Theater & Bühne

Eine Dame in Pink

Bettina Kohlen
2. Juli 2014
My Fair Lady

Phonetiklehrer Higgins wettet, dass er aus dem Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Grande Dame machen kann – er bastelt sich mit Sprachunterricht, Seife und pompösen Outfits seine Prinzessin zurecht. Elizas Ziel ist ein anderes: Sie träumt von einem eigenen Blumenladen und will lernen, dialektfrei und hochgestochen zu sprechen.

Das Musical »My Fair Lady« – basierend auf dem »Pygmalion« von George Bernard Shaw – kommt im Gegensatz zur Vorlage als Aschenputtel-Geschichte daher: der Aufstieg in die vornehme Gesellschaft mit Hilfe eines Prinzen, der sich für das arme Mädchen erwärmt. Doch ganz so klappt das alles nicht. Die von Higgins geschaffene Puppen-Prinzessin gewinnt Sprache und Etikette, doch sie verliert ihre intelligente Lebendigkeit, wird zur Kunstfigur inmitten einer fragwürdigen Gesellschaft.

Wie bringt man ein braves Musical der fünfziger Jahre auf die Bühne? Thilo Reinhardt (Regie), Paul Zoller (Bühne) und Annette Braun (Kostüme) haben eine plakative Graphic Novel inszeniert, bei der keine Gefahr besteht, in eine konventionell glänzende Nummernrevue abzugleiten. Das Ganze ist ein bunt explodierender Comic Strip mit einer Menge an Akteuren – da kann keinerlei Betulichkeit aufkommen.

Das gut aufgelegte Orchester (Leitung: Eberhard Fritsche) setzt auf Ironie und verkneift sich die romantische Süße der weltbekannten Songs. Das Ensemble agiert spielfreudig, vor allem Markus Hauser als Alfred P. Doolittle zu sehen und zu hören macht Laune! Und dann ist da noch die großartige und präsente Cathrin Lange: Sie verkörpert das Blumenmädchen mit Chuzpe, Selbstbewusstsein und Zartheit. Am Ende steht Eliza in ihrem rosa glitzernden Alptraum da, weit weg von diesem Spiel. Sie wird wohl ihr eigenes Ding machen.

Noch bis zum 24. Juli auf der Augsburger Freilichtbühne.

www.theater-augsburg.de

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