Politik & Gesellschaft

Ökonomie und Nachhaltigkeit

Gastautor

Unser Nachhaltigkeitsmodell beruht auf vier Säulen. Kultur, Soziales, Ökologie und die Ökonomie.

Als ein Teil der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit bildet die Ökonomie einen zentralen Bereich unserer Gesellschaft. Dieses System erfüllt unsere materiellen Bedürfnisse und Wünsche, es weckt unser Verlangen. Es hat sich jedoch herauskristallisiert, dass eine Wirtschaftsweise mit dem Fokus auf Wachstum die Umwelt und das Klima zerstört. Deshalb müssen wir unsere ökologischen und ökonomischen Interessen in Einklang bringen. Inwieweit das funktionieren kann, untersuchen wir im dritten Teil unserer Serie »Die Nachhaltigkeitsmaschine«. In diesem Beitrag stellen wir die Nachhaltigkeitskonzepte von drei regionalen Unternehmen vor.

Wir sprachen mit Ursula Brandhorst-Burk und Petra Schöll, Bereichsleitung und stellvertretende Bereichsleitung Nachhaltigkeit und Zukunftsstrategien der Stadtsparkasse Augsburg, Stephanie Schmid, Inhaberin und Geschäftsführerin der Brauerei Ustersbach, sowie Gottlieb Veit, Inhaber des gleichnamigen Naturbauzentrums in Pöttmes.

Stadtsparkasse Augsburg

Die Stadtsparkasse Augsburg besteht seit 200 Jahren. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 1.000 Mitarbeiter*innen. Seit der Gründung ist die Gemeinwohlorientierung Teil des Unternehmenskonzepts. Rolf Settelmeier (Vorstandsvorsitzender der SSKA): »Gemeinwohlorientierung bedeutet für uns, dass wir wirtschaftlichen Erfolg in Einklang mit den sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen bringen – mit dem Ziel, eine lebenswerte Welt langfristig zu erhalten.« Zunächst richtete sich die Gemeinwohlorientierung des Unternehmens auf die Ebenen Ökonomie, Soziales und Kultur. Nachdem jedoch der Klima- und Umweltschutz eine immer größer werdende gesellschaftliche Relevanz erfährt, hat die Stadtsparkasse Augsburg den Komplex Nachhaltigkeit vor etwa zehn Jahren um die ökologische Nachhaltigkeit erweitert. Als Konsequenz daraus folgte die Unterzeichnung der »Selbstverpflichtung deutscher Sparkassen für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften«. Ebenso wurde vor zwei Jahren der Bereich »Nachhaltigkeit und Zukunftsstrategie« eingeführt, den Ursula Brandhorst-Burk und ihre Stellvertreterin Petra Schöll leiten.

Das Nachhaltigkeitskonzept der Stadtsparkasse Augsburg lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. Zum einen wird der Betrieb selbst zu einem nachhaltigen Unternehmen transformiert. Die Stadtsparkasse Augs­burg hat das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein, um so bei der Einhaltung des vom Stadtrat Augsburg verabschiedeten CO2-Restbudgets zu helfen und die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Dieses Vorhaben wird durch verschiedene Maßnahmen umgesetzt, wie beispielsweise das Beziehen von Ökostrom aus Wasserkraft und der eigenen Photovoltaikanlage, die Umstellung des Fuhrparks auf E-Mobilität, aber auch die Unterstützung von Aufforstungsprojekten.

Zum anderen fußt der Nachhaltigkeitsprozess auf der Gestaltung eines nachhaltigen Angebots sowohl für gewerbliche als auch private Kund*innen. Durch Beratung soll die Transformation zu einer klimaverträglichen, umweltschonenden und nachhaltigen Wirtschaftsweise unterstützt werden. Vor allem drei Aspekte sind in einem grünen Bankwesen zu beachten: Mit der Deka-Bank als Partner bietet die Stadtsparkasse Augsburg die Möglichkeit des nachhaltigen Geldanlegens. Hierbei kann in »Best in class«-Anlagen investiert werden, die nur Unternehmen beinhalten, die in ihrer jeweiligen Branche führend in Sachen Ökologie oder aber auch Soziales sind. Eine andere Variante des nachhaltigen Anlegens ist die Impact-Anlage. Hier fließt das Geld beispielsweise in erneuerbare Energie oder aber auch in Bildungsprojekte. Sinn dieser Anlageform ist es, mittels gewinnbringender Investitionen gesellschaftliche Entwicklungen zu fördern. Da bereits jetzt Auswirkungen des Klimawandels sichtbar werden, ist es sinnvoll, eine nachhaltige Versicherung zu wählen, um sich so vor Klimaschäden wie beispielsweise Hochwasser oder Dürre zu schützen. Der dritte Aspekt des grünen Wirtschaftens sind nachhaltige Finanzierungen und Kredite, die Kund*innen bei Maßnahmen und Projekten zum Klima- und Umweltschutz wie etwa energieeffizientem Bauen oder E-Mobilität unterstützen sollen. Auf Nachhaltigkeit zu setzen lohnt sich hier nicht zuletzt wegen zahlreicher Förderangebote.

