Theater & Bühne

Guten Freunden gibt man ein ... Abschiedsdinner?

Gastautor

Die erste Premiere der Saison erfreut das Publikum des Sensemble Theaters mit einer amüsanten Komödie und unerwarteten Wendungen.

Wie schön ist es doch, einen Abend mit guten Freund*innen zu verbringen. Bei einem leckeren Essen und einer Flasche Wein über alte Zeiten plaudern und die Freundschaft feiern. Was aber ist, wenn man feststellen muss, dass die Freundschaft eigentlich gar nicht mehr so aktuell ist? Wenn die guten, alten Freund*innen heute mehr Pflicht als Freude sind?

Im Sensemble Theater gibt es die Antwort: »Abschiedsdinner«! Als Pierre und Clotilde merken, dass die gemeinsamen Abende mit ihren langjährigen Freund*innen ihnen wertvolle Zeit rauben, die sie eigentlich lieber für sich selbst hätten oder um neue Bekanntschaften zu schließen, fassen die beiden einen Entschluss. Sie laden ihre Freund*innen ein letztes Mal zum Abendessen, um sich in guter Erinnerung zu verabschieden. Den Anfang macht Antoine, ein langjähriger Freund von Pierre, der allerdings nichts von den Plänen seiner Gastgebenden weiß. Gut gelaunt und voller Vorfreude erscheint der heimliche Held des Stücks zum Essen und der Abend nimmt seinen Lauf.

Von Anfang an zeigt sich, das »Abschiedsdinner« kommt ohne große Effekte und Bühnenbauten aus. Auf der Bühne steht mittig eine Couch, rechts und links der bespielten Fläche kleine Abgrenzungen, die die übrige Wohnung anzeigen. Die ganze Verantwortung für das Gelingen des Stücks liegt auf den drei Schauspielenden Stefanie Mendoni, Heiko Dietz und Florian Fisch. Eine Herausforderung, der die drei absolut gewachsen sind. Besonders schön zu sehen ist nicht nur ihr Sinn für das passende Timing, sondern auch ihre Körpersprache, mit der sie ihr Spiel unterstreichen und dem Humor des Gesagten eine zusätzliche Ebene geben.

Zentrum des »Abschiedsdinner« und damit der tragikomische Held der Geschichte ist Antoine (Florian Fisch), der mit einer Mischung aus leichter Melancholie, philosophischer Weltanschauung und einer kleinen Portion Naivität die turbulente Komödie vorantreibt. Nach und nach übernimmt er das Zepter und die Kontrolle über den Abend, der einen wahrlich unerwarteten Verlauf nimmt.

Mit nur drei Figuren, einem minimalistischen Bühnenbild und einem recht simplen Plot besinnt sich das Stück auf das Wichtigste. Tolles Schauspiel, die Interaktion mit dem Publikum und hervorragende Unterhaltung, die ebenso ernst wie humorvoll sein kann. Wichtige Fragen finden Platz, regen zum Nachdenken an und doch bleibt es eine amüsante Vorstellung. So fand die erste Premiere der neuen Spielzeit des Sensemble Theaters regen Zuspruch der Besucher*innen und das »Abschiedsdinner« wurde zum erfolgreichen Wiedersehen.

www.sensemble.de