Ausstellungen & Kunstprojekte

Ecke geht neue Wege

Bettina Kohlen
21. November 2017

Als die Galeristen Anette Urban und Wolfgang Reichert sich Ende 2016 nach mehr als neun Jahren in der Ecke Galerie ihrem neuen Projekt maxgalerie zuwandten, überlegte die Künstlervereinigung Die Ecke, Eigentümerin der Galerie, in welcher Form das Projekt zukünftig betrieben werden sollte. Man entschied sich schließlich, das Haus in eigener Regie zu führen. Seit dem Frühjahr 2017 gestalten die Künstler Günter Baumann und Ulo Florack, die beide dem Vorstand der Künstlervereinigung angehören, das Ausstellungsprogramm der Ecke Galerie am Elias-Holl-Platz. Die beiden Kuratoren engagieren sich ehrenamtlich, unterstützt von Galerie-Organisatorin Gabriele David, die bei der Ecke angestellt ist. Erlöse aus dem Kunstverkauf fließen so ohne Abzüge und Galeristenprovision in die Kasse des Vereins. Baumann und Florack sind zwar eng in die Struktur der Ecke eingebunden, ihre Entscheidungen zum Galerieprogramm treffen sie aber unabhängig. Die komfortable Situation erlaubt dem Duo, weitgehend ohne wirtschaftliche Zwänge arbeiten zu können und sich nicht am Kunstmarkt orientieren zu müssen.

Mit dem Wechsel hat sich die Ausstellungsfläche wieder vergrößert, in den vorher als Büro genutzten hinteren Räumen wird nun auch Kunst gezeigt. Die erste Ausstellung sollte ein Signal geben, ging gleich an die Grenzen der Galerie: »das große Format« war in den niedrigen und kleinen Räumen eine Herausforderung. Es folgte ein Überblick über das Werk neuer Mitglieder der Ecke, dann mit den Skulpturen von Heike und Jiri Mayr wieder eine spannende Belastung der örtlichen Gegebenheiten. Nach den zuletzt gezeigten Erd-Pigmentarbeiten von Klaus Zöttl wird das Jahr mit der traditionellen Mitgliederausstellung »das kleine format« abgeschlossen. Auch den relativ kurzen Vorlaufzeiten geschuldet, erweist sich das Programm 2017 zwar als solide, deutlich regional ausgerichtet, doch noch nicht überraschend. Wir sind gespannt, was 2018 passiert!

Der Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms soll zukünftig auf der Malerei liegen, ergänzt durch Skulptur oder Fotografie. Angewandte Kunst wird jedoch nur eine geringe Rolle spielen. Die Galeristen betonen aber, dass sie keineswegs nur Ecke-Mitglieder zeigen werden, sondern ständig nach weiteren interessanten Künstlern suchen, mit denen sie direkt zusammen arbeiten möchten. Baumann und Florack machen deutlich, dass sie guten Arbeiten unbekannter Künstler den Vorzug vor B-Ware bekannter Namen geben werden. Zusätzlich zu den eigenen Galerieflächen würden die Ausstellungsmacher sehr gerne auch weitere Räume in der Stadt temporär bespielen, ebenso denken sie über ein Artist-in-Residence-Programm nach, da die immobilengesegnete Ecke über eine passende Wohnung verfügt.

Die Künstlervereinigung tut sich – wie viele Vereine – schwer, jüngere Mitglieder zu gewinnen, die langfristig gesehen nötig sind, um das Überleben einer solchen Institution zu sichern. Auch um die Ansprache jüngerer Leute zu erleichtern, sollen die Kommunikationstrukturen der Galerie angepasst werden, Website und soziale Medien intensiver eingesetzt werden. Dennoch spielen die älteren Künstler nach wie vor eine große Rolle, denn sie sind es, die den Verein (und damit die Galerie) tragen. Das Engagement der beiden Künstler, die natürlich weiterhin ihren eigenen Professionen nachgehen, ist nicht auf Dauer angelegt, sondern bereitet den Boden für die Zukunft. Baumann und Florack möchten in den nächsten zwei bis drei Jahren das Profil der Ecke Galerie schärfen, um sie dann auf dieser Basis in andere Hände zu geben. Ob dies wieder jemand aus den Vereinsreihen sein wird oder ein Außenstehender – man wird sehen…

»das kleine format« ist vom 1. Dezember bis 6. Januar zu sehen. Eröffnung: Do, 30. November, 19:30 Uhr. Öffnungszeiten: Mi bis Fr 14 bis 18 Uhr / Fr, 1.Dezember, 14 bis 24 Uhr / Adventssamstage 13 bis 18 Uhr

www.eckegalerie.de

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