Klassik

Königliche Flötenkunst

Im Rittersaal (Schloss Höchstädt) gastierte am 2. Juli der Blockflötist Stefan Temmingh gemeinsam mit der Cembalistin Wiebke Wiedanz. Sie präsentierten ein ebenso elegantes wie brillant interpretiertes Barock-Sonaten-Programm, das zudem am Mittwoch, den 27. Juli (20:03 Uhr) auf Deutschlandfunk Kultur nachzuhören sein wird … es lohnt!

Nicht wenige Menschen verbinden die Blockflöte mit eher traumatischen Erinnerungen. Bestes Gegenmittel: Ein Konzertabend mit Stefan Temmingh, der es meisterhaft versteht, die Vorurteile gegenüber diesem Instrument zu widerlegen, das weit mehr klangliche Facetten besitzt als man gemeinhin glaubt.

Einmal mehr also hat der Bezirk Schwaben sein feines Händchen für hoch virtuose und weltweit angesehene Künstler*innen und deren nicht minder außergewöhnliches Repertoire bewiesen. Dass jetzt im Hochsommer der in Südafrika geborene Blockföten-»Experte« Stefan Temmingh gemeinsam mit der der nicht minder versierten Cembalistin Wiebke Wiedanz (u.a. Preisträgerin des Int. Johann-Sebastian Bach-Wettbewerbs Leipzig) nach Höchstädt kam, ist bemerkenswert und endete verdient mit Standig Ovations des verblüfften und entzückten Publikums.

Temminghs Können umspannt Alte und Neue Musik. Das Barocke und die ihm zugrunde liegenden »Affekte«, die in luftige Höhen ausgreifenden Verzierungen, atemberaubende dynamische Kapriolen und manch überraschenden stilistische Effekte – wie etwa die Zäsuren im finalen Allegrosatz von Händels C-Dur-Sonate HWV 365 – schien jedoch ganz das Metier, in dem er glänzen und motiviert von Gavotte und Minuet lustvoll »tirilieren« konnte. Sowohl griff- als auch blastechnisch sprengte er immer wieder das eigentlich »Menschenmögliche« auf diesem Instrument. Den Protest, den der französische Komponist Anne Danican Philidor gegen das Verbot der Blockflöte (en vogue war die Querflöte!) mit seiner Sonate formuliert hatte, »vertonte« Temmingh mit einer sensationellen Interpretation, die im Saal hörbare Laute des Staunens provozierte.
Übertitelt war das Programm mit »Royal Music«. Das bedeutete anspruchsvoll komponierte hoch- und spätbarocke Sonaten aus der Feder von u.a. Händel, Corelli, Hotteterre oder Varacini, die dem Generalbass-Zeitalter alle Ehre machten und auf derart hochklassigem Niveau zelebriert das damals meist dem Adel an den Fürstenhäusern in London, Paris und Dresden vorbehaltene Hör-Vergnügen - etwa am hohen Hause von König Friedrich II oder des britischen Kronprinzen Georg August - in die Gegenwart hinein verlängerten.

Beachtlich schon vor dem Konzertauftakt war der Blick auf die diversen Alt-, Sopran und Sopraninoflöten, die Temmingh neben sich auf einem Hocker bereitliegen hatte, um je nach Stück seine hohe Kunst eindrucksvoll, mit kraftvollem Klang und tiefem Atemholen in den Raum zu zaubern. Schnell wurde auch deutlich, dass ein intimes und vertrauensvolles Miteinander im Duo hier eine große Rolle spielen. Welch solistische Tiefgründigkeit und exakte Repertoirekenntnis als Cembalistin Wiebke Weidanz besitzt, demonstrierte sie im ersten Programmteil im 1774 »allerunterthänigst« Seiner Königlichen Majestät in Preußen gewidmeten »Ricercar a 3« (aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079), das bereits galante Züge und den Einfluss der Bach-Söhne aufwies.