Politik & Gesellschaft

Wie nehmen wir Natur wahr?

Max Kretschmann
6. Dezember 2020

Circa 20.000 Studierende in rund 90 Studiengängen an 8 Fakultäten – das sind die aktuellen Zahlen der Universität Augsburg. »Wie studiert es sich heute?« fragt die a3kultur-Sonderveröffent­lichung zum 50. Geburtstag des größten Bildungs- und Kulturortes unserer Region. Download der Gesamtausgabe

8 Student*innen, pro Fakultät eine*r, hat die a3kultur-Redaktion in Kooperation mit der Universität Augsburg porträtiert: #2 Allegra Decker, Katholisch-Theologische Fakultät (
Foto © Frauke Wichmann)

Manche blicken mit Furcht, manche ungläubig und manche gefasst auf die Zukunftsprognosen, die Klimaforscher aufstellen. Die ökologischen Probleme der Erde sind ein zentrales Thema und die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Menschheit in diesem und in den kommenden Jahrhunderten. Ein besonders wunder Punkt in der Akzeptanz neuer Erkenntnisse sind dabei Gewohnheiten, Sitten und Werte, die sich manchmal nicht mit Klimawandel und Co. vereinbaren lassen: Können wir angesichts der Klimaschädlichkeit von Massentierhaltung weiterhin so viel Fleisch essen wie bisher? Aus reiner Bequemlichkeit von München nach Frankfurt fliegen? In unserem Konsumrausch ständig alles neu kaufen? Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Doch vielen mag diese unbequeme Wahrheit nicht recht schmecken. In gewisser Weise hängt unsere Zukunft jedoch gerade davon ab, inwieweit wir bereit sind, unser Verhalten in Bezug auf die Umwelt zu überdenken und wie wir mit den uns gestellten ökologischen Herausforderungen umgehen.

Ein deutschlandweit einzigartiger Studiengang

Der interdisziplinäre Masterstudiengang Umweltethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg setzt genau hier an: »Wo mit einem interdisziplinären Zugriff Lösungen für die ökologischen Probleme gesucht werden, bedarf es zusätzlich einer normativen Kompetenz, die begründen kann, weshalb eine Antwort auf ein bestimmtes Problem als gut und daher auch wirklich als Lösung betrachtet werden kann«, erläutert Dekan Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti. Die Vermittlung der normativen Kompetenz sei daher das Kernanliegen des Masterstudiengangs Umweltethik, der in dieser Art in Deutschland einzigartig ist.

Interessierte Studierende kommen von nah und fern, um sich auf die ethische Reflexion ökologischer Herausforderungen zu spezialisieren. Eine dieser Interessierten ist Allegra Decker, die im April 2019 in die Unistadt zog, um Umweltethik zu studieren. Die aus dem Nordschwarzwald stammende Badenerin widmete sich nach dem Abitur zunächst sechs Jahre lang der katholischen Theologie in Freiburg, wo sie 2017 den Magister Theologiae erlangte. Nach dem Studium reizte die junge Frau das breite Arbeitsspektrum einer Pastoralreferentin. Doch schon damals hatte sie die Umweltethik als weiterführenden Studiengang immer im Hinterkopf. Nach einer kurzen Orientierungsphase schrieb  sie sich in Augsburg für den interdisziplinären Master ein, um ihrem persönlichen Umwelt-engagement zu folgen.

Zunächst kannte sie von der Stadt nicht viel, außer der Augsburger Puppenkiste, wie sie zugibt, doch fand sie bald Gefallen an der historischen Innenstadt und am Campus. In Freiburg sind die Fakultäten über die ganze Stadt verteilt, daher sei es schon etwas Besonderes, dass in Augsburg alles an einem Fleck ist und man Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen treffen kann. Gerade die zwei Seen mit ihren Bäumen und Bänken haben es Allegra angetan. Doch ihr Lieblingsplatz ist die »Alte Cafete«, der wahrscheinlich beliebteste Treffpunkt der Uni. Nicht weit entfernt, im Studierendenwohnheim Haus Edith Stein, hat sie ein Zimmer und Anschluss in der Blaskapelle der KHG gefunden. Die Nähe zum Siebentischwald, wo sie ihren Alltag gerne mit Sport ausgleicht, habe ihr gerade in Corona-Zeiten sehr geholfen, als gemeinschaftliche Tätigkeiten mit einem Mal nicht mehr möglich waren.

Das Interesse für den Studiengang wurzelt bei ihr – neben seiner gesellschaftlichen Relevanz – ganz klar im persönlichen Bezug. Allegra verbindet viel mit Wald und Natur, wo sie, so oft es geht, ihre Freizeit verbringt. Da ihre Familie einige Hektar Forst im Schwarzwald bewirtschaftet, habe sie über die Jahre aber auch beobachten können, wie die Klimakrise immer deutlichere Spuren in den Wäldern hinterlässt. Umso motivierter ist Allegra, dem entgegenzuwirken und die Gesellschaft zu sensibilisieren.

