Ausstellungen & Kunstprojekte

Carbon

Jürgen Kannler
1. Juli 2016

Als Laboratorium der Zukunft möchte Karl Murr, der Leiter des tim, sein Haus im Augsburger Textilviertel positionieren, und er wird diesem Anspruch wohl auch in diesem Jahr gerecht. Dass dieser Ansatz Hand in Hand mit einem guten Besucheraufkommen funktionieren kann, belegten die Zahlen des Museums für die vergangenen Jahre. Und wenn sich der Andrang bei einer Ausstellungseröffnung als Indiz für die Zugkraft eines Themas lesen lässt, sollte auch das laufende Jahr dem einzigen staatlichen Museum in unserer Region recht ordentliche Besucherzahlen bescheren.

So fanden an diesem Dienstagvormittag neben den üblichen Verdächtigen auch zahlreiche, vorwiegend männliche Vertreter der Hightechunternehmen ins tim, die seit einigen Jahren dabei sind, das Lechtal in Carbon Valley zu verwandeln. Es will eben keiner die Zukunft verpassen, für die sie laut Ausstellungstitel den Stoff liefern. Nicht wenige dieser Gäste entdeckten beim späteren Rundgang Ergebnisse ihrer Forschung und Fertigung auf der gut 1.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche im oberen Geschoss des Museums wieder.

Bis die Halle für die ersten Besuchergruppen freigegeben wurde experimentierten vier Schlagwerker überzeugend in rhythmischen Anwendungsbereichen von Carbon. Dazwischen gab es Redebeiträge. Den Anfang machte Bürgermeisterin Eva Weber, die in Vertretung für Kurt Gribl – der OB tagte geschäftlich in Berlin –die Bedeutung des Zukunftsstoffes für die Stadt und die Region unterstrich und in diesem Kontext auch auf ihr Innovationspark-Baby verwies, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Uni nach anfänglichen Startschwierigkeiten nun langsam in Schwung kommt.

Den Ball »Carbon-Region« nahm natürlich auch Karl Borromäus Murr bei seiner Einführung in die Ausstellung auf. Es ist für ihn in gleicher Weise Herausforderung wie Verpflichtung, in seinem Textilmuseum dem Thema – zumindest im deutschsprachigen Raum  – zum ersten Mal einen Platz von derartiger räumlicher Dimension, faktischer Tiefe und anschaulicher Optik zu widmen. Getragen wurde sein Beitrag immer wieder von der Faszination, die dieses Material auch auf ihn persönlich ausübt. Es ist die unglaubliche Leichtigkeit, gepaart mit einer schier universellen Einsetzbarkeit, die diesen Kunststoff in gewebter, gewickelter und gestickter Form zum Faden macht, an dem die Zukunft hängt.

Letztendlich liegt die große Stärke der Schau in ihrer erfrischenden Präsentation. Hier hat der Spezialist für Ausstellungsgestaltung Raimund Docmac ganze Arbeit geleistet. Ein leuchtend gelber Arbeitstisch teilt die Halle. Darauf wird die Geschichte des Carbons von der Grundfaser bis zu den Endprodukten ausgebreitet. Themenkabinette zweigen zu beiden Seiten ab und fokussieren Teilbereiche der Anwendung von der Flugzeug- und Autoindustrie bis hin zum Sport und medizinischen Bereich oder das noch weitgehend offene Thema der Entsorgung des Materials.

Der Besucher erkennt beim Rundgang die Wurzeln der neuen Technologie in der Textilwirtschaft und somit den eigentlichen Link zum tim und erlebt die Umsetzung dieser Anwendungen im Kontext der digitalen Möglichkeiten.

Das Museumsteam im tim bietet zahlreiche Führungsangebote, vor allem auch für Kinder und Jugendliche, sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Mitmach-Ausstellung. »Carbon – Stoff der Zukunft« läuft bis zum 6. November.
www.timbayern.de

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