Theater & Bühne

Ohne Lama glücklich

a3kultur-Redaktion

Das Sensemble Theater überzeugt mit einer Inszenierung von Gianna Formicone auf der Studiobühne.

Gospodin verliert alles. Fernseher, Mikrowelle, Bett und Stereoanlage. Die Freundin verlässt ihn und sein Lama, mit dem er auf der Straße seinen Lebensunterhalt verdient, wird ihm von Greenpeace entzogen.

Seine Reaktion darauf ist eine ebenso komplexe wie absurd anmutende Systemverweigerung. Dieses Leben ohne Kompromisse bekommt ihm gut. Er scheint glücklich. Natürlich kommt seine Umwelt mit dieser Haltung nur schwer zurecht. Als er durch einen Zufall an Geld kommt, spitzt sich die Lage zu.

Die Studiobühne des Sensemble Theaters ist so sporadisch und funktionell eingerichtet wie ein Zimmer im Etap-Hotel. Gianna Formicone setzt ihrer Inszenierung klare Grenzen. Innerhalb dieser jedoch bewegen sich die drei Schauspieler*innen mit Freude und Können.

Gospodin (Patrick Schlegel) gelingt eigentlich alles, was von ihm gefordert wird. Er steht die Rolle aufrecht durch, bis zum Anarchismus. Marina Lötschert liefert 150 Prozent Schauspiel mit einem hohen Anteil komödiantischer Brillanz. Sie teilt sich schwesterlich zwölf Rollen mit Martin Schülke. Ihre fliegenden Charakterwechsel auf offener Bühne sind choreografisch fein tariert und verleihen dieser leicht-schweren Geschichte von Philipp Löhle Schwung und Spannkraft.

Es ist doch immer wieder faszinierend, der Theaterarbeit in der Kulturfabrik beiwohnen zu dürfen.

www.sensemble.de