Politik & Gesellschaft

Angekommen!

a3redaktion
17. Juni 2020

Die neue Stadtregierung unter Oberbürgermeisterin und Kulturreferentin auf Zeit Eva Weber nahm die Kultur von der Tagesordnung. Die für den 15. Juni geplante Sitzung des Kulturausschusses wurde abgesagt. Für die Verantwortlichen gibt es derzeit »keine Punkte zur Beratung oder Beschlussfassung«.

Die Ständige Konferenz rief in Kooperation mit a3kultur zu einer einmaligen Solidaritätsaktion mit der schwarz-grünen Stadtregierung auf: Künstler*innen, spendet Themen, damit diese Kulturpolitik machen kann!

Die a3kultur-Redaktion ging mit gutem Beispiel voran, riet zum Blick in den Koalitionsvertrag und präsentierte Themenvorschlag Nr. 1 – Unter Punkt 6 des Vertrags heißt es: »Die Einführung fairer Honorare für Künstlerinnen und Künstler im Rahmen städtischer Aufträge wird angestrebt.« Was bedeutet das genau? An welcher Bemessungsgrenze könnte sich die Honorarlinie orientieren?

Alle Einsendungen im Überblick:

  • Faire Bezahlung für Kunst- und Kultur-Pädagogen, die unabdingbar sind im Bildungsprozess für Kunst + Kultur und die wichtigen Bildungsaufträge der Stadt und ihrer Institutionen. Dadurch, dass diese Pädagogen meist als Freelancer arbeiten, bringen sie ein hohes Maß an Flexibilität mit. Diese Anpassungsfähigkeit und der hohe Vorbereitungsaufwand im belebten und sich ständig verändernden Kulturbetrieb sollte bitte entsprechend gewürdigt und nicht mit viel zu niedrigen Pauschalhonoraren vergütet werden. | Spenderin: Clara Diepold

  • In der Präambel zum Koalitionsvertragspunkt »Kultur« heißt es: »Kultur ist der Motor für Denkanstösse über unsere Gesellschaft und bietet den Freiraum, der für ein Nachdenken jenseits der herrschenden Verhältnisse nötig ist…« Der Zeitpunkt dafür ist jetzt! Es gibt viel zu bereden und zu entscheiden: Ganz akut ist zu besprechen die schnelle, sichere Umsetzung von Hygienekonzepten zur Wiederaufnahme der Clubkultur, von Veranstaltungen der Theater, von Bandauftritten und Workshopszenarios! | Spender: Peter Bommas

  • Eröffnen wir vor dem Corona-Hintergrund die notwendige Diskussion über die Theatersanierung und die Rolle der Ersatzspielorte,  und – eng verbunden damit – über den«frühzeitigen Austausch« mit den kulturellen Akteur*innen und Bürger*innen über eine kulturelle Nachnutzung der »Brechtbühne« im Gaswerk! | Spender: Peter Bommas

  • Starten wir ein Brainstorming zu einem Gesamtkonzept für ein Museumsquartier im Textilviertel unter Einbeziehung des ÖPNV!

  • Beginnen wir die drängende Auseinandersetzung mit der Festivallandschaft und ihrer Veränderung – weg von den Dachmarken, hin zu partizipativen, innovativen, niederschwellig zugänglichen Formaten und informieren wir uns über den »in Erarbeitung befindlichen Leitfaden für nachhaltige Festivals«! | Spender: Peter Bommas

  • Besprechen wir die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten einer verstärkten Förderung der freien Szene! | Spender: Peter Bommas

  • Wenn ich mit meinem Auto zu einer von mir zu bestreitenden Kulturveranstaltung fahre, bekomme ich dann die Fahrtkosten gefördert, obwohl sich keine weitere Person im Wagen befindet und der Veranstaltungsort auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen wäre? | Spender: Franz Dobler

  • Betrifft Entwicklungen am Gaswerk: Wenn es um die Entstehung eines neuen Quartiers geht, müssen unterschiedliche Perspektiven und Voraussetzungen wie ethnische Wurzeln, Bildungsgrad oder physische Einschränkungen eine Rolle spielen. Inwiefern kommt das vor und was ist geplant? | Spenderin: Susanne Thoma

  • Betrifft Nachhaltigkeitsziele für das Gaswerk. In den Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg heißt es zum Beispiel: Bildungs- und Erfahrungsräume weiter entwickeln bzw. schaffen (Ziel S2.4). Welche kulturellen Aktivitäten tragen am Gaswerk dazu bei, dass wesentliche Sozialisationsprozesse statt finden können? | Spenderin: Susanne Thoma

  • Städtische Beteiligung am Gaswerk: Wie viel Geld wurde investiert, wie viele Schulden wurden dabei gemacht, wie sollen diese Schulden amortisiert werden? | Spender: Reinhold Forster

