Klassik

Bewegende Romantik, musikalische Glanzleistungen

Dieter Ferdinand
6. Juni 2019

Zu Beginn spielten die Philharmoniker die Ouvertüre zu den Faust-Szenen von Robert Schumann. Diese beinhalten große Teile aus »Faust I« und »Faust II«, die der Komponist auswählte und als Oratorium bearbeitete. Die Ouvertüre dazu beginnt dramatisch-düster mit dem Brüten des Faust und seinem Bund mit Mephisto, geht dann über in Lyrisches bei seiner Liebe zu Gretchen bis hin zu deren Tod und dem triumphal-verklärenden Schluss von Faust II. Zu wünschen wäre, dass dieses Oratorium bald wieder einmal vollständig zur Aufführung kommt. Es wurde erst 1862 in Köln, sechs Jahre nach Schumanns Tod, uraufgeführt.

Ganz anders klingt das Klavierkonzert der 14-jährigen Clara Schumann, die vor 200 Jahren geboren wurde. Seit einigen Jahren wird zunehmend von Frauen komponierte klassische Musik wieder entdeckt und aufgeführt. Die Pianistin Ragna Schirmer (Foto: Maike Helbig, Klick hier zum Vergrößern) hat das Leben und Schaffen Clara Schumanns zu ihrem Forschungs- und Aufführungsschwerpunkt gemacht. Im Klavierkonzert steht nicht das Orchester im Mittelpunkt, sondern ordnet sich dem Piano meist begleitend unter. Es findet auch ein Dialog auf Augenhöhe statt, ganz besonders im zweiten Satz, in dem ein inniges Gespräch zwischen Klavier und Cello erklingt. Das a-Moll-Konzert spielte Clara Schumann am 9. November 1835 zum ersten Mal in Leipzig unter der Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Als Zugabe zauberte Ragna Schirmer die »Träumerei« von Robert Schumann tiefgründig in die Tasten.

In der Konzerteinführung wurde die »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz als »Gründungsakte der Programmmusik« bezeichnet. Er nennt sie »Episode aus dem Leben eines Künstlers«. Berlioz hatte sich leidenschaftlich in die Schauspielerin Harriet Smithson verliebt, als sie die Ophelia in Shakespeares »Hamlet« spielte. Seinem Künstler geht es ähnlich, die Geliebte scheint unerreichbar. Der Gedanke an sie wird charakterisiert durch eine »idée fixe« als wiederkehrendes Motiv. Er begegnet der Frau bei einem Ball, auf dem Land denkt er an seine Einsamkeit, untermalt von Englischhorn und Oboe. Ein Gewitter naht, der Künstler nimmt Gift. Er träumt, seine Geliebte getötet zu haben und zum Richtplatz geführt zu werden. Dazu spielt das volle Orchester. Im letzten Satz erscheinen ein unheimlicher Hexentanz und sein Begräbnis, wir hören Totenglocken und das »dies irae« des Requiems. Hier dominieren Blechbläser und Pauken. In seinem Traum wird der Künstler hingerichtet, im Leben heiraten Harriet Smithson und der 26-jährige Hector Berlioz, der vor 150 Jahren geboren wurde.

Im Zentrum des Konzerts stand die Pianistin Ragna Schirmer, die ihrem Instrument zarte und kräftige Töne entlockte, die Führungsrolle ihres Instruments unterstreichend. Wenn das Orchester allein spielte, wiegte sie sich im Rhythmus der Musik.

Generalmusikdirektor Domonkos Héja führte bravourös die Philharmoniker, die besonders bei der Berlioz-Symphonie zu großer Form aufliefen.

www.staatstheater-augsburg.de/konzerte

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