Politik & Gesellschaft

Drei Fragen zu B in A

a3redaktion
30. April 2022

Am 10. Februar 1898 wurde Bertolt Brecht in Augsburg geboren. Im kommenden Jahr werden wir somit den 125. Geburtstag des bedeutendsten Künstlers unserer Stadt feiern. Ein solches Fest will gut vorbereitet sein. Es braucht einen gewissen Vorlauf. Die a3kultur-Redaktion trifft sich im Jahr vor dem Jubiläum mit einer Reihe von Menschen, die sich dem großen Sohn der Stadt und seinem Werk verbunden fühlen. Wir sprechen mit ihnen über Brecht und unsere Stadt und stellen allen die gleichen drei Fragen.

1. War Bertolt Brecht in seiner Vaterstadt jemals gut aufgehoben?

2. Was sollte die Stadt Augsburg sich selbst zu Brechts 125. Geburtstag schenken?

3. Was wünscht du dir im Kontext Bert Brecht für die Stadt und die Menschen, die hier leben?

 

Mittel und Mut

1) Nun bin ich trotz gemeinsamen Geburtstags fürwahr kein Brecht-Experte, aber: Pazifismus, Liebe, Aufbruch, Begehren, Widerstand gegen die etablierte Ordnung – all diese Themen in Brechts Schaffen verdankt er seiner Vaterstadt, die den jungen, vorwärtsdrängenden Bertolt schnell an Grenzen stoßen ließ. Und auch wenn er selbst es sicher anders gesehen hätte – ohne die empfundene Enge seiner Vaterstadt wäre das künstlerische Gesamtwerk wohl so nicht denkbar. Insofern war er hier doch ganz gut aufgehoben.

2) Die Stadt sollte sich selbst den Mut schenken, das Brecht'sche Erbe und die Literatur allgemein im Stadtbild stärker zu verankern. Abgesehen vom alljährlichen Brecht-Festival ist die Literatur in der Stadt doch zumeist auf Einzelinitiativen und -ansätze beschränkt. Das Brechthaus, es ist kein Ruhmesblatt, ein Literaturhaus fehlt gänzlich, die personelle und finanzielle Ausstattung der Stadtbücherei ist mehr als defizitär. Hier bräuchte es mehr Mittel und Mut, um Literatur in alle Teile der Stadtgesellschaft zu bringen.

3) Es gibt Brecht-Forschung, es gibt Brecht in der Schule, es gibt für das Bildungsbürgertum das Brecht-Festival – diese Ansätze sind in verschiedenen Ausprägungen durchaus vorhanden. Mir wäre daran gelegen, aus diesen partikularen Ansätzen eine übergreifende Strategie für die Stadt zu schaffen, um aus Augsburg eine Literaturstadt zu machen. Frieden, Fugger, Mozart – da ist auch noch Platz für eine kreative und moderne Kulturstadt, die die Relevanz der Worte Brechts zeigt und lebt.

Marius Müller, Literaturexperte und Blogger
Foto: Adrian Beck

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