Comedy & Kabarett

Alles außer Tanzen

Patrick Bellgardt
12. Juli 2014
Willy astor

Wortspielerische Kabarettnummern wie »Radkäppchen und der böse Golf« oder »Beckhambauer und Trapper Toni« sind und bleiben Willy Astors Markenzeichen. Auch in seinen Liedern bedient sich der selbst ernannte »Oral-Apostel« gerne dieses Stilmittels. So wird aus dem Animals-Klassiker »The House of the Rising Sun« schnell mal »Seehaus in the Freising Sun«.

Seit über 30 Jahren tourt der heute 53-Jährige durch die Republik. Willy Astor ist dabei jedoch nicht nur ein Meister der Worte, sondern auch der Gitarre: Fünf Alben seines Akustikprojekts »The Sound of Islands« sind bereits erschienen. Von Tango bis Bossanova und von Blues bis Jazz nimmt der Alleskönner seine Zuhörer mit auf eine Reise durch die Welt der Musikstile. Zuletzt veröffentlichte der Münchner unter dem Titel »Kindischer Ozean« zudem seine erste CD für Kinder.

Zurzeit ist Willy Astor mit seinem aktuellen Programm »Nachlachende Frohstoffe« in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Wenige Wochen vor seinem Auftritt beim »Kult(ur)-Sommer« auf Schloss Scherneck nahm er sich Zeit für ein kurzes Interview. Die Fragen stellte Patrick Bellgardt.

Bereits der Titel Deines aktuellen Programms, »Nachlachende Frohstoffe«, verspricht Wortakrobatik vom Feinsten. Auf was dürfen sich die Zuschauer sonst noch freuen?

Auf einen unterhaltsamen und humorvollen Abend mit Witz und Musik direkt vom Erzeuger. Mein Motto ist die Vielfalt, die Lust auf permanent prosaische Richtungswechsel. Ich hole aus dem Köcher alles Mögliche raus, was man persiflieren kann: einen Hip-Hop für meinen Pubertiersong, Poetry-Slam-Parodien oder Westernsongs im neuen Gewand.

Was sind Deine ganz persönlichen »Frohstoffe«?

Mein kleiner Sohn. Er ist jetzt zweieinhalb Jahre alt und produziert unfreiwillig so viele charmante und komische Situationen, die mich immer zum Lachen bringen.

Im Gegensatz zu vielen Deiner Kollegen widmest Du Dich in Deinen Programmen selten politischen Themen. Hat das einen bestimmten Grund?

Ich glaube, ich habe a) zu wenig Wut in mir, b) zu wenig Ahnung und c) gibt es da Leute, die es geübt haben, politisches Kabarett zu machen. Aber dennoch: Ja, ich interessiere mich dafür! Vielleicht werde ich eines Tages auch politisch (lacht).

Deine Touren führen Dich regelmäßig durch ganz Deutschland. Macht es einen Unterschied, ob Du in Hamburg oder »daheim« in Bayern auftrittst?

Im Grunde schon, weil ich ein gesamtdeutscher Komödiant mit bayrischem Einschlag bin. Entscheidend ist aber doch: Sind die Nummern gut, mit denen ich mein Publikum bespiele? Eine gute Nummer ist in Hamburg genauso gut wie in Wien oder Garmisch …

Zusammen mit Radiomoderator Stephan Lehmann hast Du 1998 die Hymne des FC Bayern München geschrieben und komponiert: »Stern des Südens«. Sind Deine fast schon traditionellen Auftritte bei den Meisterfeiern auf dem Marienplatz inzwischen eigentlich zur Routine geworden?

Ach nein, sicher nicht. Es ist immer noch was Besonderes, den vielen Leuten eine Art Appetizer zu bieten, bevor die Mannschaft kommt. Das ist ein Adrenalinschub der besonderen Art!

Im April erschien mit »Kindischer Ozean« Dein erstes Album für Kinder. Zu hören gibt es darauf allerhand »Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich«. Wie kam es dazu?

Ich bin ja selbst zweifacher Vater und wollte schon immer ein Kinderalbum machen. Jetzt war die Zeit gekommen. Die Arbeit hat neun Monate gedauert – also fast wie bei einer Schwangerschaft. Es ist ein sehr schönes Album geworden. Wir haben mit echten Instrumenten gearbeitet und wurden von wirklich tollen Künstlern wie Otto Waalkes und Max Mutzke unterstützt.

Musiker, Comedian, Buchautor – welche Rolle gefällt Dir momentan am besten?

Eigentlich bin ich ziemlich old-school. Ich verstehe mich mehr als Entertainer, Aloneunderholder, als Wortkünstler, der auch Gedichte vorträgt und singt. Nur tanzen tue ich tatsächlich nicht.

Am 20. Juli um 19 Uhr gastiert Willy Astor mit seinem aktuellen Programm »Nachlachende Frohstoffe« beim »Kult(ur)-Sommer« auf Schloss Scherneck.

www.willyastor.de

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