Theater & Bühne

Kostümlos glücklich

Patrick Bellgardt
24. November 2016

Kein Bühnenbild, keine Kostüme, keine szenische Interaktion der Sängerinnen und Sänger – die Schließung des Großen Hauses sorgte für einschneidende Änderungen im Spielplan des Theaters Augsburg. »Idomeneo«, ursprünglich in einer Inszenierung von Peter Konwitschny geplant, musste »eingestampft« werden. Wolfgang Amadeus Mozarts 1781 für den Münchner Karneval geschriebene Oper (Libretto: Giambattista Varesco) tauchte im Interimsprogramm nur noch in konzertanter Form auf – die Schwabenhalle war ausgebucht.

Als Ersatzspielstätte fassten die Verantwortlichen das Zentrum für Kunst und Musik an der Universität Augsburg ins Auge. Das Herzstück des 2014 eröffneten Gebäudes mit Vorlesungs- und Übungssälen, Werkstätten und Büroräumen bildet ein großer Konzertsaal mit rund 400 Sitzplätzen, der unter anderem vom Leopold-Mozart-Zentrum gerne genutzt wird. Es ist eine moderne und klanglich tadellose Location, die den Studierenden und ihren Besuchern hier zur Verfügung steht.

Schade nur, dass vergleichsweise wenige Opernfans dem Ruf ins Univiertel gefolgt waren. So blieben zur Premiere am 19. November einige Plätze unbesetzt. Gleichwohl präsentierten die Augsburger Philharmoniker, der Opernchor des Theaters und die sechs Sängerinnen und Sänger unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Lancelot Fuhry eine hochkarätige Fassung der tragischen Geschichte um den kretischen König Idomeneo und seinen Sohn Idamante.

Die Oper ist ein Zusammenspiel aus Musik, Gesang, Theater, Bewegung, bildender Kunst – in dieser konzertanten Variante fokussiert sich das Ensemble in erfrischender Weise auf den hörbaren Part des Ganzen. Die Augsburger »Lokalhelden« Cathrin Lange (Ilia), Adréana Kraschewski (Elektra), Giulio Alvise Caselli (Oberpriester) und Christopher Busietta (Arbace) bekommen dabei Unterstützung von den starken Gastsängern Theodore Browne (Idamante) und Eric Laporte (Idomeneo). Mehr als Musik, Gesang und die – für den Autor dieses Beitrags unabdingbaren – deutschen Übersetzungen im Obertitel haben es für eine emotionale und packende Vorstellung dieses Mal nicht gebraucht.

Weitere Termine: 27. November, 4. und 28. Dezember.

www.theater-augsburg.de

Foto: Illustration des Theaters zur Interimsspielstätte Uni Augsburg

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