Politik & Gesellschaft

Im Zeichen der Kultur

Patrick Bellgardt
22. Mai 2017

Es ist ein Jahrhundertprojekt für Friedberg und ein Vorhaben mit Strahlkraft in die gesamte Region: die Sanierung und Umgestaltung des Wittelsbacher Schlosses. Im Frühjahr 2017 nähert sich diese historische Großbaustelle ihrer Zielgeraden. Die für Mitte 2018 geplante Wiedereröffnung des Denkmals kann nach aktuellem Stand eingehalten werden. Dasselbe gilt für das mit rund 20 Millionen Euro abgesteckte Gesamtbudget.

Seit der Baustelleneröffnung im Frühjahr 2015 gab es für die interessierte Öffentlichkeit immer wieder die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Großprojekts zu blicken – zuletzt beim Tag der Städtebauförderung am 13. Mai. Eng verzahnt ist die Schlosssanierung zudem mit dem seit rund einem Jahr laufenden Bürgerbeteiligungsprozess zum Kulturentwicklungskonzept Friedberg. Die bisherigen Ergebnisse machten insbesondere einen Mangel an Aufführungs-, Ausstellungs- und kreativen Probe- und Arbeitsräumen deutlich. Viele Kulturschaffende verbinden mit der zukünftigen Nutzung des Schlosses die unterschiedlichsten Wünsche und Hoffnungen.

Mehrere Veranstaltungsräume stehen sowohl städtischen Events als auch freien Kulturmachern und bürgerschaftlichen Initiativen künftig zur Verfügung. Im Erdgeschoss bieten der Rittersaal und die anschließende Remise jeweils eine Kapazität für maximal 150 Personen. Im ersten Stock wird ein großer Saal fertiggestellt, der bis zu 400 Gäste aufnehmen kann. Für dieses neue, barrierefrei zu erreichende Herzstück werden Zwischenebenen herausgenommen, womit ein außergewöhnliches Raumerlebnis unter dem Schlossdach erlebbar wird. Weitere kleinere Räumlichkeiten könnten für Tagungen, Seminare und Vorträge genutzt werden. Hinzu kommt der von Arkaden umgebene Renaissance-Innenhof, der als Open-Air-Location maximal 500 Personen Platz bietet.

Im Südflügel des Schlosses wird ein runderneuertes Museum auf zwei Ebenen die Stadtgeschichte mit ihren weit über die Region hinaus bedeutsamen Exponaten präsentieren. Zu sehen sein werden Schätze des Friedberger Uhrmacherhandwerks, der Archäologie, Fayencen sowie sakrale und moderne Kunst. Das inhaltliche Konzept stammt von Museumsleiterin Dr. Alice Arnold-Becker, die Gestaltung erarbeitet das renommierte Münchner Atelier Hammerl & Dannenberg. Abrunden lässt sich der zukünftige Museumsaufenthalt mit einem Besuch eines kleinen, aber feinen Cafés mit Außenterrasse.

760 Jahre ist es her, dass die Burg als Grenzfestung gegen die Reichsstadt Augsburg errichtet wurde. Sie wurde mehrfach geplündert und niedergebrannt, erweitert und umgebaut, später als Schloss zum Witwensitz von Christina von Lothringen erhoben. Die Anlage beherbergte eine Fayencemanufaktur, diente unter anderem als Sitz der Forstverwaltung, des Rentamts und zuletzt des Vermessungsamts, das noch bis 2007 in den historischen Gemäuern untergebracht war. Nach dessen Auszug kaufte die Stadt Friedberg dem Freistaat das Schloss für 125.000 Euro ab, um die Wiege der sechstgrößten Stadt Bayerisch-Schwabens zukunftssicher zu machen. Nach dieser wechselhaften Geschichte spricht einiges dafür, dass das Denkmal in den nächsten Jahren im Zeichen der Kultur steht. Die bayerische Landesausstellung zum Thema »Die frühen Wittelsbacher«, die 2020 in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Pfaffenhofen an der Ilm stattfinden wird, ist jedenfalls eine wunderbare Gelegenheit, das Prunkstück einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

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