Literatur

Neustart für Bücher Pustet

Gastautor

Die beliebteste Augsburger Einkaufsmeile hat einen Neuzugang: Die beliebte Buchhandlung Pustet feierte am 27. Mai ihre Neueröffnung in der Annastraße. Unsere Literaturredakteurin Juliana Hazoth sprach mit der Filialleiterin Anja Völlger über den Umzug und den Neustart.

a3kultur: Herzlichen Glückwunsch zum Umzug! Der scheint wirklich sehr erfolgreich gelaufen zu sein, oder?

Anja Völlger: Ja, danke! Wir hatten einen guten Bauplan und die Handwerker haben tolle Arbeit geleistet. Auch das gesamte Material war just in time vor Ort, insofern hat alles gut geklappt. Man ist dann schon manchmal selbst erstaunt, denn gerade in solchen Zeiten kann es ja sehr schnell an Kleinigkeiten scheitern. Aber man muss ganz einfach sagen: Wir haben ein tolles, tolles Team. Alle haben zusammengearbeitet und es lief Hand in Hand.

Wie kann man sich Ihre Vorbereitungen denn vorstellen?

Wir wussten, wie viel Platz wir ungefähr in der neuen Filiale haben, sodass wir vorausplanen konnten. Letztes Jahr haben wir also schon angefangen, unser Sortiment zu halbieren. Es bringt schließlich nichts, ein riesiges Sortiment vorzuhalten, das nicht umgezogen werden kann. Natürlich ist es ein großer Schritt, von 1.200 auf 500 Quadratmeter runterzugehen, aber letztlich ist das auch eine sinnvolle Entwicklung, wenn man den Buchmarkt als Ganzes sieht. Das Onlinegeschäft legt, auch durch die Lockdowns bedingt, zu, unsere Homepage und der Onlineshop werden immer wichtiger.

Worin sehen Sie dann heute noch die Rolle des stationären Buchhandels?

Früher waren Kund*innen noch viel mehr auf Buchhändler*innen angewiesen, darauf, von A bis Z bedient zu werden. Das gibt es heute so nicht mehr. Bei unseren Kund*innen findet eine Emanzipation statt, sie haben oft umfangreiches Vorwissen, können selbst online recherchieren und sich ein Bild machen. Das heißt, sie kommen schon vorbereitet in den Laden. Da müssen wir dann einhaken und begleitend agieren. Unsere Aufgabe ist es, dabei zu helfen, durch das Angebot von 60.000 bis 70.000 Neuerscheinungen jährlich zu navigieren. Wir müssen unsere Kund*innen kennen und ihnen eine Vorauswahl anbieten, die zu ihnen passt.

Gibt es denn abgesehen von der Verkleinerung noch weitere Änderungen?

Nein, nicht wirklich. Das Gute ist, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, und das Buch ist das Rad. Der Raum, der hier entstanden ist, ist und bleibt der klassische Buchhandel. Darauf setzen wir. Natürlich bespielt man Trends und geht mit der Zeit, aber die Klassiker bleiben. Bücher sind deswegen auch so wichtig in Krisen. Sie bieten ein festes Gefüge und Verlässlichkeit. Schön ist aber, dass wir hier in der Annastraße schon jetzt merken, dass sich unser Publikum erweitert. Vor allem junge Menschen kommen herein und sehen sich um. Das sehen wir als große Chance.

Nach dem Umzug ist Pustet nun die dritte Buchhandlung in der Annastraße. Wie schätzen Sie das ein?

Ist das eine Konkurrenzsituation? Ich denke, wir haben jeweils eine so starke Ausprägung, dass alle auch ihre Berechtigung haben. Da ist für jede*n etwas dabei und es kommt darauf an, wo sich der Kunde oder die Kundin zu Hause fühlt. Ich glaube nicht, dass jemandem etwas genommen wird, sondern vielmehr der Straße insgesamt etwas gegeben wird. Wenn die Entwicklung zu interessanten, kleinen Läden und einer Mischung aus Filialisten und inhabergeführten Geschäften geht, profitieren letztlich alle von einer lebendigen Atmosphäre.

Verraten Sie uns zum Abschluss noch Ihren aktuellen ultimativen Buchtipp?

Ich habe vor Kurzem ein tolles Buch von Joan Didion gelesen – einer kalifornischen Schriftstellerin, die im vergangenen Winter verstorben ist und sehr viele kluge Essays, aber auch Drehbücher und für Magazine wie die Vogue oder den New Yorker geschrieben hat. In dem Band »Dinge zurechtrücken« gibt es Interviews, Texte und Essays, die perfekt sind, wenn man einige kluge Dinge über Literatur und das Zeitgeschehen lesen möchte. Das würde ich empfehlen!