Politik & Gesellschaft

Kongress am Park – ein Ort mit Geschichten

Marion Buk-Kluger
24. Mai 2022

Ein Gebäude, mit dem viele Augsburger*innen Erinnerungen verbinden.

Margarete Heinrich (Stadträtin und Bankerin) »Mit zehn Jahren hatte ich in der Kongresshalle meinen ersten Auftritt mit dem Chor der Albert-Greiner-Singschule. Ich war Sopranistin und noch sehr klein, musste also als Erste auf die große Bühne treten. Ich führte quasi den Chor an und war dementsprechend nervös. Es gab zuerst einen beeindruckenden Applaus. Dann kam gespannte Stille. In dem Moment, als unser Chorleiter die Hand hob, damit wir beginnen, fiel mein Textbuch mit lautem Knall auf den Boden und ich hatte noch einmal die volle Aufmerksamkeit des Publikums.«

Lisa McQueen (Stadträtin und Aufsichtsrätin Kongress am Park) »Ich arbeitete von 2011 bis 2013 als Spülhilfe im KKlub. Das war eine tolle Zeit. Ich habe das mit meiner besten Freundin zusammen gemacht. Nach einer Riesenparty um sieben Uhr früh lud unser Chef Andi Kahn das ganze Team noch auf die Terrasse, holte die teuersten Stücke Steak aus dem Lager, legte sie auf den Grill und köpfte etliche Champagnerflaschen. Nach diesem Frühstück durften alle noch ihren Lieblingscocktail mixen. Das war eine der schönsten teambildenden Maßnahmen unseres Chefs.«

Andreas Kahn (Feinkost Kahn) kann natürlich in puncto Erinnerungen aus dem Vollen schöpfen. 1995 übernahm seine Familie die Gastronomie in der damaligen Kongresshalle (zu der auch der KKlub und der Parkbiergarten gehören): »Das war eine riesengroße Herausforderung für uns. Mit die schönsten und aufregendsten Erlebnisse waren die Pressebälle. Zu den speziellsten Stargästen zählte auch Sänger Sasha, der im Winter frisch gepressten Rhabarbersaft wollte – die Stangen bekommt man gar nicht zu dieser Jahreszeit, aber irgendwie hat es doch geklappt. Oder Nena, die nur biozertifizierte Produkte mit Nachweis und alles vegan wollte. Es wurde dann allerdings gar nichts vom Catering angerührt, schade.«

Harry Winderl (Gastrounternehmer) erinnert sich an mehr als zwanzig allesamt erfolgreiche Großveranstaltungen, die er im Kongress am Park mitveranstaltete, darunter allein zehn rauschende Silvesterpartys. »Ich mag den Ort und wir haben dort wirklich einige gute Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Das schlimmste Erlebnis jedoch war ein riesiges Silvesterfeuerwerk, das wir für 10.000 Euro gebucht hatten. Um Mitternacht war aber keine einzige Rakete zu sehen, weil sich genau zu diesem Zeitpunkt heftiger Nebel bis in den Park senkte. Die Party war aber trotzdem eine der schönsten.«

Susanne Schubert (Marketingleitung Cineplex) »Abgesehen davon, dass ich im Kongress am Park einige Male das neue Jahr mit wunderbarer Aussicht vom Dach aus begrüßt habe, verbinde ich diesen Ort natürlich vor allem mit vier wunderbaren Medienpreis-Verleihungen, die ich im Rahmen der Galas organisieren durfte und die für mich immer ein besonderes Ereignis bleiben werden.«

Girisha Fernando (Musiker, Kurator) denkt gern an die letzte große Brechtnacht im Februar 2020 kurz vor dem ersten Lockdown zurück: »Mit über 2.000 Gästen und spannenden Künstler*innen wie Voodoo Jürgens mit seiner eindringlichen Version der ›Zuhälterballade‹, der Banda Internationale, The Notwist, Shari Vari und vielen anderen war das einfach klasse.«

Handfeste musikalische Anekdoten kann auch Arno Löb (Musiker, Autor) liefern: »Damals, in der guten alten Zeit der Siebziger- und Achtzigerjahre, ließen wir auf der Kongresshallenbühne Bands wie UFO, Rory Gallagher, Doldingers Passport und Can rocken. Unvergessen bleibt die Rauferei des Hausmeisters mit den UFO-Gitarristen, weil sie auf die Lautsprechertürme kletterten. Eine Gitarre auf dem Hausmeisterkopf beendete die kurze Bühnenschlägerei.«

Wilhelm F. Walz (künstlerischer Leiter Konzerte im Fronhof) verbinden viele Jahre als Erster Konzertmeister der Augsburger Philharmoniker mit acht bis zehn Konzerten pro Jahr mit dem Kongress am Park. »Ich kam in der Spielzeit 1975/76 nach Augsburg, bis 2013 war ich in dieser Funktion dort aktiv.« Zudem erinnert er sich noch gern an die Opernbälle in der Kongresshalle, bevor sie im Großen Haus abgehalten wurden, sowie an eigene Veranstaltungen wie etwa im November 2019 ein Benefizkonzert zugunsten der Theatersanierung mit einer konzertanten Aufführung von Beethovens »Fidelio«.

