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Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch

am 07.10.2011 veröffentlicht

Teil 1

Teil 1 

Laubfall beinah vollendet. Zelt steht aufeinem riesi gen weichen Blattbett, sehr warm,Mond geht auf, Katzentier huscht vorbei, Tierschreiedie gan ze Nacht, die letzte Zeltnacht.Ohne Nachthaube.

Auf Nicks Schreibtisch herrschte ein heillosesDurch einander von Büchern, eng beschriebenenZetteln, Brot und zwei Tassen, in denennoch Zucker klebte. An die Wand hatte jemandmit blauer Kreide ein Strichmännchen mit weitaufgerissenen Augen gezeichnet, darunter stand»Nick«. Er bekam viel Besuch in diesem Sommer.

        Hello Frank, just a letter to avoid misunderstandingsby phone.
Ich weiß nicht, wo ich bin. Bei bedeckttrübemHimmel fährt langsam ein Zug. WenigLeute in gestreuten Großraumabteilen. Sie blicken,schlafen, dösen.
        Die Eindrücke der Gegenwart sind sostark, dass sie mit der noch so nahen Vergangenheitkaum in Einklang gebracht werden können.Langsam und ruhig klang unsere großeReise aus, wir liegen bei dir, jeder in seinerdicken Decke, schlafen in wirren Träumen,noch rauscht die Brandung nach und vermischtsich in dem fremden Licht dieses Herbsttags anden weißen Wänden deines Zimmers und dieGeräusche der Stadt sind neu und fern.
       
Vielen Dank für dies und das. Du bistnebenan und entwickelst, ich sitz noch einwenig da und es ist gut heute, man schwebtzwischen scharfen Kanten, auch das gibt es.
       
Jedwede durch Fotografie gestützte oderdurch ihr Wesen strukturierte Erzählung wird zueinem Fragment des vergangenen Jahrhunderts.
       
Ich sah meinen Sohn im Publikum, schönund ganz für sich, dabei habe ich ihn geboren.Das war merkwürdig, denn ich sehe ihn ja meistzu Hause, ohne öffentliches Gesicht, sodass ermir dort am Tisch natürlich nicht so fernrücken kann, dass dieses Band einen als nichtselbstverständlich verwundert.
       
»Alles schaffen Sie heute nicht«, sagt derMann, der aus dem Hotel eilt, mich stoppt,damit ich ihn nach dem Weg fragen kann: »Essind 25 km bis zur nächsten Ortschaft und dannnoch einmal zirka 25 km bis zu Ihrem Ziel, allesauf einmal geht nicht!« »Das macht nichts«, sageich, »dann gehe ich eben nur 6 km bis zu Ortsgrenzebergauf.« Er meint, dies sei kein Problem.So gehe ich weiter. Aber so leicht ist es nicht.Spielerisch dagegen der Umgang mit Licht, Dingenoder Worten, wie in der Kindheit vor derklar normierten Welt. Mit Farben, mit Zahlen,mit Begriffen, mit allem kann ich spielen. Auchmit der Subjektivität.
        
Die Bäume dunkelten vor dem Himmel,jeder einzelne Ast gestochen scharf. Da war er, dersaubere Schnitt, den es gebraucht hätte: so sauberwie der gleißend scharfe Rand der Mondsichel.

Im März 2012 starten Caroline und Frank Mardaus dieAusstellung »Vertraulich, nur für den Dienstgebrauch«im Höhmannhaus. Bis dahin gewährt das Künstlerduoin a3kultur Einblick in seine Bild- und Textarchive.
www.mardaus.de

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