Politik & Gesellschaft

Auf dem Rücken der Anderen

Gastautor

Das Water & Sound verbindet die beiden grundlegenden Bestandteile, die in allen Regionen unseres Planeten zu finden sind.

Wasser ist Leben

Eine Gurke besteht zu 97 Prozent daraus, der Mensch besteht durchschnittlich bis zu 80 Prozent daraus, es ist in der Luft, die wir atmen, und die Oberfläche unseres Planeten besteht zu zwei Dritteln daraus. Es ist die Grundlage des Lebens: Wasser.

Die Erde fasst insgesamt 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Man könnte meinen, wir hätten mehr als genug davon. Allerdings sind davon 97,5 Prozent Salzwasser, also nicht als Trinkwasserressource nutzbar. Nur 35 Millionen Kubikmeter Wasser, also 2,5 Prozent, sind Süßwasser, hiervon ist ein Großteil als Eis in den Gletschern an den Polen gebunden. Es ist also nur ein sehr ge­ringer Teil des Wassers auf der Erde nutzbar. Auch durch den Klimawandel wird das Wasser knapper. Grundsätzlich hat unser Planet zwar eine bestimmte Gesamt-Wassermenge, die geschützt durch ein natürliches Kreislaufsystem nicht aufgebraucht werden kann. Durch die Störung dieses Kreislaufs und die Beeinflussung des Wasser-Ökosystems kann sich jedoch die Menge an nutzbarem Wasser verändern und verringern.

Aus den Fugen geraten

Vor allem über das Wasser werden die Symptome und Folgen des Klimawandels sichtbar: schmelzende Gletscher, steigender Meeresspiegel, knapp werdende Süßwasservorräte, geringere Niederschlagsraten sowie sinkende Grundwasserspiegel. Auch extreme Wetterlagen, wie vermehrte Dürrezeiten und Trockenperioden, Starkregen, Überflutung und Wirbelstürme, häufen sich. Ein eigentlich perfekt abgestimmtes Kreislauf­system ist aus den Fugen geraten.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem des Wassers führen zu einem Teufelskreis. Durch steigende CO2-Emissionen wird die Erderwärmung beschleunigt, das Klima verändert sich. Natürliche CO2-Binder wie der Wald oder Moore werden zerstört, und so gelangen weitere Emissionen in die Atmosphäre und der Klimawandel wird vorangetrieben.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Grundsätzlich ist Deutschland ein wasserreiches Land und das Problem der Wasserknappheit ist kaum Thema auf der öffentlichen Agenda. Allerdings führt die Klimakrise auch hier zu extremen Wetterlagen und Wasserknappheit. Recherchen von Correctiv ergaben jedoch, dass diese Problematik kaum ernst genommen wird. So möchte die deutsche Bundesregierung erst im Jahr 2030 handeln und es gibt keine konkreten Pläne für die Wassereinsparung. Auch die Regelungen des Wasserverbrauchs und der Entnahme von Wasser aus den Böden und Gewässern sind oft bereits zwanzig bis dreißig Jahre alt und beziehen deshalb die Klimakrise kaum mit ein.

Das Handeln in Deutschland hat aber nicht nur im eigenen Gebiet Folgen, sondern Deutschland ist auch Mitverursacher der Wasserprobleme in anderen Regionen der Welt (beispielsweise durch den Import von Baumwolle oder Rindfleisch).

Ressourcengerechtigkeit

Vor allem Industrieländer wie die USA, Deutschland etc. tragen mit einem ressourcenverschwendenden Lebensstandard zur erhöhten CO2-Emisson bei. Jedoch sind die Auswirkungen am meisten in Ländern des globalen Südens schon heute stark spürbar. Seit den 1980er-Jahren steigt der Wasserverbrauch jährlich um ein Prozent. Über drei Milliarden Menschen leben in Ländern mit Wassermangel und etwa vier Milliarden Menschen, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, leiden laut Angaben der Vereinten Nationen mindestens einen Monat pro Jahr unter starker Wasserknappheit. Diese Entwicklungen haben Hunger, Migrationsdruck sowie kriegerische Auseinandersetzungen zur Folge. Der Klimawandel wird vom globalen Norden vorangetrieben und auf dem Rücken des globalen Südens ausgetragen.

Aman Iman – Water is Life

Das Augsburger Wassermanagement-System ist UNESCO-Welterbe. Insgesamt 22 Objekte liegen in der Stadt verteilt und zeichnen Augsburg als Wasserstadt aus. Durch die zentrale Rolle der Ressource Wasser motiviert, soll das Water & Sound einen ganzheitlichen und globalen Blick auf das Thema werfen. In diesem Jahr ist die Region des Sahel und der Sahara Schwerpunkt.

Neben den Konzerten und Performances gibt es Panels unter dem Titel »Aman Iman – Water is Life«. Hierbei spricht die Moderatorin Nabila Abdel Aziz neben Jens Soentgen und Matthias Schmidt von der Universität Augsburg unter anderem mit dem Autor Andy Morgan und Künstler*innen des Festivals (Noura Mint Seymali, Souad Asla, Malika Zarra, Marianne Fahmy, Mjalisuso). Gemeinsam werden die Themen Wasser, Ökologie, Politik und Kultur der Sahara und des Sahel beleuchtet.

»Ealamat Alsahra« – eine Ausstellung in den Wassertürmen am Roten Tor bietet Einblicke in Lebensweise und Ökologie der Sahararegion. Zu sehen sind Illustrationen des tunesischen Künstlers Skander Tej. In der bildfreudigen Stilistik nordafrikanischer Schilder- und Straßenkunst werden Wasserwirtschaft in Oasen und Feldern, Solarenergiegewinnung, Handelsrouten, Alltägliches, Musikkultur u.v.m dargestellt. Begleitet werden die Illustrationen von Infotafeln mit Fakten zu ökologischen, sozialen und kulturellen Zusammenhängen und Entwicklungen in Bezug auf Wasser in der Region.