  • Renovierung des Brechthauses und neue Ausstellung – Zeitplan, Finanzplan und personelle Zuständigkeit für das große Brecht-Jubiläum Feb. 2023 (125 Jahre Brecht) | Spender: Michael Friedrichs

  • Wie kann eine Weiterentwicklung des literarischen Lebens in Augsburg aussehen? Wie lassen sich Verlage, Buchhandlungen, Autor*innen und Bibliotheken miteinander besser verzahnen und wo können Synergien entstehen? Welche Rolle spielt ein zu schaffendes Literaturhaus (im Brechthaus)? Wie kann die Literatur breiter in der Stadt(gesellschaft) verankert werden? Welche Perspektiven können hierbei entwickelt werden? | Spender: Marius Müller

  • Welche referatsübergreifenden Synergien zwischen Stadtteilentwicklung, Bürgertreff, Integration, Sprach- und Leseförderung sind geplant? | Spenderin: Inga Gölitz

  • Als Thema spende ich gerne mein Ceterum Censo (was naturgemäß von einem sich neu formierenden Kulturausschuss zu behandeln ist): zu welchen, die Kultur betreffenden Fragen plant der Ausschuss eine sog. empfehlende Meinungsbildung des Kulturbeirats einzuholen? | Spender: Korbinian Grabmeier

  • Zum Themenbereich »Kulturelle Bildung« heisst es im Koalitionsvertrages unter Punkt 7.b: »Insbesondere Stärkung des Abraxas als Ort der kulturellen Bildung und Befürwortung eines Platzhaltergebäudes». Das Junge Theater kann seine Studiobühne auf unbestimmte Zeit nicht mehr bespielen. Auch Proben sind in unseren Räumen auf unbestimmte Zeit unmöglich. Geschweige denn die Durchführung jeglicher Teilhabeprojekte. Der Bedarf an einer zusätzlichen Probe- und Spielstätte – gerne in einem »Platzhaltergebäude«! – ist derzeit noch dringender als je zuvor, die »Covid- 19- Krise« verschärft unsere prekäre Raum-Situation noch zusätzlich. Das Abraxas mit seinem Leiter Gerald Fiebig und auch Elke Seidel vom Kulturamt unterstützen uns dankenswerterweise, aber ohne eine politische Entscheidung ist der Handlungsspielraum begrenzt. Und: die gesamte Freie Theaterszene sucht geeignete Spielorte! | Spenderin: Susanne Reng

  • Das Augsburger Rathaus wird 2020 runde 400 Jahre alt. So, wie es bislang aussieht, macht die Stadt aus diesem Jubiläum nichts. Wie der Stadt mit ihrer großen Geschichte umgeht, ist blamabel – und kulturlos. Das gilt auch für das sicherlich längst gelistete Thema »römisches Erbe«. | anonyme Spende

  • UNESCO-Welterbe ist ein Bildungsauftrag, den die Stadtverwaltung massiv ignoriert. Teilweise ist es ein Bildungsproblem. Das Welterbebüro der Stadt kommuniziert inhaltlich Fehler über Fehler – das sie anderen Akteuren dann auch noch aufzudrängen versucht (640 Kanalkilometer etc.). Aktionen anderer »Player« werden dafür massiv behindert oder ignoriert – Bürgerbeteiligung darf nicht passieren, wenn sie nicht von der Stadtverwaltung aufs Gleis gesetzt wird. Das ist keine Bürgerbeteiligung. Auch sonst passiert lächerlich wenig. Künstler werden nicht gefördert, Anfragen von Studierenden werden nicht beantwortet – wegen Überlastung (durch was?). | anonyme Spende

  • Das von Eva Leipprand angeschobene Thema Industriekultur in Augsburg ist städtischerseits völlig von der Bildfläche verschwunden. | anonyme Spende

  • Wenn in Augsburg über Kultur geredet oder geschrieben wird, ist seltsamerweise nie von Büchern die Rede. Ist das Buch kein Kulturträger mehr? Städtische Förderung für Buchverlage gibt es übrigens so gut wie nicht.  Wer liest noch Bücher? | anonyme Spende

  • Wie geht es weiter mit der Halle 116? Gibt es einen Zeitplan? Sind Mittel für die Sanierung (noch) vorhanden? Und wie werden lokale Akteure aktiv in die inhaltliche Ausstellungsentwicklung eingebunden? Was sind die – vermeintlichen – Vorteile der Eingliederung der Bereiche »Erinnerungskultur« und »Friedensbüro« in das OB-Referat? | Spender: Reinhold Forster

