Festival

Klapps hat geklappt

Iacov Grinberg
21. Oktober 2015

Ich frage mich immer, wie man für ein Festival der Puppentheater die teilnehmenden Theater auswählt. Falls ich es mal wage, ein Festival zu organisieren, verpflichte ich mich vor künftigen Zuschauern, ihnen etwas Wertvolles zu zeigen. Bei einem Kinofestival kann das Organisatorenteam vorerst einige Filme anschauen und danach über die Teilnahme entscheiden. Wie kann es bei Puppentheatern gehen?

Die meisten Puppentheater in Deutschland sind ganz klein, zwei, drei, maximal fünf Akteure, und haben in der Regel keine feste Spielstätte. Große Puppentheater wie die Augsburger Puppenkiste mit einem eigenen stationären Raum und 20 Mitarbeitern sind eine Ausnahme. Wie kann man diese zahlreichen kleinen Theater im Voraus bewerten, um für das Festival die besten auszuwählen? Vergessen Sie nicht, dass auch bei einem sehr guten Theater nicht immer alle Stücke gleich gut sind.

Einige Mitglieder des Organisatorenteams auszuschicken, um verschiedene Theater an ihren Spielorten anzuschauen, ist völlig unrealistisch. Man muss sich auf die Presse, auf Meinungen von Theaterkritikern und/oder Bekannten stützen. Und in erster Linie auf die eigene Intuition, ein Feingefühl, das nur durch Erfahrung kommt. Dadurch gelingt es dem Organisatorenteam von Klapps auch in diesem Jahr, dem Augsburger Publikum sehr gute Puppentheater mit sehr guten Stücken zu präsentieren. Zwei Stücke dieses Jahres möchte ich aber besonders erwähnen.

Der erste Stück, „Das Märchen vom guten Ende“ von „die exen“ aus Neuhaus am Inn, zeigt uns die Urahnen heute modischer Horrorfilme und -bücher. Etwas Nervenkitzel war auch in alten Zeiten begehrt, wovon die grausige Märchen der Gebrüder Grimm genügend zeugen. Sieben dieser Märchen wurden vom exen-Theater mit wunderbarer Technik, einer Vielfalt der Puppenarten und gutem schwarzen Humor zur Begeisterung des Saals gezeigt.

Der zweite Stück ist „Varieté Olymp“ von Hohenloher Figurentheater, das dem Augsburger Publikum schon bekannt ist: einige Jahre zuvor zeigte es bei Klapps „Der Besuch der alten Dame“. Die diesjährige Vorführung hinterließ aber noch einen viel stärkeren Eindruck. Eine Kaskade von Kunststücken mit Puppen der verschiedensten Art, dazwischen zwei Akrobatik-Vorführungen mit Marionetten, die das Prädikat „exzellent“ verdienten. Wirklich ein Beispiel dafür, wenn zu der ohnehin schon sehr guten Arbeit noch ein extra Schmankerl dazu kommt, das man dann als rundum „gelungen“ bezeichnen kann.

Uns bleibt nur, dem Organisatorenteam von Klapps zu danken und zu hoffen, dass es auch in Zukunft sehr gute Puppentheater nach Augsburg holt.
(Iacov Grinberg)

www.klapps.de

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