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Ungewöhnliches Selbstbildnis![]() Ein Selbstbildnis verfasst von Iacov Grinberg
Wir sehen nicht immer so aus, wie wir uns in einem Spiegel sehen. Ein 13-jähriges Mädchen (oh, Entschuldigung ein 13-jähriges Fräulein!), das mit sich im Spiegel liebäugelt, sieht in den Augen ihrer Eltern und ihrer Lehrer ganz verschieden aus. In den Augen ihrer schon pubertierenden Mitschüler ist sie ein Objekt der Begierde, in den Augen ihres jüngeren Bruders ist sie eine zudringliche Nörglerin, für die Musikindustrie ist sie der erwünschte Käufer der CD‘s, für einen Bären im Wald ist sie einfach eine mögliche essbare Beute, und für einen Versicherungsverkäufer ist sie, eine minderjährige und folglich geschäftsunfähige Person, einfach ein leerer Platz. Und es ist uns oft sehr nützlich zu kennen, wie wir vom Gesichtspunkt der verschiedenen Subjekte unserer Umwelt aussehen. In unserer Umwelt sind in der letzten Zeit neue und wichtige Komponenten aufgetreten: Computer, Internet und elektronische Post. Ein amerikanischer Medienkünstler Christoper Baker hat sich die Frage gestellt, wie wir von dem Standpunkt dieser neuen Komponenten aussehen. Um niemanden zu beleidigen, hat er das Selbstporträt „My Map“ geschaffen. Er hat das riesige Massiv seiner eigenen elektronischen Korrespondenz analysiert, und hat es als einige Kreise vorgestellt. Oben befindet natürlicherweise er. Mit seinen übrigen Korrespondenten, die nach dem Kreis angeordnet werden, verbinden ihn die Linien von verschiedener Dicke und Farbe, die der Intensität der Korrespondenz entsprechen. Diese Arbeit ist in der Augsburger Galerie MZ bis 27. Januar ausgestellt. Das Selbstbildnis ist dynamisch, da es die Korrespondenz für verschiedene Zeitspannen abbildet; doch waren die Verbindungen mit verschiedenen Korrespondenten in verschiedene Perioden manchmal mehr manchmal weniger intensiv. Das hat nicht viel Ähnlichkeit mit dem, was wir uns angewöhnt haben, unter dem Begriff „Porträt“ zu verstehen, aber unsere Darstellungen in einer medizinischen Karte oder in den Papieren des Finanzamtes, die genauso nicht dem üblichen Porträt ähnlich sind, spiegeln uns genau und adäquat ab. Was die ergebende Gestalt eines Menschen vom Gesichtspunkt der elektronischen Post bedeutet und welche Daten man aus dieser Gestalt herausziehen kann, ist noch nicht klar. Um so mehr, als man zu einem solchen Bildnis zusätzlich sowohl den Typ als auch der Umfang der übertragenen Daten heranziehen kann. Der Künstler äußert weder Freude, noch Verurteilung, er stellt einfach eine solche Projektion des Menschen vor und schlägt uns, den Betrachtern, vor, das zur Kenntnis zu nehmen. (Iacov Grinberg) Zurück |