Club & Livemusik

Geheime Lieder

Mit seinem neuen Album ist er auf großer »Canzoni segrete«-Deutschlandtour: Pippo Pollina und das Palermo Acoustic Quintett begeisterten die Fans im Kongress am Park.

Auch wenn man die mittlerweile weit über 20 Alben von Pippo Pollina (*1963) gar nicht oft genug anhören kann, ist er doch live auf der Bühne – ob solistisch oder im bilingualen »Süden«-Trio mit Werner Schmidbauer und Martin Kälberer oder wie am Samstagabend mit den fünf italienischen Vollblutmusiker des Palermo Acoustic Quintett  - einfach sensationell gut.

Er überzeugt seine konstant wachsende Fangemeinde mit großem Charisma, einer wandelbaren, markant-sonoren Stimme, seinem weichen »Liedermacher«-Timbre, seinen rebellisch-rauen und rockigeren Tönen, den einfühlsamen Melodien, den poetischen Versen, aber auch mit den charmanten Moderationen, in denen er die Historie seiner Lieder, seine Weltsicht und seinen inneren Antrieb als Künstler vermittelt. Ein Bühnenkünstler par excellence, dem es auch bei seinem Tournee-Abstecher in Augsburg gelang, für zumindest zweieinhalb Stunden abzulenken von dem beklemmenden Wahnsinn, der uns gerade erstarren lässt und zutiefst verängstigt. In der bewährten Mixtur aus vertrauten, älteren Liedern mit Hit-Charakter, unter denen weder »Anniventi«, »Camminando« noch »Mare mare mare« noch »Centopassi« fehlen durften, und der Vorstellung der neuen, in den Jahren 2018/19 geschriebenen »Canzoni segrete« (= Geheime Lieder“) gelang es ihm inmitten des ihm so nahe stehenden Quintetts diese besondere Atmosphäre von purer Gelöstheit zu zaubern und so die Utopie einer humanen, friedlich gesinnten Welt in Klang umzusetzen. Leidenschaftlich singt Pollina von einer Welt, in der sich die Menschen gegenseitig achten und verstehen, selbst wenn sich vieles verändert, wir uns Herausforderungen stellen und Rückschläge und schmerzliche Verluste erleiden müssen.

Auch mit seiner durchaus verständlichen Entscheidung, sein brandneues Album nicht auf Spotify und Co. zu veröffentlichen, setzt der sizilianische Cantautore ein Statement, das seinem Wunsch, seiner Idee der sinnlichen und bewussten Wahrnehmung von Musik als Geschenk entspricht. Die Musik soll der Protagonist sein und nicht »nebenbei«laufen. Die lange Schlange am CD-Tisch nach dem Konzert sprach dafür, dass doch noch viele Menschen einen CD- oder Plattenspieler (be)nutzen und Wert auf ein persönliches Pippo-Signet legen!

Die Qualität seiner neuen Kompositionen, die mit über 20 Musikern in Studios in Italien, Frankreich, Deutschland sowie der Schweiz, wo er lebt, aufgenommen wurden, rechtfertigt diesen Anspruch. In den jetzt öffentlich gemachten 14 Liedern sinniert er über die emotionale Macht der Musik, motiviert die Menschen dazu, »auch die dunkle Seite unserer Existenz anzunehmen«. Wie meist gehen auch hier Lebensfreude, Melancholie und Hoffnung, Licht und Schatten nahtlos ineinander über. Brillant und komplex arrangiert und gekonnt instrumentiert ließ er die Hörer*Innen teilhaben an seinen persönlichen Gedanken und Idealen, am Reifen und Alter(n), an den Beobachtungen, die u.a. der pandemische Stillstand provozierte. Manchmal ist er nur das Naturphänomen Schnee (»Guarda scende la neve«), dann wieder die Hommage an das Schicksal von Margharita Asta, deren Familie in Sizilien »versehentlich« einem Mafia-Attentat zum Opfer fiel. In »Immaginarti« erinnert er, wie wichtig es ist, etwa seinen Eltern rechtzeitig die wesentlichen Fragen zu stellen. 

Mehr zu Tourdaten, Alben und zur Biografie www.pippopollina.com