Film

Draußen ist das Kino

Thomas Ferstl
7. Mai 2021

Freiluftkinos, Outdoor-Highlights und ein feministisches Stummfilmfestival aus Augsburg – Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im Mai

Freiluftkinos, Outdoor-Highlights und ein feministisches Stummfilmfestival aus Augsburg – Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im Mai Die ersten warmen, sonnigen Tage kamen und gingen bereits durch Stadt und Land. Daher kam mir frei nach dem Text »Frühlingsgefühle« des Liedermachers Bodo Wartke folgender Gedankengang: »Es ist Mai, ein wunderschöner Frühlingstag! Ich gehe mit dir spazieren im Park. Vor einer Bank im Schatten einer Birke bleibst du plötzlich stehen und sagst zu mir: Pack den portablen Beamer aus, ich spanne hier das Bettlaken!« Nach vielen grauen kalten Monaten im Lockdown wäre so ein kleiner Filmabend an der frischen Luft doch genau das Richtige. Und genau das können Sie bald erleben, ohne vom Ordnungsamt ein Knöllchen wegen Ruhestörung am Lech zu kassieren:

Nach einem erfolgreichen Autokino Gersthofen 2020 steht das Liliom wieder mit einem Freiluftkino in Augsburgs Nachbarstadt in den Startlöchern. Der 1. Gersthofer Kinosommer soll je nach Wetter- und Coronalage an sieben Tagen der Woche für bis zu 500 Personen Kinogenuss unterm Sternenhimmel bieten. 100 Quadratmeter Leinwand gepaart mit einem 4K-Projektor sollen die Augen verwöhnen. Für die Ohren neueste Kopfhörertechnologie, so werden auch die nahen Anwohner nicht gestört. Gefreut werden darf sich auf diverse Blockbuster, die Oscargewinner ’21 und einige Arthouse-Highlights. Auch das Lechflimmern wird bei entsprechender Inzidenzlage nicht lange mit einer Öffnung auf sich warten lassen. Sobald konkrete Termin bekannt sind, erfahren Sie mehr von mir. Behalten Sie daher unsere Website und diese Kolumne in nächster Zeit besonders im Auge. Bis dahin können Sie sich noch via Stream mit zwei meiner persönlichen Outdoor-Film-Highlights die Wartezeit vertreiben:

»Der große Trip – Wild« (Amazon Prime, Disney+, Netflix) beruht auf wahren Begebenheiten. Cheryl Strayed (Reese Witherspoon) musste viele Schicksalsschläge erleiden. Der Tod der Mutter (Laura Dern), ihre Heroinsucht und das Ende ihrer Ehe haben sie in ein tiefes Loch fallen lassen. Frustriert, aber auch entschlossen kehrt sie ihrem alten Leben den Rücken zu und begibt sich – ohne geringste Vorkenntnisse – auf eine knapp 1.800-Kilometer-Wanderung entlang des Pacific Crest Trails an der Westküste der USA. Auf ihrem Weg bekommt Cheryl es mit der geballten Erbarmungslosigkeit der Natur zu tun. Die Verfilmung des Bestsellers zeigt eine starke Frau, die trotz oder eher wegen der Gefahren und Strapazen der Natur auf ihrem Marsch zu sich selbst und ins Leben zurückfindet. Dabei faszinieren vor allem die spektakulären Naturaufnahmen und Witherspoons Performance als kämpferische Wandersfrau.

Auch »Into the Wild« (leihen oder kaufen bei Amazon, Sky, iTunes) bedient sich einer wahren Geschichte. Im Sommer 1990 hat Christopher McCandless (Emile Hirsch) sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen. Seine berufliche Zukunft sieht blendend aus. Doch der junge Mann ist an solchen Oberflächlichkeiten nicht interessiert. Er wird von ideellen Werten angetrieben, und will kein Teil seiner heuchlerischen Umgebung werden. Nachdem er alle seine Ersparnisse der Wohlfahrt gespendet hat, beginnt er im Sommer 1990 eine Reise durch die Vereinigten Staaten. Die Suche nach sich selbst führt ihn schließlich nach Alaska, wo er in der unwirtlichen Ödnis nur von dem, was die Natur bietet, überleben will. Hirsch verkörpert kraftvoll eine unbändige Passion und Naivität, die in eine zunehmende Gebrechlichkeit und Unterwerfung gegenüber der Natur kippt. Auf der Basis von John Krakauers Biografie über McCandless schuf Sean Penn jedoch einen Film, der vor Lebensfreude sprüht, obwohl sich in seinem Verlauf die geballte Kraft der Naturgewalten erbarmungslos über dem jungen Abenteurer entfaltet.

Zum Abschluss noch ein Streaming-Tipp direkt aus der Region:

Am 21. Mai findet das feministische Stummfilmfestival »Lärmfilm« statt, das vom Kulturkollektiv Mehrfrau e.V. und von der Gleichstellungsstelle Augsburg organisiert wird. Ab 20 Uhr werden sechs Filme im Rahmen einer digitalen Veranstaltung erstmals gezeigt. Das Programm und der Link zur Veranstaltung werden ab dem 11. Mai auf der Website des Kulturkollektivs zu finden sein: www.mehrfrau-kollektiv.de/projekte. Konzipiert und produziert wurden die Filme von feministischen Initiativen wie Catcalls of Augsburg, CSD Augsburg und der Black Community Foundation sowie von Künstler*innen aus der Region. Die ursprünglich geplante Projektion der Filme auf Häuserfassaden im Textilviertel unter Begleitung mit Livemusik musste pandemiebedingt abgesagt werden und wird, falls möglich, im Laufe des Jahres nachgeholt.

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