Politik & Gesellschaft

Fragen des Lebens meistern

Gast
2. April 2016

Gegründet wurde die Volkshochschule (vhs) Augsburg bereits im Jahr 1904, damit gehört sie zu den ältesten Volkshochschulen in Deutschland. Bereits am 28.12.1945 erfolgte nach der Nazidiktatur die Neueintragung im Vereinsregister. Der vollständige Name lautet Augsburger Volkshochschule – Augsburger Akademie e.V. Die vhs ist eine der wenigen großstädtischen Einrichtungen, die den Verein als Rechtsform hat, die meisten sind kommunale Bildungseinrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten zunächst das Sprachenangebot und die kulturelle Bildung die wichtigste Rolle, nach und nach fand die vhs Augsburg zu einer Organisationsform mit sechs Fachbereichen und einem Projektebereich, diesem Muster folgen nahezu alle deutschen Volkshochschulen. In jedem Semester werden ca. 2.000 Kurse, Seminare, Workshops, Vorträge u.Ä. angeboten, im Jahr zählt die vhs knapp 50.000 Teilnahmen. Die vhs Augsburg e.V. kann durch die Förderung durch die Stadt Augsburg und den Freistaat Bayern sehr günstige Gebühren für die Kurse kalkulieren.

Derzeit ist Deutsch die meistgelernte Fremdsprache an der vhs

Die vhs Augsburg leistet im Sinne des Lernens im Lebenslauf einen wichtigen Beitrag zur Bildung Erwachsener in Augsburg, und das bewusst nicht in der Verkürzung auf berufliche Bildung. Diese wird oft, zu Unrecht, als die wahre Bildung missverstanden. Seit Jahren hilft die vhs Augsburg älteren Menschen, die Digitalisierung des Lebens zu meistern. Waren es zu Beginn Einführungs- und Internetkurse, werden jetzt vermehrt Smartphone- und Tabletkurse angeboten. Damit wird die aktive Teilhabe am (digitalen) Leben ermöglicht, die Gefahr, aus gesellschaftlichen Entwicklungen herauszufallen, sinkt.

Die vhs Augsburg bietet ein umfangreiches Angebot im Bereich der gesellschaftspolitischen, kulturellen Bildung an, aus diesem Feld haben sich viele Volkshochschulen aus Kostengründen verabschiedet. Dabei stehen immer aktuelle Themen auf dem Programm, z.B. Energie oder Flüchtlinge. Mit der Universität Augsburg wird jährlich eine Redereihe veranstaltet, die dieses Jahr unter dem Motto »Widerstand« steht.

Derzeit ist Deutsch die meistgelernte Fremdsprache an der vhs. Das ist jetzt keine wirkliche Überraschung angesichts der Zuwanderung. Auch hier erfüllt die vhs eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe (auch für die Stadt Augsburg). Die Teilnehmenden lernen in den Kursen nicht nur Deutsch, sondern auch die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland auf der Grundlage des Grundgesetzes. Es ist wichtig, dass die vhs als kommunenahe Bildungseinrichtung im Bereich der Integration eine wichtige Rolle spielt. Damit wird deutlich, dass Integration ein Teil der Daseinsvorsorge ist und nicht nur ein Wirtschaftsfaktor. Um der steigenden Nachfrage nach Deutschkursen nachzukommen, hat die vhs Augsburg in Lechhausen zentral gelegene Räume angemietet. Gleichzeitig soll dort auch ein Stadtteilangebot aufgebaut werden.

Stetig ausgebaut wurde die vhs zum Sprachenprüfungskompetenzzentrum, »Flaggschiff« sind hier die Cambridge-Prüfungen, die stetig zunehmen. Die Zahl der Prüfungsteilnehmer betrug 2015 1.350, ein großer Teil davon sind wieder Teilnehmende an Deutschprüfungen. Jeder Integrationskurs schließt mit der DTZ-Prüfung (Deutsch für Zuwanderer) auf einem B1-Niveau ab. Daneben spielen Prüfungen im IT-Bereich eine große Rolle.

Die vhs hat sich in den letzten Jahren konsequent vernetzt

Mit dem Ausbau der Prüfungen bereitet sich die vhs auf eine Situation vor, bei der die Menschen Kompetenzen auf ganz unterschiedliche Weise und nicht notwendig bei der vhs erwerben. Wichtig bleibt aber, dass die Kompetenzen in Form einer Prüfung bestätigt werden.

Die vhs hat sich in den letzten Jahren konsequent vernetzt, in zahlreichen Projekten ist sie Partner, z.B. mit Tür an Tür, der Stadt Augsburg, der Arbeitsverwaltung, dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr, den Stadtwerken und vielen anderen.

Ständiges (leidiges) Thema ist die Finanzierung der vhs. Eines der größten Probleme stellt derzeit die Kostenerstattung des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) für die Integrationskurse dar. Die sehr bürokratische Verwaltung erfordert mehr Personal, das aus den Erstattungen nicht bezahlt werden kann. Hier muss der Bund dringend mehr Geld zur Verfügung stellen. Das auch deshalb, damit die Dozentinnen und Dozenten in den Integrationskursen angemessen bezahlt werden können. Auch der Freistaat Bayern hält sich bei der Finanzierung der bayerischen Erwachsenenbildung (und hier geht es nicht nur um die Volkshochschulen) sehr zurück. Die Forderung nach Integration wird zu Recht mit einem hohen Anspruch gestellt – auf der anderen Seite brauchen die Volkshochschulen dann aber auch die Mittel, um diesem Anspruch gerecht werden zu können.

Die vhs Augsburg versteht sich als das kommunale Weiterbildungszentrum, das die Bürgerinnen und Bürger der Stadt dabei unterstützt, die Herausforderungen und Fragen des Lebens in privater und beruflicher Hinsicht gut zu meistern. Damit trägt sie zu einer friedlichen Entwicklung der Stadtgesellschaft bei.

Stefan Glocker, Dipl.-Päd. (Univ.), ist seit März 2004 Direktor der vhs Augsburg e.V. Nach zwölf Jahren Bundeswehr, zuletzt als Hauptmann und Kompaniechef, war er 1990 zur vhs Landsberg gewechselt.

www.vhs-augsburg.de

Foto: Neue vhs-Depandance in Augsburg-Lechhausen.

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