lag uns besonders am Herzen und sollte sich nach Abschluss unseres Programms wieder die Gelegenheit für eine Partnerschaft bieten, so sind wir gerne gesprächsbereit. Bis dahin allerdings sind uns die Hände gebunden«, so Jan Hoppe, Head of Group Communication & Marketing.

Von Seiten des Staatstheaters gab es bis dato die im Rahmen der Pressemeldung formulierte Position des schmerzlichen Bedauerns und den Dank für das, was war. »Das Engagement von Unternehmen im Bereich Kultur-Sponsoring stärkt die künstlerische Qualität und damit die Kulturinstitution selbst. Daher ist die Entscheidung von MAN Energy Solutions gerade in diesen Zeiten sehr schmerzlich«, erklärt Staatsintendant André Bücker. Auch Dr. Christine Faist, Konzertdramaturgin und persönliche Referentin von GMD Domonkos Héja, erklärte auf Anfrage von a3kultur, dass die Zusammenarbeit zwischen Orchester und Sponsor bestens lief.

Man darf also gespannt und ein wenig skeptisch bleiben, wie und ob in diesen Zeiten zeitnah ein potentieller Nachfolger gefunden wird – den würde ein leistungsstarkes und hoffentlich bald wieder  präsenteres Orchester in jedem Fall verdienen!

Bild: MAN Energy Solutions präsentierte die Augsburger Philharmoniker unter anderem auf der Sommernächte-Bühne am Ulrichsplatz . Foto © MAN Energy Solutions

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