Iris Steiner (Verlegerin und Chefredakteurin Orpheus) machte ihre prägendsten Erfahrungen mit der damaligen Kongresshalle noch in ihrer Schulzeit, als sie mit dem Philharmonischen Chor selbst auf der Bühne stand. »Ganz vorn im Erinnerungsranking steht die deutsche Erstaufführung des ›Requiems‹ von Andrew Lloyd Webber unter der Leitung von Wolfgang Reß, die ich damals als ›kleiner Sopran‹ mitsingen durfte. Unvergessen sind mir auch mehrere Konzerte von Konstantin Wecker in den 1990er- und 2000er-Jahren. Damals saß man meistens ohne Bestuhlung auf dem Parkettboden. Es gab sogar Zeiten, als man ein Glas Wein mit in den Saal nehmen durfte.«

Götz Beck (Geschäftsführer Kongress am Park) »Als wir 2009 das Management der damaligen Kongresshalle übernommen haben, war es für mich ein großes Anliegen, eine neue, starke Kongressmarke zu entwickeln, mit der wir den ›Kongress am Park‹ als Kongresszentrum etablieren konnten, dieses aber auch als Impulsgeber aufzubauen, um Augsburg und die Region zu einer wichtigen Kongressdestination auszubauen. Gerade im Rahmen der Revitalisierung der Städte und Regionen nach der Coronapandemie wird das Kongresswesen eine zentrale Bedeutung einnehmen.«

Bernd Kränzle (Stadtrat und 3. Bürgermeister) »Ich war ein begeisterter Anhänger des Ludwigsbaus, dem Gebäude, das vor der Kongresshalle an dieser Stelle stand.« Er erinnert sich noch gut: »Damals war ich JU-Vorsitzender. Ich habe miterlebt, wie man erst einmal vergeblich versuchte, den Ludwigsbau abzureißen. Früher gab es dort immer Walzerabende. Doch dann kam die Kongresshalle mit großartigen Veranstaltungen, etwa mit Minis­terpräsident Edmund Stoiber. Ich selbst habe dort auch immer gern Wahlkampf gemacht.«

Weitere Positionen

2. Juli 2022 - 12:00 | Bettina Kohlen

Im Rahmen einer unbedingt sehenswerten Retrospektive lässt die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya im Haus der Kunst magische Nebelschwaden aufziehen.

1. Juli 2022 - 12:00 | Annika Berger

Ende Mai stand Augsburg einige Tage im Zeichen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit. Neben dem Klimafestival »Endlich! « des Staatstheaters Augsburg fand auch die Public Climate School an der Uni Augsburg statt. Beide Veranstaltungen hatten ein facettenreiches Programm, die sich aber leider terminlich in Teilen überschnitten.

30. Juni 2022 - 10:00 | Jürgen Kannler

Ein Kommentar zum Staatstheaterneubau von Jürgen Kannler.

29. Juni 2022 - 7:00 | Renate Baumiller-Guggenberger

Der Augsburger Geiger Sandro Roy freut sich auf seinen Auftritt als Solist gemeinsam mit der Bayerischen Kammerphilharmonie am 3. Juli im Parktheater. Mit seiner selber komponierten »Fantasie für Violine und Orchester op. 4«, die er diesem Orchester gewidmet hat, gibt es sogar eine Welturaufführung!

27. Juni 2022 - 10:40 | Anna Hahn

Carl Orffs »Carmina Burana« bringt die Freilichtbühne zum Beben.

22. Juni 2022 - 11:00 | Jürgen Kannler

Bert Schindlmayr, Kulturmacher, Beobachter und Kommentator unserer Zeit, wird fehlen. Von Jürgen Kannler

22. Juni 2022 - 9:58 | Anna Hahn

»Kiss me, Kate« ist dieses Jahr die neue Produktion des Staatstheaters auf der Freilichtbühne. Die Premiere fand an einem traumhaft schönen Sommerabend statt. Dennoch kam die Frage auf, wo ist der Wumms?

22. Juni 2022 - 0:00 | Fritz Effenberger

Textilmuster interaktiv entdecken, erleben und entwerfen. Kurz nachgefragt bei Dr. Karl B. Murr.

17. Juni 2022 - 7:00 | Gast

Erster Augsburger Digitaltag 2022. Ein Gastbeitrag von Horst Thieme

15. Juni 2022 - 9:56 | Juliana Hazoth

Am 11. Juni feierte das hybride Schauspiel »Ugly Lies the Bone« der US-amerikanischen Autorin Lindsey Ferrentino auf der brechtbühne im Gaswerk Premiere.