Ein Blick über den Tellerrand der Disziplinen

Besonders die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs gefalle ihr, da man Einblicke in andere Fachrichtungen erhalte. »Nicht immer in einem Denkbereich zu bleiben, sondern auch neue Methoden kennenzulernen. Etwa wie in anderen Bereichen, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, gearbeitet und gedacht wird«, interessiert die Studentin. Die Interdisziplinarität, das Zusammenwirken von unterschiedlichen Fächern und Disziplinen, wird an der Universität Augsburg, die sich selbst als Netzwerkuniversität versteht, gepflegt und gefördert. Der Schritt von der katholischen Theologie zur Umweltethik erscheint Allegra mit Verweis auf die Umweltenzyklika von Papst Franziskus dabei logisch. Es ist ihre feste Überzeugung, »dass wir keine Sonderstellung außerhalb der Natur haben, sondern ein Teil davon sind und dass wir zwangsläufig – und das sehen wir jetzt – mitleiden, wenn die Erde leidet.«

Ihre Masterarbeit möchte sie aber der Frage widmen, wie wir Natur psychisch, physisch und spirituell wahrnehmen und ob sich daraus für den Menschen normative Konsequenzen ergeben. Wo also unsere Naturwahrnehmung dazu beitragen könnte, Umweltproblematiken in ein anderes Licht zu rücken. Was danach kommt, stehe noch nicht fest. »Ich weiß natürlich, dass ich danach etwas machen möchte, was mir Freude bereitet, was mich persönlich weiterbringt und darüber hinaus auch etwas bewirken kann«, erklärt Allegra. »Ich bin optimistisch. Meist tun sich immer irgendwelche Türen auf«. Augsburg bleibt ihr dabei als Meilenstein in ihrem Werdegang mit Sicherheit positiv in Erinnerung. (mkr/uni)

www.uni-a.de

Weitere Positionen

12. Januar 2022 - 12:43 | Renate Baumiller-Guggenberger

Beim 4. Sinfoniekonzert »Castellano« widmeten sich die Augsburger Philharmoniker der faszinierenden Musik aus Spanien und Südamerika.

12. Januar 2022 - 10:27 | Iacov Grinberg

Iacov Grinberg besuchte die Ausstellung über die »Sieben Schwaben« in der Galerie Süßkind.

10. Januar 2022 - 10:06 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auch mit Hilfe von 40 Umzugskartons erkundeten die 15 Tänzer*Innen im neuen Tanztheater »left behind (you)right« von Peter Chu den analogen und den digitalen Raum.

9. Januar 2022 - 9:00 | Gudrun Glock

Natürlich, sanft und effektiv Hashimoto, Hyperthyreose und Hypothyreose heilen.

7. Januar 2022 - 8:00 | Manuel Schedl

Ein Kunstkollektiv? Eine Kreativdienstleistungsfirma? Ein internationales Weltverbesserungssyndikat? Die UTOPIA TOOLBOX will mechanistisches Denken aufbrechen und Kunst mitten in die Bevölkerung und deren Alltag hineintragen.

6. Januar 2022 - 9:00 | Thomas Ferstl

Nach »Boogie Nights« (1997) und »Inherent Vice« (2014) meldet sich Kultregisseur Paul Thomas Anderson mit einer weiteren Siebzigerjahre-Geschichte auf der Großleinwand zurück.

5. Januar 2022 - 9:00 | Juliana Hazoth

Literaturredakteurin Juliana Hazoth über Bücher, die man gelesen haben muss oder auch nicht: Bestseller!

4. Januar 2022 - 9:00 | Gudrun Glock

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr von James Strawbridge.

RYU Vietnamese Streetfood
3. Januar 2022 - 9:00 | Tanja Blum

Vor etwas mehr als einem Jahr hat in der Jakoberstraße ein neues Restaurant namens Ryu eröffnet. Was das Ryu zu bieten hat? Vietnamesisches Streetfood!

2. Januar 2022 - 9:00 | Juliana Hazoth

Seit ihrer Gründung 1924 ist die Büchergilde vom deutschsprachigen Buchmarkt nicht mehr wegzudenken. Seitdem hat sich viel getan. Wie steht es heute, fast ein ganzes Jahrhundert später, um die Gilde und ihre Bedeutung für die Buchwelt? Unsere Literaturredakteurin Juliana Hazoth hat im Gespräch mit Alexander Elspas, Geschäftsführer der Büchergilde, nachgefragt.