  • Bildende Kunst in Augsburg: Stellungnahmen des Kulturausschusses zum den Themen Wettbewerbe Kunst und Bauen bei kommunalen Projekten, Ausstellungsmöglichkeiten/ Kooperationen für die zeitgenössische Bildende Kuns, Projektkonzeptionen für die zeitgenössische bildende Kunst im Rahmen der Stadtkultur. Förderkonzepte und Ankaufs konzepte für die zeitgenössische bildende Kunst in Augsburg. Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung: Netzwerkarbeit/ Kunstforum bildende Kunst in Augsburg mit Verbänden, Hochschulen, Galerien, Museen, Internationalen Austauschen. Städtische Konzepte um die kulturelles Aktivitäten nach dem Corona-Shutdown wieder zu beleben. | Spender: Norbert Kiening

  • Zukunft des Römischen Museums und der Präsenz des römischen Erbes in Augsburg – Perspektivenentwicklung (u.a. Zeitplan), Standortfrage (Dominikanerkirche, Karmelitengasse, Pfannenstiel), Museumskonzept (inhaltliche Ausrichtung, Museumspädagogik, Standortvernetzung etc.) | anonyme Spende

  • Gebäude des Leopold- Mozart-Zentrums in der Maxstrasse für die Kultur erhalten. Hier können mietbare Proberäume für die freie Szene entstehen. Leopold-Mozart-Wettbewerb erhalten und diesen so gestalten, dass er zeitgemäss ist und positive Effekte erzielt wird. Das kann beispielsweise eine Meisterkurswoche sein. | Spenderin: Alexandra Steiner

  • Für den Erhalt eines eigenständigen Kulturreferats. | Spenderin: Alexandra Steiner

  • Die Stadt richtet eine Bühne im Annahof ein, um in Coronazeiten Kultur am Laufen zu halten. Alle müssen sich hier bewerben können. Es sollen weitere kleine Bühnen entstehen, auf denn entsprechend der Sicherheitsregeln gespielt werden kann. | Spenderin: Alexandra Steiner

  • Ein Doppelherz für Stadtspitze, das für die Augsburger Kunst- und Kulturszene pumpt. | Spender: Dietmar Sigl

  • Unterstützungen, dass Konzerte/ Aufführungen kleiner Veranstalter und freiberuflicher Künstler unter den »neuen Bedingungen« überhaupt stattfinden können bzw. sie rentabel wären. a) Zuschüsse/ Übernahme der Mehrausgaben für Hygieneauflagen, b) Zuschüsse für technischen Mehraufwand (Ton- /Bildtechnik bei bestimmten »neuen« Konzertformaten), c) da man jetzt auch größere, teurere Räume benötigt: Zuschuss bei den Raummieten oder erleichtertes, kostenfreies Zur- Verfügung- Stellen städtischer Räumlichkeiten. d) Installieren spezieller Lüftungsanlagen in Veranstaltungsräumen und Museen damit diese wieder genutzt werden können. | Spenderin: Pamela Rachel

  • Organisation und finanzielle Unterstützung von neuen Konzertformaten: a) Drive-In-Festivals (Rock- Pop-Kultur), b) Openair-Formate wie Serenade im Hofgarten, Konzert im Anna-Hof, kulturelle Kleinformate in Museen, Wittelsbacher Park, Plärrer. »Kultur am Fenster«, vom Kulturamt in die Wege geleitet, ist ein erster Schritt, c) Oper für alle (siehe München), d) Formate als städtisches Ereignis wie Kultur im Schaufenster (Innenstadt), Jazznacht in Bars, Cafes, Restaurants, e) Schlechtwetterversion, streamen in bestimmte Lokalitäten. f) Miniformate in Kaufhäusern, Möbelhäusern, Restaurants, Buchhandlungen, Biergärten, öffentlichen Plätzen wie Ladenschlusskonzerte, bunter Freitag | Spenderin: Pamela Rachel

  • Erarbeiten von Richtlinien für Straßenmusik | Spenderin: Alexandra Steiner

  • Gutscheine für Bürger bei Inanspruchnahme lokaler kultureller Ereignisse | Spenderin: Pamela Rachel

  • Befassung mit dem Beschluss des Kulturbeirats am 1. April 2020 mit dem Schwerpunkt Strukturförderung in der Coronakrise | Spender: Oliver Nowak

  • Förderung der bildenden Künste im Gaswerkareal – welche Pläne gibt es? Inwiefern ist es den Künstlern selbst erlaubt, Räume nach ihren Wünschen zu gestalten? Vorschlag: einen Begegnungs- und Ausstellungsraum zu schaffen, in dem öffentliche und interne Veranstaltungen stattfinden können. | Spenderin: Simone Bwalya

Illustration: Nontira Kigle/a3kultur, Archiv

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