Politik & Gesellschaft

Schattendasein

a3kultur-Redaktion

Die Plakate sind weitestgehend eingesammelt, die Sektflaschen entsorgt, die Tränen getrocknet – die bayerische Landtagswahl brachte kaum Überraschendes, zumindest für die Leser der zahlreichen im Vorfeld veröffentlichten Prognosen. Eine schwarz-orange Regierung (wahlweise »Bayern-Koalition« oder »Papaya-Bündnis«), bestehend aus der CSU und den Freien Wählern, wird wohl in den kommenden Jahren die Geschicke des Freistaats lenken. Die Gespräche laufen.

Eines dürfte dabei sicher sein: Kulturpolitik wird in den Koalitionsverhandlungen nur am Rande eine Rolle spielen. Im Wahlkampf lief dieses Themenfeld wie gewohnt unter dem Radar. Zwar half ein sehr gründlicher Blick auf die hinteren Seiten der Parteiprogramme beim Erkenntnisgewinn – auf der Straße, in den einschlägig bekannten Talkrunden oder beim beliebten »Wahl-O-Mat« der Bundeszentrale für politische Bildung fristeten entsprechende Positionen ein Schattendasein.

Umso wichtiger, dass Kulturschaffende selbst aktiv werden und Antworten einfordern. So geschehen beim »Kandidat*innencheck« in der Neuen Stadtbücherei. Rund zwei Wochen vor der Wahl lud die Ständige Konferenz Augsburg unter dem Motto »Der Kultur deine Stimme!« sieben Politikerinnen und Politiker ein, sich den Fragen von a3kultur-Herausgeber Jürgen Kannler und fünf »Kandidat*innencheckern« zu stellen. Im Vorfeld der Veranstaltung wurden kurze Videointerviews online gestellt, anhand derer sich Wähler ein erstes Bild der Volksvertreter machen und eigene Fragen einreichen konnten. In dieser Form ein Pilotversuch für die Organisatoren, der durchaus Potenzial für eine Neuauflage birgt.

Mit den Stadträten Andreas Jäckel (CSU), Cemal Bozoğlu (Bündnis 90/Die Grünen) und Markus Bayerbach (AfD) sitzen künftig drei der befragten Kandidatinnen und Kandidaten im bayerischen Landtag. Für Margarete Heinrich (SPD), Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler), Manuela Zwiselsberger (Die Linke) und Sascha Vugrin (FDP) hat es für den Einzug ins Maximilianeum letztlich nicht gereicht. Ob sich die Gewählten auf Landesebene kulturpolitisch engagieren werden, ist offen. Schließlich ist die Wahrheit auch: Wer in München Karriere machen will, ist mit anderen Politikfeldern besser beraten.