Klassik

In Memoriam

Sarvara Urunova
20. November 2012
nilsmoenkemeyer

Werke von Gideon Klein, Pavel Haas, Ödön Pártos und Dmitri Schostakowitsch waren beim Konzert der Bayerischen Kammerphilharmonie in der Synagoge zu hören, die alle im Zeichen der Erinnerung an die unzähligen Opfer des Holocaust stehen. Die ersten beiden Kompositionen wurden im tschechischen Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin), das als Durchgangslager und als Ghetto für prominente, kriegsversehrte und alte Juden angelegt war, komponiert. Das Eröffnungswerk »Partita per Archi« schrieb Gideon Klein 1944 in Terezin unmittelbar vor seinem Transport nach Auschwitz, wo er zwei Monate vor seinem 26. Geburtstag umgebracht wurde. Trotz der schweren Lage, in der sich der Komponist befand, als er das Werk schuf, wirkt es durch die Energie und Entschlossenheit, die es ausstrahlt, wie ein Wunder.

Die »Studie für Streichorchester« von Pavel Haas entstand im Sommer 1943 ebenfalls in Terezin. Den Anstoß für die Entstehung des Werkes gab die Bildung eines Streichorchesters aus mitinhaftierten Musikern unter der Leitung von Karel Ančerl, der später zum Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie wurde. Im September 1944 fand die Uraufführung der Studie in Terezin statt, einen Monat später jedoch wurden fast alle Mitglieder des Orchesters nach Auschwitz gebracht, wo Pavel Haas in der Gaskammer umkam. Ančerl überlebte und konnte nach dem Kriegsende die Stimmen der Studie in Theresienstadt finden und somit das Werk retten.

Zum traurigsten und gleichzeitig ausdrucksstärksten Moment des Abends wurde die Darbietung des Werkes von Ödön Pártos, das den Namen des jüdischen Gebets »Yizkor« trägt und mit »In Gedenken« übersetzt werden kann. Den Solopart an der Viola übernahm in beeindruckender Weise der international renommierte Musiker Nils Mönkemeyer (Foto).

Das Streichquartett D-Dur von Dmitri Schostakowitsch krönte mit seinen rebellischen Klängen das Abendprogramm mit unvergesslicher Musik für unvergessene Menschen.

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