Theater & Bühne

Dänen-Drama mit Prinz

Bettina Kohlen
10. April 2014

Die laufende Spielzeit setzt auf Familientragödien. Resultat dieser: ein Haufen Toter, nur zwei Überlebende: Horatio, der Studienfreund Hamlets und Fortinbras, der schließlich den dänischen Thron besteigen wird. Ohne Kürzungen würde dieses Drama sechs Stunden dauern. Das Dilemma, irgendetwas weglassen zu müssen, bietet aber zugleich die Chance zur Fokussierung. Markus Trabusch konzentriert sich in seiner drei-Stunden-Version des bekanntesten Stückes von Shakespeare auf die emotional-privaten und geistig-philosophischen Aspekte der Geschichte. Den politisch-gesellschaftlichen Aspekt (somit auch Fortinbras) lässt er weg.

Trabusch stützt sich auf die - nicht unproblematische - Neu-Übersetzung von Roland Schimmelpfennig, verkneift sich dennoch nicht Sätze wie das unvermeidliche „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus der alten Schlegel-Tieck-Fassung.

Auf einer schiefebenen Drehbühne (Ines Nadler), Festung und Festsaal zugleich, kämpfen sich die Akteure bergauf oder müssen sich bergab vor dem Herabstürzen hüten. So oder so: sie sind in ihrem Handlungsspielraum beeinträchtigt. Dem Zuschauer wird Überblick entweder total oder gar nicht gewährt, eine weitblickende Klarheit wird ihm verweigert.

In diesem strengen Setting wird das Geschehen immer wieder durch instrumentale Intermezzi (Adrian Sieber an der elektrischen Gitarre) akzentuiert. Und die Schauspieler greifen zum Mikrofon und singen, gut: Lea Saalfeld (Ophelia)! Rosencrantz und Guildenstern treten mit Plastikpalme und Sixpack an; Hamlet und Laertes absolvieren ihr Duell mit bunten Leuchtröhren-Schwertern, unterlegt mit elektronischem Waffengeklirr. Das Drama wird zum Pop-Spektakel; kann man machen.

Doch die Darsteller werden in eine hektische Spirale hineinmanövriert, sie schrammen scharf am Rande unfreiwilliger Komik entlang. Der zeitweilige Slapstick funktioniert nicht. Der Versuch, dem Deklamations-Pathos zu entgehen, endet bisweilen in nervigem Gehampel und Rumgerenne und hektischem Overacting. Vor allem Tjark Bernau als Hamlet agiert schrill und überdreht, letztendlich nicht überzeugend.

Das Bühnengeschehen fesselt dennoch, das tut es bei Shakespeare immer. Doch die Inszenierung läuft nicht rund, das Zusammenspiel wirkt fahrig, fällt auseinander. Da wäre mehr drin gewesen. (bek)

Die nächsten Vorstellungen: Fr 11.04., Mi 23.04., Sa 26.04.

www.theater-augsburg.de

Weitere Positionen

14. August 2022 - 7:00 | Gast

Nach »Die Synchronisierung der Welt« hier nun der zweite Teil des Gastbeitrags von Dr. Karl Borromäus Murr anlässlich der Sonderausstellung »design goals«.

12. August 2022 - 7:00 | Fabian Linder

Menschen in Schwaben und ihre Geschichten über Grenzen, eine Sonderausstellung über Engel oder traditioneller Anbau von Spalierobst und die letzten Kathreintänze des Jahres – hier finden Sie eine Auswahl aus dem neuen Kulturprogramm des Bezirks Schwaben.

7. August 2022 - 7:00 | Gast

In »Der doppelte (T)Raum« zeigt das tim Ausstellungsarchitektur. Ein Gastbeitrag von Katinka Temme

5. August 2022 - 13:35 | Marion Buk-Kluger

Wo, wenn nicht beim gemeinsamen Essen erzählt man sich die besten, spannendsten, tiefgehendsten Geschichten. a3kultur hat mit dem Projekt »Süper Cantina« ein Format geschaffen, in dem genau das passiert.

5. August 2022 - 7:00 | Bettina Kohlen

Die österreichische Künstlerin Sabine Groschup macht die Ausstellungshalle im Obergeschoss des tim zur Bühne ihrer groß angelegten Intervention.

4. August 2022 - 7:00 | Fabian Linder

Beim Friedensfest*22 widmet sich eine Vielzahl an Veranstaltungen von Mitte Juli bis zum 8. August dem Thema #Zusammenhalt. a3kultur blickt auf das Programm aus Ausstellungen, Vorträgen und gemeinsamen Friedenstafeln.

3. August 2022 - 18:00 | Annika Berger

Im Rahmen des Water & Sound-Festivals fanden am Donnerstag (28. Juli) und Sonntag (31. August) im Handwerkerhof an den Wassertürmen zwei Panel-Talks statt. Die Journalistin Nabila Abdel Aziz moderierte die Gespräche zu den Themen Wasser, Musik, Ökologie und Politik der Sahararegion und Sahelzone, auf welche in diesem Jahr der Schwerpunkt des Water & Sound-Festivals gelegt worden ist.

3. August 2022 - 12:00 | Gast

Museen dürfen zu keiner reinen Verfügungsmasse bei möglichen Schließungsszenarien werden! Ein offener Brief der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern.

3. August 2022 - 7:00 | Fabian Linder

Zusammenhalt, Solidarität, Rücksichtnahme waren wahrscheinlich die Wörter, die wir am häufigsten im letzten Jahr gehört hatten und von denen sehr viele Menschen sehr schnell sehr müde wurden. Leider ist es so, dass das Wort »Zusammenhalt« seit dem 24. Februar 2022 eine neue Dringlichkeit bekommen hat. Ein Gastbeitrag von Olga Grjasnowa

Die Parade des Wasservogels zog vom Siebentischpark zum Annahof. Fotos: Manuel Schedl
2. August 2022 - 9:00 | Manuel Schedl

Mit der »Parade des Wasservogels« wurde die zweite Nacht des »Water and Sound«-Festivals eingeleitet. Unbefangene Kunst- und Spaßaktion oder mehr?