Film

Klein, aber nicht oho

Thomas Ferstl
4. Januar 2018

»Hättest du mich mal ein bisschen früher geküsst, dann wäre AIDS jetzt besiegt und die 90ies nicht zurück«, singen Kraftklub in »Songs für Liam«. AIDS besiegen, klar, das wäre geil. Aber die 90er nicht wieder aufleben lassen? Die haben immerhin einige geniale Dinge hervorgebracht: die Wiedervereinigung, Nirvana oder mich zum Beispiel. Ob es aber so gut ist, die Schrumpffantasien der 90er-Jahre-Hit-Serie »Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft« filmisch wieder aufleben zu lassen, erfahren Sie hier

»Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft« (18. Januar, CinemaxX) ist die Fortsetzung von »Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft«. Ein Schalk, wer bei dieser Namenswahl über Kreativität und Originalität ins Nachdenken gerät. Es spukt wieder in der Schule von Felix (Oskar Keymer). Diesmal treibt aber nicht der wohlwollende Schulgründer Otto Leonhard (Otto Waalkes) sein Unwesen, sondern die verhasste und vor langer Zeit verstorbene Direktorin Hulda Stechbarth (Andrea Sawatzki). Ein Zufall lässt den seinerzeit geschrumpften und skelettierten Schülerschreck wieder auferstehen. Derweil ist Felix genervt von seinen Eltern (Axel Stein, Julia Hartmann). Denn kaum läuft es für ihn am Otto-Leonhard-Gymnasium unter der Leitung von Schuldirektorin Dr. Schmitt-Gössenwein (Anja Kling) so richtig gut, wollen seine Eltern mit ihm nach Dubai umziehen, weil sein Vater dort einen neuen Job annehmen möchte.

Felix ist dagegen und wünscht sich, dass seine Eltern auch mal gezwungen sein sollten, das zu tun, was er will. Dieser Wunsch geht schneller in Erfüllung, als Felix es erwartet hat, denn nach einem unfreiwilligen Aufeinandertreffen mit Hulda werden seine Eltern geschrumpft. Mitten in der Nacht stehen sie plötzlich völlig erschöpft und hilfesuchend neben seinem Bett, nachdem sie sich auf abenteuerliche Weise nach Hause gekämpft haben. Auf einmal ist Felix derjenige, der sich um seine Eltern kümmern muss, was gar nicht so einfach ist. Gemeinsam mit seinen Freunden schmiedet er einen Plan, wie er seine Eltern wieder groß machen und die Schule vor Hulda retten kann, die »Schmitti« gefangen hält und versucht, die Macht an sich zu reißen.

Vorlage für diesen Film ist abermals ein Kinderbuch von Sabine Ludwig. Allerdings weist dieser Film, wie auch sein Vorgänger, nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der Vorlage auf. Lediglich die grundlegende Idee und einige Figuren sind erhalten geblieben. Weiterhin fällt negativ auf, dass Regisseur Tim Trageser, vorwiegend bekannt für Kriminalfilme, starke Probleme mit dem Timing der zahlreichen komödiantischen Szenen hat. Auch plätschert der Film erzählerisch lange Zeit vor sich hin und nimmt erst im letzten Drittel richtig Fahrt auf. Da können auch die wenig gelungenen Gags und die recht liebevoll gestalteten Animationen leider nicht für Abhilfe sorgen. Otto übrigens auch nicht.

Alexander Paynes Schrumpfungsdramödie »Downsizing« (18. Januar, CinemaxX, Foto) wählt da einen erfrischend philosophischen Ansatz. In naher Zukunft: Durch den exzessiven Ressourcenverbrauch der Menschheit sind die Reserven des Planeten beinahe erschöpft. Da finden norwegische Wissenschaftler einen Weg, Personen auf eine Körpergröße von zwölf Zentimetern schrumpfen zu lassen. Die Idee dahinter ist simpel: Ein Mensch, der nur noch einen Bruchteil seiner eigentlichen Maße groß ist, verbraucht auch deutlich weniger Wasser, Luft, Nahrung und Platz und produziert weniger Abfall. Da es um ihr Leben nicht besonders gut bestellt ist und in der Miniaturwelt »Leisureland« selbst Durchschnittsbürgern wie ihnen ein luxuriöses Leben winkt, beschließen auch Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), sich verkleinern zu lassen. Doch als Paul nach der Prozedur aus der Narkose erwacht, muss er feststellen, dass Audrey kalte Füße bekommen hat. So muss er ganz allein sein Leben in Leisureland auf die Reihe bekommen, wo er schon bald neue Freund wie seine Nachbarn Dusan (Christoph Waltz) und Konrad (Udo Kier) oder die aus Vietnam geflohene Ngoc Lan (Hong Chau) trifft.

Weniger erfrischend ist jedoch, dass auch dieser Film mit einigen Schwächen zu kämpfen hat. Sobald der Film von der großen in die kleine Welt wechselt, scheint es, als ob Payne die Kontrolle über die vielen Nebenhandlungen verloren hätte. Auch der Hauptplot wirkt eher gut gemeint als gut gemacht. In der realen Welt angesiedelt, wäre die Sozialromanze zwischen Paul und seiner Putzfrau Ngoc eine erzählerische Katastrophe. Vor dem Hintergrund der Miniaturwelt ist der erzählerische Hauptstrang aber noch erträglich. Rein von der Idee, Besetzung und den Effekten her ist der Film bedingt sehenswert, erzählerisch darf man jedoch nichts, gar nichts erwarten.
 
Meine Empfehlung für diesen Monat: Gucken Sie sich einen der Filme an, den ich Ihnen nicht vorgestellt habe, und hoffen Sie mit mir auf einen umso grandioseren Februar.

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