Jazz

Keine Scheu

Patrick Bellgardt
4. Januar 2015
Keine Scheu

Seit über 30 Jahren macht Götz Alsmann erfolgreich Musik. Jeden Sonntag um 22:15 Uhr moderiert der Entertainer im WDR den Dauerbrenner »Zimmer frei!«, montags um 20:05 Uhr läuft seine Radioshow »Go, Götz, Go« auf WDR4. Bevor Alsmann 2015 auf große Tour geht, nahm sich der Allround-Künstler Zeit für ein Interview.

Herr Alsmann, das Cover Ihres neuen Albums
»Am Broadway« zeigt so etwas wie ein Idealbild. Waren Sie enttäuscht vom Original?
Enttäuscht nicht, ich habe nichts anderes erwartet. Man stellt fest, dass die broadwaytypische Optik vergangener Jahrzehnte verloren gegangen ist. Es ist doch alles eine riesengroße Toyota-Reklame und eben nicht mehr eine Werbung für die Stücke, die dort gespielt werden.

Erfordert es besonderen Mut, Songs einzuspielen, die bereits absolute Weltstars wie Sinatra und Co interpretiert haben?
Die Songs wurden auch schon von Leuten interpretiert, die keine Weltstsars waren. Ein Fußballer hört ja auch nicht auf zu spielen, weil es einen Manuel Neuer oder Marco Reus gibt. Wenn man Berufsmusiker ist, darf man keine Scheu haben. Gleichzeitig hofft man natürlich, dass man seiner Version eine ganz eigene Prägung verleihen kann.

In Ihren musikalischen Anfängen haben Sie auf Englisch gesungen. Wäre »Am Broadway« nicht ein interessanter Anlass gewesen, sich nochmal darauf einzulassen?
Ich habe mich vor Jahrzehnten für die deutsche Sprache entschieden und sehe keinen Grund, das nochmal zu ändern. Im Übrigen macht genau dieser Aspekt den Reiz des Albums aus.

Sie unterbrechen Ihre Tour zum neuen Album, um bereits zum fünften Mal mit der SWR Big Band das neue Jahr einzuläuten. Klappt das Zusammenspiel da immer wieder auf Anhieb?
In der Tat ist das so. Das Orchester ist einfach fantastisch. Wer sich in diese musikalische Umgebung nicht hineinfindet, kann vermutlich selbst keine Musik machen.

Traditionell begleitet Sie ein musikalischer Gast. Dieses Mal wird Klaus Hoffmann mit dabei sein. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ich kenne Klaus schon lange, habe bislang aber keine Chance gesehen, mit ihm gemeinsam aufzutreten. Bis sich eben diese Gelegenheit bot. Klaus selbst fand es natürlich spannend, seine Songs im Big-Band-Gewand präsentieren zu können.

Sie sind als Honorarprofessor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster tätig. Was bringen Sie Ihren Studenten bei?
Ich halte meist musikgeschichtliche Vorlesungen. Im letzten Semester haben meine Kollegen und ich zum Beispiel eine Meisterklasse mit dem Schwerpunkt auf deutschem Vorkriegschanson angeboten.

Auf Ihrer Homepage stellen Sie jeden Monat eine neue Platte in der Kategorie »Jazzschlager des Monats« vor. Alles aus Ihrer eigenen Sammlung?
Ja! Das sind alles Songs, die ich schon mal gesungen habe oder Teil eines Programms waren. Dem Publikum soll mit dem »Jazzschlager des Monats« die alte authentische Fassung näher gebracht werden.

Welche Platte haben Sie sich als letztes gekauft?
Eine 10-Zoll-LP mit Songs aus »My Fair Lady«, eingespielt Ende der 50er-Jahre vom Trio des Jazzpianisten Billy Taylor.

Vor zehn Jahren wurden Sie als Krawattenmann des Jahres ausgezeichnet. Sehen Sie sich eigentlich als Stilikone?
Diese Auszeichnung wollte ich unbedingt haben! Als Stilikone sehe ich mich selbst aber nicht, darüber sollen dann doch andere entscheiden.

Bereits zum fünften Mal machen Götz Alsmann und die SWR Big Band zum Jahresbeginn gemeinsame Sache. Am 8. Januar um 19:30 Uhr gastiert das eingespielte Team in der Stadthalle Gersthofen. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Schätze dieses Mal aus den Untiefen des Deutschen Schlagergutes gehoben werden.

www.stadthalle-gersthofen.de

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