Theater & Bühne

Let’s talk about … climate change!

a3kultur-Redaktion

Vom Klimastreik direkt in die Premiere auf der Brechtbühne: Der Freitag vor der Zukunft, vor der Bundestagswahl, stand ganz im Zeichen des Klimawandels.

Ein Lobbyist, ein Gewerkschafter, ein Manager und eine Umweltaktivistin treffen sich – so beginnen Witze oder wie im Falle der Uraufführung von »Freitags vor der Zukunft« ein Theaterstück des Theaterkollaborativs Futur II Konjunktiv. Was aber hier auf der Brechtbühne thematisiert wird, ist kein Witz, es ist Ernst, es ist die erschreckende Realität und deswegen ist dieses Stück so wichtig.

Nachdem der Firmenpatriarchat stirbt, steht ein Autokonzern am Scheideweg: Seine Tochter Caja (Elif Esmen) will mit Hilfe der Klimaaktivistin Merle (Christina Jung) die Ausrichtung des Unternehmens radikal ändern sowie eine umwelt- und zukunftsgerechtere Produktionsweise einführen. Bei ihrer Tante (Ute Fiedler) steht jedoch die Wirtschaftlichkeit des Konzerns im Vordergrund. Ein Streit ist vorprogrammiert. Und so vertreten die unterschiedlichen Protagonisten des Stücks ganz unterschiedliche Meinungen und Argumente, wie es in Zukunft mit dem Konzern weitergehen soll und welche Schwerpunkte gesetzt werden müssen.

Das Stück thematisiert die Debatten und Streitigkeiten, die auch in Familien und der Gesellschaft seit Jahren geführt werden. Was ist wichtiger, Wirtschaft oder Umwelt? Oder kann es nicht auch Hand in Hand gehen? Inwieweit sind wir bereit, Veränderungen zu Gunsten des Klimaschutzes, unseres Schutzes in unserem täglichen Leben mitzutragen? Ist E-Mobilität die Lösung für unsere Zukunft oder nur Augenwischerei? Wer bezahlt den Wandel hin zur Klimaneutralität? Wer bezahlt für die Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden? Die Unternehmen?

Das Theaterkollaborativ wirft aber nicht nur Fragen auf und erschafft auch keine realitätsferne Umweltromantik, es scheut auch nicht davor zurück, Lösungsvorschläge auf die Bühne zu bringen und zeichnet Bilder, die fantastisch aber nicht utopisch scheinen. Wie würde die Stadt ohne Autos aussehen? Traumhaft, mag man Merle und Caja glauben.

Das Stück ächzt manchmal unter der großen Last an Fakten, Worten, Zahlen, Monologen – die Schauspieler*innen hatten bei der Premiere an der einen oder anderen Stelle damit zu kämpfen. »Freitags vor der Zukunft« – der Titel ist eine sehr freie Übersetzung von »Fridays for Future« – ist dennoch höchst spannend, unterhaltsam, interessant aber auch erschreckend. Wussten Sie zum Beispiel, dass General Motors zwischen den 1930er und 1960er Jahren in 45 amerikanischen Großstädten den auf Straßenbahn basierenden öffentlichen Personennahverkehr systematisch zerstörte? Nein? Dann auf in die Schule, … ähm, ins Theater!

www.staatstheater-augsburg.de