Theater & Bühne

Ozean der Freundschaft

Jürgen Kannler
22. Februar 2022

Das jta feiert im Moritzsaal eine gelungene Premiere.

Emre und Yunus sind Freunde. Sie sehen fast gleich aus und leben ein unbeschwertes Dasein als Fischlein am Riff vor der Küste – bis sie einen Unterschied an sich entdecken, der sie entzweit. Zu allem Unheil wird einer von ihnen von Fischern gefangen und in ein Aquarium gesperrt. Nun macht sich der Zurückgebliebene auf die Suche nach seinem Freund. Auf seiner zauberhaften Reise durch die Welt der Menschen lernt er von der Bedeutung der Sprache und des gegenseitigen Verstehens.

Genau auf dieses Thema zielt die rundum gelungene, neuste Kindertheaterproduktion des jta ab. »Im Ozean der Freundschaft – dostluk okyanusunda« ist auf Deutsch und Türkisch angelegt. Das heißt, passagenweise setzt die Inszenierung auf die eine, dann wieder auf die andere und oft auch auf beide Sprachen. Das Prinzip funktioniert. Es gibt wohl niemanden im Saal, der dieser Geschichte nicht folgen kann.

Mit diesem Stück punkten die Diversitäts­expert*innen unserer Theaterregion erneut mit im leichtfüßigen Umgang mit schweren Themen. Das Spiel mit klassischem Theater und multimedialen Elementen fasziniert alle Generationen. Musik, Kostüme und Bühne verdienen eine besondere Hervorhebung. Mit Kristina Altenhöfer und Yasemin Kont stehen zwei Schauspielerinnen auf der Bühne, die großen Spaß daran haben, ihr Publikum zu unterhalten. Kont war im Übrigen auch für die Regie verantwortlich. Sie sprang bei der Premiere für ihren kurzfristig erkrankten Kollegen ein und rettete damit die Vorstellung.


Der Schauspieler Can Sümer war nicht der einzige Protagonist, der bei dieser Premiere passen musste. Auch die Livemusik wurde – krankheitsbedingt – gestrichen. Die schwerste Belastung für das jta-Team um Susanne Reng ist jedoch die nach wie vor ungewisse Raumsituation. Die eigene, viel zu kleine Spielstätte im Abraxas, fällt derzeit Coronabedingt aus und wird wohl auch nach der Pandemie kaum noch zum Einsatz kommen. Das gerade renovierte große Theater im Abraxas bietet dem jta zu wenige Termine, um einen dauerhaften Spielbetrieb zu garantieren. Der von der Stadt seit Jahren versprochene Neubau am Haus lässt, wie so viele Bauprojekte in Augsburg, auf sich warten. Die Suche nach einer neuen Bühne gestaltet sich für Reng und Co. – auch angesichts der angespannten Lage auf dem regionalen Immobilienmarkt – als extrem schwierig. Die aktuelle Inszenierung im Moritzsaal anzusetzen ist tragbar, aber kein Modell für die Zukunft. Der Saal ist schön und bietet gerade in Verbindung mit dem bezaubernden Innenhof gewiss für zahlreiche Formate gute Optionen. Aber eben nicht unbedingt für Kinder- und Jugendtheater, wie es das jta zum Leuchten bringt.

www.jt-augsburg.de

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