Klassik

Neue Töne, starke Kontraste

Das sjso erschloss im Benefizkonzert für die Ukraine »Neue Welten«.

Neue Töne und starke Kontraste in der kompositorischen Auseinandersetzung mit dem Neuen, nicht nur Schönen in unserer Welt präsentierte das Schwäbische Jugendsinfonieorchester sjso am Sonntagabend im sehr gut – u.a. von Bezirkstagspräsident Martin Sailer und GMD Domonikos Héja - besuchten Kongress am Park. Mehr als eindrucksvoll war das hohe Niveau, auf dem der junge Klangkörper unter der inspirierenden Leitung von Carolin Nordmeyer musizierte und so die Uraufführung von Carolin Pooks »ABOUT TIME« ebenso wie Antonin Dvoraks 9. Sinfonie »Aus der neuen Welt« zum Erlebnis machte. Der Jubel des Publikums war mehr als verdient! 

Wie oft nach dem ein- und erstmaligen Hören fällt das Bewerten und Beschreiben eines modernen Werks sehr schwer. Im Vorjahr- und damit noch unter dem Einfluss pandemischer Herausforderungen - entstand als Auftragswerk für das sjso das Violinkonzert »ABOUT TIME«. Die jazzaffine Komponistin Carolin Pook (*1981) spürt darin im dramaturgischen Spannungsbogen von »Anfang, Weg, Ende« und unter Verwendung vom Sekundentempo 60 als einem Hauptthema dem Erleben und Erfüllen von Zeit nach. Nicht nur der in zeitgenössischer Musikstilistik versierten Solistin Hannah Weirich forderte die Interpretation jede Menge improvisatorisches Vermögen ab – auch die Orchestermusiker*innen begaben sich unter der deutlichen und die vielen dynamischen Wechsel einleitenden Zeichenvorgabe ihrer Dirigentin hellwach auf die Suche nach ungewohnten spielerischen Freiräumen und instrumentaltechnischen Experimenten. Unmittelbar übertrug sich z.B. durch das Takt-Stampfen mit den Beinen oder das Schlagen aufs Instrument die große physische Energie, die »About Time« in einem fein austarierten Wellenspiel ausstrahlte. Bewusst klang das auch mal ziemlich jazzig, schrill, schräg, rau und ruppig und ließ den aufmerksam Hinhörenden reichlich Wahrnehmungs- und Interpretations-Spielraum.

Mit Antonin Dvoraks 1893 in New York uraufgeführter »Sinfonie Nr. 9« steuerte das Orchester mit Volldampf ganz andere »neue Welten« an. Für diese wunderschöne und abenteuerliche sinfonische Reise, auf der man motivisch böhmische Folklore ebenso entdecken mag wie indianisch inspirierte Prärie-Atmosphäre, hatte es in Carolin Nordmeyer eine weitsichtige und spürbar motivierende »Kapitänin« an Bord, bzw. am Pult. Souverän sorgte sie für die Orientierung und gab beherzt den viersätzigen Kurs vor, um am Ziel der Reise mit verdient lautem Jubel empfangen zu werden. Gemeinsam mit dem Dozententeam war in der Probenwoche Herausragendes geleistet worden. Kaum zu glauben, wie sicher und musikalisch ausdrucksvoll die prägenden, nicht selten heiklen Solopassagen (Flöte! Oboe! Klarinette! Trompeten!) dieser Partitur gemeistert wurden, um dadurch hörbar das Kollektiv zu beflügeln!

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