Klassik

Der Hidalgo »Box-Salon«

Marion Buk-Kluger
23. Mai 2022

Der wohl ungewöhnlichste Programmpunkt beim Mozartfest war nicht nur angekündigt, sondern in der Tat auf der Brechtbühne: Der Hidalgo »Box-Salon«. Das innovative Musiktheater-Gastspiel wurde in einem richtigen Boxring aufgeführt.

Der wohl ungewöhnlichste Programmpunkt beim Mozartfest war nicht nur angekündigt, sondern in der Tat auf der Brechtbühne: Der Hidalgo »Box-Salon«. Das innovative Musiktheater-Gastspiel wurde in einem richtigen Boxring aufgeführt. Es traten zum einen die Sopranistin Andromahi Raptis (Staatstheater Nürnberg) und der Pianist und Bechstein-Preisträger Toni Ming Geiger gegeneinander an (im musikalischen Sinne jedoch harmonierend), zum anderen auch echte Boxer im Zweikampf samt Ringrichter.

Und Raptis machte dies gesanglich und von ihrer Spielweise her äußerst intensiv, ließ den Zuschauer stimmlich und mimisch körperlich spürbar eintauchen in diesen Schmerz, der einem widerfährt, wenn man verlassen und voller Trauer am Boden liegt. Wie sie sich durch die Phasen der Verletztheit kämpft: geknickt, dann wieder hoffnungsvoll und am Ende mit Narben, aber wieder aufgestanden, dieses Erlebnis verarbeitet hat, ist beeindruckend. Lieder von John Dowland und Kurt Weill bereichern diese einstündige Gefühls-Achterbahn. Einzig der ankündigte Live-Boxkampf der Sportler aus dem Boxwerk München, Mandela Osborn und Kakande Muzamiru, etwa in der Mitte der Aufführung, ist zu wenig. Man hätte sich durchaus mehr davon während des Verarbeitungsprozesses der Protagonistin gewünscht.

In dieser Szene wird allerdings bewusst, wie wichtig es ist, um Trauer zu verarbeiten, aus sich herauszugehen und den Knock Down als Betrachter im Rückblick genau zu analysieren. Die Sängerin tut das und hat einen beinahe nüchternen Blick auf das Geschehen im Ring, das den Beginn ihres Leidens noch einmal zeigt. Der Live-Boxkampf, wie erwähnt, öfters zu Gesang und Spiel aufgeführt, hätte durchaus gepasst.

www.mozartstadt.de

 

Foto: Fabian Schreyer

Weitere Positionen

2. Juli 2022 - 12:00 | Bettina Kohlen

Im Rahmen einer unbedingt sehenswerten Retrospektive lässt die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya im Haus der Kunst magische Nebelschwaden aufziehen.

1. Juli 2022 - 12:00 | Annika Berger

Ende Mai stand Augsburg einige Tage im Zeichen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit. Neben dem Klimafestival »Endlich! « des Staatstheaters Augsburg fand auch die Public Climate School an der Uni Augsburg statt. Beide Veranstaltungen hatten ein facettenreiches Programm, die sich aber leider terminlich in Teilen überschnitten.

30. Juni 2022 - 10:00 | Jürgen Kannler

Ein Kommentar zum Staatstheaterneubau von Jürgen Kannler.

29. Juni 2022 - 7:00 | Renate Baumiller-Guggenberger

Der Augsburger Geiger Sandro Roy freut sich auf seinen Auftritt als Solist gemeinsam mit der Bayerischen Kammerphilharmonie am 3. Juli im Parktheater. Mit seiner selber komponierten »Fantasie für Violine und Orchester op. 4«, die er diesem Orchester gewidmet hat, gibt es sogar eine Welturaufführung!

27. Juni 2022 - 10:40 | Anna Hahn

Carl Orffs »Carmina Burana« bringt die Freilichtbühne zum Beben.

22. Juni 2022 - 11:00 | Jürgen Kannler

Bert Schindlmayr, Kulturmacher, Beobachter und Kommentator unserer Zeit, wird fehlen. Von Jürgen Kannler

22. Juni 2022 - 9:58 | Anna Hahn

»Kiss me, Kate« ist dieses Jahr die neue Produktion des Staatstheaters auf der Freilichtbühne. Die Premiere fand an einem traumhaft schönen Sommerabend statt. Dennoch kam die Frage auf, wo ist der Wumms?

22. Juni 2022 - 0:00 | Fritz Effenberger

Textilmuster interaktiv entdecken, erleben und entwerfen. Kurz nachgefragt bei Dr. Karl B. Murr.

17. Juni 2022 - 7:00 | Gast

Erster Augsburger Digitaltag 2022. Ein Gastbeitrag von Horst Thieme

15. Juni 2022 - 9:56 | Juliana Hazoth

Am 11. Juni feierte das hybride Schauspiel »Ugly Lies the Bone« der US-amerikanischen Autorin Lindsey Ferrentino auf der brechtbühne im Gaswerk Premiere.