Politik & Gesellschaft

Risikogruppe Kultur

a3kultur-Redaktion

Das Staatstheater Augsburg stellt seinen Spielbetrieb bis mindestens 19. April ein. Das Sensemble und das Junge Theater gehen frühestens nach den Osterferien wieder an den Start. Der Bezirk Schwaben bietet in seinen Einrichtungen bis auf Weiteres keine öffentlichen Veranstaltungen mehr an. Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg verzichten vorerst auf Vernissagen, Führungen werden komplett gestrichen. Dutzende Kabarettabende, Konzerte und Clubevents stehen auf der Kippe. Dies ist nur eine kleine Auswahl der Meldungen der letzten Tage.

Der Corona-Virus trifft auch unsere Kulturregion hart. In enger Zusammenarbeit mit den Behörden müssen Veranstalter*innen Entscheidungen über Absagen oder Terminverschiebungen treffen. Die Sicherheit der Besucher*innen, Mitarbeiter*innen und Kulturschaffenden muss dabei Vorrang haben. Die Konsument*innen wiederum sollten ihren – hoffentlich noch – gesunden Menschenverstand walten lassen und bei den einschlägig bekannten Krankheitssymptomen zu Hause bleiben.

Privatwirtschaftlich tätige Konzertveranstalter*innen und Clubbetreiber*innen, freie Theatermacher*innen, Musiker*innen und Autor*innen sowie zahlreiche weitere Berufsgruppen müssen in den kommenden Monaten mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen rechnen. Viele dieser selbständigen Kreativarbeiter*innen hangeln sich ohnehin entlang des Existenzminimums – nun drohen sie ohne finanzielles Polster den Halt zu verlieren.

»Es ist zentral, dass das Bundeswirtschaftsministerium bei seinen Wirtschaftshilfen nicht nur das produzierende Gewerbe, sondern auch die klein- und mittelständisch geprägte Kultur- und Kreativwirtschaft im Blick hat«, meldete sich in dieser Woche der Deutsche Kulturrat in Person seines Geschäftsführers Olaf Zimmermann zu Wort. Also: Autos, Banken und die Kultur retten. Folgerichtig fordert der Spitzenverband einen gemeinsamen Notfallfonds von Bund und Ländern, um betroffenen Kulturschaffenden aus der Klemme zu helfen bzw. diesen beispiellosen Ausnahmezustand zu überbrücken.

Unter dem Titel »Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns« machte zuletzt eine in kürzester Zeit über 50.000 Mal unterzeichnete Online-Petition die Runde. Solidarität ist in diesen Tagen ein Wert, den es in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu aktivieren gilt. Und es muss ein »danach« geben. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieser angesichts der aktuellen Situation vielleicht gar nicht so plakative Kalenderspruch in der Post-Corona-Welt keine Bestätigung erfährt. Denn: Kultur ist kein Luxus, der in harten Zeiten einfach aufgegeben werden darf.

Foto oben: Leere Ränge – das Sensemble Theater ist nur einer von vielen Kulturorten in unserer Region, der in den kommenden Wochen seinen Betrieb einstellen muss.