Politik & Gesellschaft

Ein Jahrhundertprojekt für Friedberg

Gast
19. Februar 2016

»Betreten verboten« steht es Schwarz auf Gelb gewöhnlich an Baustellen. So auch an Friedbergs derzeit wohl prominentester Baustelle, dem Wittelsbacher Schloss. Gebaut wird auf der Anhöhe seit fast einem Jahr und es wird noch eine Weile dauern, bis das Denkmal der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung steht. In einigen Jahren wird es wohl zum kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt in der sechstgrößten Stadt Schwabens aufblühen und in die Region hinausstrahlen.

2018 eröffnet ein neues Museum im Südflügel des Schlosses. Es wird sich mit moderner Präsentationstechnik der Stadtgeschichte widmen, natürlich den Uhren, Fayencen und auch modernen Künstlern, wie Fritz Schwimbeck. Ein Museumscafé mit Terrasse und Skulpturengarten garantieren eine besondere Aussicht auf das Altstadtensemble.

Im Anschluss an die Museumsarbeiten werden mehrere Veranstaltungsräume in den Gewölben und ein Veranstaltungssaal für rund 350 Personen fertiggestellt. Dafür werden Zwischenebenen herausgenommen und es wird ein besonderes Raumerlebnis unter dem Schlossdach spürbar. Der Schlossturm garantiert einen Rundumblick in die Region und in die Weite der Lechebene. Der Renaissance-Innenhof erhält einen neuen Pflasterboden und der Arkadengang eine Orangerie. Der Grüngürtel um das Schloss wird aufgewertet. Friedberg böte gute Voraussetzungen, Schauplatz der Bayerischen Landesausstellung in den 2020er-Jahren zu werden.

Noch ist das Schloss eine Baustelle. Der marode Dachstuhl mitsamt verrotteten Tragbalken wird schrittweise erneuert, ein Betongürtel rundherum gegossen, der nördliche Teil des Daches ist neu eingedeckt. Böden und Decken im Gebäude wurden herausgerissen, der Putz kam runter – das Gemäuer wurde zu großen Teilen in den Rohbauzustand zurückversetzt. Durchbrüche entstanden und eine Innenhoftreppe in das Kellergewölbe ist freigelegt. Bisher läuft alles nach Bauplan und innerhalb der Etatgrenzen.

Zehn Jahre ist es her, dass die Stadt dem Freistaat nach dem Auszug des Vermessungsamtes das Schloss für 125.000 Euro abgekauft hat, um die Wiege der Stadt zukunftssicher zu machen. Über 20 Millionen Euro werden in das Jahrhundertprojekt investiert – nach einem zähen kommunalpolitischen Ringen um den besten Plan für das künftige Schloss. Ein Bürgerentscheid und Nachbarstreitigkeiten mit der Stadt standen auf der Tagesordnung.

759 Jahre ist es her, dass die Burg errichtet wurde. Sie diente den Wittelsbachern als Grenzfestung gegen den Westen, gegen die Augsburger. Die Burg wurde mehrmals geplündert und niedergebrannt, diente Christina von Lothringen als Witwensitz, soll von Orlando di Lasso besucht worden sein, beheimatete eine Fayencefabrik, ein Casino der Amerikaner, die bayerische Polizei und vieles mehr.

Ein paar Mal wird es heuer auf der Baustelle doch eine Ausnahme vom Grundsatz »Betreten verboten« geben: Zum Tag der Städtebauförderung und zum Tag des offenen Denkmals ist die Bevölkerung eingeladen, sich ein Bild vom Baufortschritt zu machen und den künftigen zentralen Ort der Begegnung zu erahnen. Es lohnt sich, den Bauhelm aufzusetzen!

Frank Büschel ist bei der Stadt Friedberg als Abteilungsleiter für die Öffentlichkeitsarbeit und für Kultur zuständig. Er ist Vorstandsmitglied im bayerischen Netzwerk Stadtkultur. Beim 750. Jubiläum der Stadt Friedberg war er 2014 Projektleiter. Unter seiner Federführung findet heuer im Sommer zum zehnten Mal das Altstadtfest »Friedberger Zeit« statt.


In unserer Printausgabe #02/2016 präsentieren wir die wichtigsten Kulturbaustellen der Region. Insgesamt 16 Kulturmacher haben hierzu Gastbeiträge beigesteuert.

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