Jazz
Klassik

Der Kongress swingt!

Dieses Programm mit Duke Ellingtons lautmalerischer Tondichtung »The River«, mit Daniel Schnyders (*1961) Konzert für Bassposaune und Orchester, mit Darius Milhauds Ballettkomposition »La création du monde« und Leonard Bernsteins symphonischen Tänzen aus dem Musical »West Side Story« hatte Seltenheitswert und Potenzial als »Einstiegsdroge« für Klassik-Neuhörer. Es kam aber auch bei den erfahrenen Konzertabonnenten bestens an, deren Schlussapplaus so lang und frenetisch wie selten war. Zwei spannungsreiche Stunden ging im Kongress am Park der sinfonische Jazz-Punk ab und weckte Sehnsucht (Theater-Spielzeit-Motto!) nach mehr. Domonkos Héja zog in der Tat sämtliche Register am Pult, schnippte, schnappte und tanzte, dass es die reine Freude war, setzte mit »Schmackes« die nötigen Impulse und Zäsuren, nie ohne die Zügel locker zu lassen und führte so sein höchst achtsames Orchester zur beschwingten Höchstleistung.

Die oftmals behauptete Unvereinbarkeit von »gleichzeitigem« Jazz- und Klassikspiel wurde hier stark widerlegt und spielte damit auch dem Credo des genialen Crossover-Komponisten Daniel Schnyder in die Karten, bzw. in die seinem Freund Stefan Schulz auf den Leib geschriebene »ZOOM OUT«-Suite für Bassposaune und Orchester. Intensiv vertraut mit Schnyders Faible für raffiniert getaktete Soundcollagen, die sich atmosphärisch und rhythmisch verdichten, die geistreich die Fülle der musikalischen Landschaft ausloten, die sinnlich Orient mit Okzident vereinen, die als Jazz wie als klassische Weltmusik definiert werden können, machte Stefan Schulz einmal mehr deutlich, was die Bassposaune als Soloinstrument an Klangvielfalt zu leisten im Stande ist.

Die ans Finale gesetzte Interpretation der neun sinfonischen Tänze der West Side Story war nicht nur eine angemessene Reverenz an den unsterblichen Leonard Bernstein, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde, sondern der absolute Höhepunkt dieses wie gesagt denkwürdigen Abends. Gänsehaut pur erzeugte die spielerische Verve, der Swing, die Prägnanz und der Drive, den dieses fantastische Orchester, das in allen Instrumentengruppen über großartige Solisten verfügt (Schlagwerker! Blech! Flöte!) hier in den Raum hinaus-»posaunte«. Das besaß schon Staatstheater-Format und A-Orchester-Qualität! Wenn sich dies wie eine Hommage an Domonkos Héja liest, dann nicht von ungefähr: Augsburg darf sich wirklich freuen, mit ihm einen in jeder Hinsicht charismatischen und kompetenten GMD zu haben, der alles gibt, um die »Sparte« Konzert zum Erlebnis zu machen, das hoffentlich noch lange gefragt bleibt!

www.theater-augsburg.de

PS: Eine allerletzte Chance, den höchst virtuosen »Artist in Residence« noch einmal zu erleben, besteht im Abschieds-SOLO-Konzert im MAN-Museum am 17. Juni mit Prof. Stefan Schulz, Bassposaune und Saori Tomidokoro, Klavier.