Ausstellungen & Kunstprojekte

Krieg der Bilder

Patrick Bellgardt
10. März 2014

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs jährt sich heuer zum einhundertsten Mal. Die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« war nicht nur militärisch gesehen eine gigantische Materialschlacht – auch die Propagandamaschinerien der beteiligten Staaten liefen auf Hochtouren. Mit Plakaten, Flugblättern sowie erstmals auch mit Filmen und Fotografien wurde versucht, Freund und Feind gezielt zu beeinflussen. Der Bevölkerung sollte mit diesem »Krieg der Bilder« Zusammenhalt, Siegeswillen, Opferbereitschaft und Durchhaltevermögen eingeimpft werden.

Der 1881 in Dornstadt bei Nördlingen geborene Lehrer Karl Wilhelm Beck hinterließ der Nachwelt eine außergewöhnliche Sammlung an Plakaten, Postkarten, Aufrufen und Verordnungen aus dieser Zeit, welche 1988 in den Besitz des Volkskundemuseums in Oberschönenfeld überging. Rund 70 Plakate aus diesem Nachlass waren bis zum 9. März im Rahmen der Ausstellung »Siegt, Spendet, Schreibt an die Front!« in der Schwäbischen Galerie zu sehen.

Da der Krieg hauptsächlich über kurzfristige Kredite finanziert wurde, legte das Kaiserreich zwischen 1914 und 1918 insgesamt neun Kriegsanleihen auf. Damit möglichst viele Deutsche diese kauften, setzte die Reichsbank auf groß angelegte Plakatreklame. Werbeprofis wie Lucian Bernhard und Künstler wie Fritz Erler appellierten in ihren Entwürfen an den Patriotismus des Volkes. Mit eingängigen Slogans wie »Helft uns siegen!« ebneten sie dem politischen Propagandaplakat den Weg bis heute. Einfache Frontsoldaten unter dem Stahlhelm wie in Bernhards Entwurf zur siebten Kriegsanleihe bilden einen häufigen Blickfang.

Auch die Produktwerbung wandelte sich mit dem Beginn des Kriegs. Ein eindrucksvolles und gleichzeitig aus heutiger Sicht völlig unfassbares Plakat ist eine Reklame für »Tubex Mentholzigaretten«: Es zeigt mehrere rauchende Soldaten im Schützengraben. Die scheinbar fröhlich-ausgelassene Stimmung wird nur von einem im Hintergrund stattfindenden Artilleriebeschuss gestört. Dieses Motiv ist jedoch keine Ausnahme. Die Produkthersteller stellten ihre Verbundenheit mit dem Militär offen zur Schau, Frontsoldaten als Werbefiguren waren keine Seltenheit.

Plakate zur Kriegswirtschaft, Spendensammlungen und dem Medienkrieg vervollständigten die mehr als gelungene Ausstellung. Gekonnt aufbereitet, boten die kurzen Informationen zu jedem Exponat einen interessanten Einblick in die deutsche Kriegspropaganda. Mit den realen Ereignissen auf den Schlachtfeldern hatte dieser »Krieg der Bilder« allerdings wenig gemein: Rund 17 Millionen Menschen verloren zwischen 1914 und 1918 weltweit ihr Leben.

Einem völlig anderem Thema widmet sich das Volkskundemuseum Oberschönenfeld vom 16. März bis 11. Mai: Die Schwäbische Galerie zeigt in einer neuen Ausstellung »Aspekte der Aquarellmalerei«. Die Schau widmet sich der in den letzten Jahrzehnten stark in den Hintergrund getretenen Kunstform und zeigt Werke von Florina Coulin, August Hofer und Hanns Weidner.

www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

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