Jazz

Dualität als Meisterwerk

Sarvara Urunova
20. Januar 2020

Seit bereits zehn Jahren treten Till Brönner (Trompete) und Dieter Ilg (Bass) immer wieder zusammen auf. Die Unterschiedlichkeit der Instrumente, die zusammen eigentlich keine Harmonie ergeben (so Brönner), wurde zum herausfordernden Punkt, der beide Musiker inspirierte.

Das Album »Nightfall«, das 2018 erschienen ist, zeigt in vollem Umfang, wie harmonisch die Diversität sein kann. Denn die Zusammensetzung der Platte könnte nicht unterschiedlicher sein. Angefangen mit »A Thousand Kisses Deep« von Leonard Cohen über J.S. Bachs »Air« und »Scream & Shout« von Will.iam und Britney Spears, zu »Eleanor Rigby« von den Beatles und Ornette Colemans »The Fifth of Beethoven« bewegen sich die Künstler auf einem ungewöhnlich variablen Boden, der einer Messerkante ähnelt. Mit eigenen Kompositionen wie »Wetterstein« und »Nightfall« werden der rebellische Wille neben den Gefahren des tiefen Falls offenbart. Es ist ein Album, das zum Reflektieren und Aufwachen einlädt.

Zwei Meister, die ihre Instrumente exzellent beherrschen, wollen einerseits provozieren und andererseits zeigen, dass ein Meisterwerk nur als ein Zusammenspiel von Gegensätzen geschaffen werden kann. Ein Meisterwerk, das durch Tiefe und Weisheit geprägt ist, genauso wie durch Explosivität und Offenheit.

Die Kontraste spiegeln sich auch auf der Bühne wider. Das extrovertierte Auftreten von Till Brönner neben dem introvertierten Spiel von Dieter Ilg ergeben ein vollkommenes Duett. Die Zurückhaltung des Einen verwandelt sich im Laufe des Spiels in expressive Lebendigkeit und die feurige Bestimmtheit des Anderen wirkt durch Entgegenkommen besonnen.

Zum Höhepunkt des Abends wurde das letzte Stück des Albums. Das geistliche Lied »Ach, bleib mit Deiner Gnade« erinnert intensiv an die höhere Kraft, der mit Demut und Dankbarkeit begegnet wird.

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