Brauerei Ustersbach

Die Brauerei Ustersbach ist in der 14. Generation in Familienbesitz und besteht seit über 400 Jahren. Die Inhaberin und Geschäftsführerin Stephanie Schmid erklärt, dass diese Tradition auch ein Bewusstsein für die eigene Verantwortung schafft. Unter Nachhaltigkeit versteht sie genau dieses verantwortliche Verhalten, das dazu führt, dass im Kleinen das Unternehmen und im Großen dieser Planet ohne schlechtes Gewissen an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Die Brauerei Ustersbach setzt schon lange auf einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Wassersparen, Mehrwegkonzepte und das Einsetzen von moderner Filtertechnik helfen dabei. Auch durch ein sinnvolles Recycling wird Verantwortung für die verwendeten Rohstoffe übernommen. Was früher eher aus wirtschaftlichem Interesse geschah, wurde in den letzten Jahren durch ein Bewusstsein für den Klima- und Umweltschutz intensiviert und ausgebaut.

Unter dem Motto »Der Grüne Weg der Gelben Marke« hat sich das Unternehmen das hohe Ziel gesetzt, Deutschlands energieeffizienteste Brauerei zu werden. Dieses Vorhaben fordert sowohl kreative als auch innovative Ideen, die die Brauerei zu einem Systemgefüge aus geschlossenen Kreisläufen transformieren soll. Beispielsweise wird die überschüssige Kohlensäure, die bei der Biergärung entsteht, genutzt, um damit die Limonaden zu versetzen. Ein weiterer sehr zentraler Punkt des Nachhaltigkeitsprozesses ist ein sinnvolles Energiemanagement. 90 % des Strombedarfs erzeugt die Brauerei selbst durch eine Photovoltaikanlage und ein Blockheizkraftwerk. Ebenfalls wird darauf geachtet, dass die im Brauprozess entstandene Wärmeenergie weiterverwendet wird und so beispielsweise Büroräume geheizt werden. Die Brauerei Ustersbach möchte im Thema Nachhaltigkeit breit aufgestellt sein. Stephanie Schmid sieht diesen Prozess als interdisziplinär an und findet, dass es sehr wichtig ist, in allen Bereichen des eigenen Unternehmens nach innovativen Alternativen zu suchen. Deshalb startet die Brauerei Ustersbach in Zusammenarbeit mit Prof. emer. Dr. Waldemar Reue und Dr. Rainer Gottschalk das Pilotprojekt »Phönix«, bei dem aus Braugetreide und Bierhefe ein veganes Protein hergestellt werden soll. So können auch die Reststoffe der Bierherstellung genutzt werden. Aber auch schon kleine Dinge können einen Unterschied machen. Die typisch bayerischen Geranien, die das Bräustüble Ustersbach geschmückt haben, bieten für Bienen und Insekten kaum Nahrung, also mussten sie einer bienenfreundlicheren Alternative weichen.

