Theater & Bühne

Neue Zweigstelle

Jürgen Kannler
23. Februar 2022

»Blauer Montag« – ein neues Format im alten Rock-Café.

Eigentlich hätte es nur Bier geben dürfen. Mit dieser Feststellung und der Frage, ob drei Nichtbayern überhaupt einen Achternbusch-Abend bestreiten dürfen, gingen Staatstheaterbauintendant André Bücker, Schauspieldramaturg Lutz Keßler und Schauspieler Andrej Kaminsky an den Start. Das nicht nur in diesem Fall platt und tapsig wirkende Geeiere um das Thema Mundart ging vorüber und es wurde noch ein besonderer Abend. Wir lernen: Starke Texte brauchen keinen Heimatdialekt.

Die Rollenverteilung auf der kleinsten wie jüngsten Bühne des Staatstheaters war klar. Drei Männer auf der Bierbank. Der linke (Keßler) war für die Zusammenstellung der Textstellen und Filmfragmente verantwortlich. Außerdem für eine Art Powerpoint-Präsentation über das Leben und Wirken Herbert Achternbuschs. Der Mann in der Mitte (Kaminsky) übernahm die szenischen Lesungen, die final zu einem Erlebnis wurde. Der rechte (Bücker) las einige Gedichte und hatte vor allem die Idee zu diesem Abend. Unter dem Motto des Achternbusch-Zitats »In Bayern möchte ich nicht einmal gestorben sein« lud das Staatstheater darum zu Ehren des am 10. Januar 2022 verstorbenen Künstlers am Blauen Montag in den Augsburger Stadtteil Kriegshaber.

Der Ort hätte Achternbusch gefallen können: eine verlassene Wirtschaft an einer stark befahrenen Kreuzung in der Vorstadt. Große Theke, kleine Bühne, Bier aus Flaschen für vier Euro inklusive Trinkgeld. 30 Menschen durften kommen, 30 Menschen kamen. Weniger aus der Nachbarschaft, aber dafür allesamt sehr interessiert, Altersdurchschnitt: staatstheaterkonform eher 50 plus. Die Theaterleute werden vorerst bleiben.  

Der Blaue Montag soll ab März 14-tägig ein offenes Programm bieten. Das Rock-Café steht aber auch für andere Programme offen, zum Beispiel am Sonntag, 13. März um 20 Uhr »Viel gut essen«, ein Schauspiel von Sibylle Berg. Hingehen!

www.staatstheater-augsburg.de

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