Naturbauzentrum Gottlieb Veit

Der ursprüngliche Betrieb entstand vor 125 Jahren aus einer Wagnerei. Heute hat sich das Familienunternehmen vor allem auf Komplettleistungen in der Dachsanierung spezialisiert, hierbei werden ausschließlich ökologische Baustoffe verwendet. Über den angeschlossenen Baustoffhandel vertreibt das Naturbauzentrum außerdem Produkte aus dem Bereich naturnahes Bauen und Wohnen, wie beispielsweise Farben aus Lehm und Kalk oder aber auch Dämmmaterial aus Zellulose, das aus recyceltem Zeitungspapier hergestellt wird. Seit dreißig Jahren hat Gottlieb Veit die Verantwortung für das Naturbauzentrum. Sein Gefühl für Nachhaltigkeit machte sich schon früh bemerkbar. In seiner Kindheit und Jugend schaute er die Serien »Mein Freund Winnetou« und »Kung Fu«, die seine Philosophie beeinflussten. Das Motto ist: »Möglichst wenig besitzen und für das, was man besitzt, Verantwortung übernehmen.« Klingt eigentlich erst mal sehr einfach und logisch. Doch anfangs wurde Veit wegen seiner Ansichten und seiner Lebensweise noch belächelt und teilweise auch kritisiert. Jetzt, wo die Ausmaße der Klima- und Umweltschäden sichtbar werden, zeigt sich immer stärker, dass die Handlungsweise von Gottlieb Veit der richtige Ansatz ist, um mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten umzugehen.

Das Naturbauzentrum hat keinen 5-Punkte-Plan zur nachhaltigen Entwicklung, sondern setzt auf jahrelange Erfahrung und Verständnis für Natur und Umwelt. Das heißt, statt neu hergestellter Materialen werden recycelte Materialien verwendet. Die Dinge, die man besitzt, sollte man pfleglich behandeln, sodass diese möglichst lange verwendet werden können. Man kann Kooperationen mit anderen Firmen eingehen, die die benötigten Arbeitsschritte/-geräte umsetzen können oder besitzen. Ressourcensparen steht hier ganz klar im Fokus. Das setzt Gottlieb Veit auch auf dem eigenen Gelände um. Die vor etwa acht Jahren gebaute Halle besteht zu einem Großteil aus wiederverwendetem Material des davor abgerissenen Sägewerks.

Das Haupttätigkeitsfeld des Unternehmens konzentriert sich auf die energetische Dachsanierung bereits bestehender Häuser. Hierbei wird durch Dämmung und Dichtung eine förderliche Temperaturregulierung erzeugt, die zu geringem Wärmeverlust und somit zu mehr Energieeffizienz führt. Ein Großteil der Arbeit findet im denkmalgeschützten Bauen statt, da so die wertvolle Bausubstanz erhalten werden kann.

Ökologisches Denken ist unternehmerisch sinnvoll

Eingangs stand die Frage: Wie passen ökologische Nachhaltigkeit und Wirtschaft zusammen? Unser Wirtschaften und der Klimawandel beeinflussen sich gegenseitig. Klimabedingte Naturphänomene werden zu Krisen, die auch die Wirtschaft zunehmend bestimmen. Unternehmerische Entscheidungen nehmen massiv Einfluss auf das Klima. Diese Bereiche müssen abgestimmt werden. In den letzten Jahrzehnten lag der Fokus unserer Gesellschaft überwiegend auf dem ökonomischen Wachstum, was dazu führte, dass die Umwelt und das Klima immer größere Schäden davontrugen. Das deutsche Umweltbundesamt fordert daher einen Wandel der globalen Wirtschaftsweise hin zu einer sogenannten Green Economy. »Ziel ist eine Wirtschaftsweise, die im Einklang mit Natur und Umwelt steht«, so das UBA. Und diese Art des Wirtschaftens bietet auch viele Vorteile für Unternehmen. Ressourcensparen schont nicht nur unsere Umwelt, sondern oftmals auch das Budget. Auch wenn an mancher Stelle zunächst eine größere Investition in die nachhaltige Entwicklung nötig ist, ist der Nutzen langfristig größer als die Kosten.

Wie zukunftsfähig ist unsere Gesellschaft? Die a3kultur-Redaktion untersucht den Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln unseres Lebens.

Alle Beiträge zum Thema »Nachhaltigkeitsmaschine« finden Sie hier.

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Ursula Brandhorst-Burk und Petra Schöll, Bereichsleitung und stellvertretende Bereichsleitung Nachhaltigkeit und Zukunftsstrategien der Stadtsparkasse Augsburg.

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Stephanie Schmid, Inhaberin und Geschäftsführerin der Brauerei Ustersbach.

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Gottlieb Veit, Inhaber des gleichnamigen Naturbauzentrums in Pöttmes.