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Traumschloss![]() Das Wittelsbacher Schloss wird saniert und startet ab 2017 als neuer kultureller Hotspot für die Region. Ein Interview mit Dr. Peter Bergmair und Götz Beck Die Stadt Friedberg wird im laufenden Jahr damit beginnen, das Wittelsbacher Schloss zu sanieren, und hat damit die Chance, einen bedeutenden Kultur-Hotspot für die Region zu schaffen. Vergangenen Herbst traf sich a3kultur-Herausgeber Jürgen Kannler mit Dr. Peter Bergmair (im Bild rechts), dem 1. Bürgermeister der Stadt Friedberg, und Götz Beck, dem Geschäftsführer der Regio Augsburg Tourismus GmbH, zum Kaffeeplausch im Wittelsbacher Schloss mit seinem wunderbaren weiten Blick über das Lechtal und Augsburg. In der Remise und im Rittersaal herrschte an diesem Nachmittag reges Treiben. In Kürze würde hier die Ausstellung »In Hülle mit Fülle« das Jubiläumsjahr 2011 im Schloss erfolgreich ausklingen lassen. Die Stimmung war entspannt. Erst wenige Tage zuvor hatten sich die Friedberger in einem Bürgerentscheid für die große Lösung bei der dringend anstehenden Schlosssanierung ausgesprochen und damit den CSU-Plänen für eine Notsanierung eine deutliche Abfuhr erteilt. Im Vorfeld dieser Abstimmung traten Bergmair und Beck unter anderem bei einer hitzigen Bürgerversammlung in der alten Friedberger Turnhalle gemeinsam auf, um für ihr Traum-Schlossprojekt Punkte zu sammeln. Mit Erfolg. Im kommenden Jahr starten die Bauarbeiten, die Planungen laufen auf Hochtouren. Neben der Neugestaltung des Museums- und Ausstellungsbereichs und diversen Räumen für kleinere Aktivitäten ist auch ein Bürgersaal geplant, der 400 Personen Platz bietet. Sogar 500 Besucher fasst der für unsere Region einzigartige Innenhof der Schlossanlage. Zuletzt bewiesen die Friedberger im vergangenen Sommer mit dem neuen Veranstaltungskonzept »herzwärts« die Attraktivität dieser Location. Mit dem Bürgersaal könnte dann auch das Wetter dem Kulturbetrieb der Stadt keinen Strich mehr durch die Rechnung machen und Friedberg würde mit einem Schlag zu den absoluten Top-Veranstaltungsorten der Region aufschließen. Alles in allem Grund genug, Bergmair und Beck zum Gespräch zu bitten. a3kultur: Herr Bergmair, waren Sie überrascht, dass Sie Ihre Zukunftspläne für das Wittelsbacher Schloss mit einem Bürgerentscheid durchsetzen mussten? Peter Bergmair (PB): Zuerst natürlich schon, zumal sich der Stadtrat noch 2009 parteiübergreifend für die Planungen ausgesprochen hatte. Nun bin ich aber dennoch froh, dass die Sache vorbei und unterm Strich so gut für Friedberg gelaufen ist. Schließlich gibt einem dieses Bürgervotum auch Bestätigung für die Arbeit. a3: Ihre Stadt wird in den kommenden Jahren 20 Millionen Euro in das Kultur- und Bürgerzentrum im Schloss investieren. In welcher Form erwarten Sie eine Rendite für solch einen Kraftakt? PB: Zunächst einmal muss gesehen werden, dass wir schon im Vorfeld rund ein Drittel der Kosten über Zuschüsse und Spenden absichern konnten. Das ist natürlich auch eine Art der Investition, auf die eine Stadt wie unsere nicht verzichten sollte. Die wahre Rendite, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt davon sprechen mag, wird wohl in erster Linie in Form von mehr Lebensqualität für unsere Bürger spürbar werden. Götz Beck (GB): Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass so ein Projekt auch eine neue Bewertung der Stadt in der gesamten Außenwirkung mit sich bringt. Diese Positionierung kann, wenn sie geschickt und konsequent vorangetrieben wird, für eine Stadt auch wirtschaftlich messbaren Erfolg bringen. Auf alle Fälle wird Friedberg, und in Teilen auch die Region, mit dem Schlossumbau an Strahlkraft gewinnen. a3: Wann war für Sie klar, dass Sie das Projekt in Angriff nehmen wollen? PB: 30 Jahre alte Zeitungsausschnitte zeigen, dass es schon damals Überlegungen gab, aus dem Schloss eine Kultureinrichtung zu machen. Konkreter wurde es 2002, als ich zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde. Seit damals habe ich mich bemüht, die historische Anlage verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie intensiver zu nutzen, als es vorher der Fall war. Unser Ziel war es, wenn Sie so wollen, das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken und mit mehr Leben zu erfüllen. Anfangs mit minimalem Aufwand nur in der Remise. Mit steigendem Interesse der Bürger entwickelten sich dann auch die Projekte. Und als sich 2007 mit dem Auszug des Vermessungsamts eine günstige Ankaufssituation für Friedberg ergab, verhandelten wir sehr wohl mit der Idee im Hinterkopf, hieraus ein Kulturzentrum zu machen. GB: Wir hatten damals, während der Verhandlungen mit dem Freistaat, auch einen ersten Plan, die 800 Jahre alte Geschichte der Wittelsbacher in Bayern und speziell in unserer Region zu präsentieren. Mit dem Wittelsbacher Land und seinen beiden Standorten Sisi-Schloss in Unterwittelsbach und dem Friedberger Schloss hätten wir dafür natürlich die besten Voraussetzungen mitgebracht. Dieser Vorschlag wurde in München auch mit großer Begeisterung aufgenommen – allerdings dann an einem anderen Ort und leider ohne uns umgesetzt. a3: Sie sprechen vom erst kürzlich eröffneten Wittelsbacher Museum in Hohenschwangau. Als Schwabe oder Altbayer muss man halt immer etwas auf der Hut sein, wenn man es mit München zu tun hat. Aber im Ernst, war Ihnen damals schon klar, was auf Sie zukommt? PB: Es war sehr früh klar, dass nicht nur unser seit 125 Jahren bestehendes Heimatmuseum renoviert gehört, sondern hier auch ein Kulturund Veranstaltungszentrum entstehen muss, das in der Lage ist, die einzigartige Stimmung der Anlage zu transportieren. Also haben wir damit begonnen, die Bürger einzuladen, sich das Schloss anzusehen und bei verschiedenen Veranstaltungen auch zu erleben, und damit kontinuierlich die Akzeptanz für unser Vorhaben zu stärken. GB: Die Leute haben das Schloss wohl irgendwann wirklich als Teil ihrer Stadt zu schätzen gelernt und durch die Politik der Öffnung auch Vertrauen in die Planung gefasst. Das Konzept, neben dem Museum einen zeitgemäßen Veranstaltungsort zu gewinnen, hat die Menschen zu Recht überzeugt. PB: Wir sprechen deshalb auch vom Bürgerschloss. Das heißt natürlich auch, dass wir offen für viele Arten der Nutzung sind. So kann es die Bürgerschaft am ehesten als Konzept begreifen, das sie selber angeht. a3: Planen Sie deshalb neben dem großen Bürgersaal auch mit einigen kleineren Räumen? PB: Richtig, es geht auch um die bessere Nutzung der unteren Räume, inklusive Remise und Rittersaal, die momentan doch noch sehr verwinkelt sind. Das gesamte Erdgeschoss wird mit dem Umzug des Museums besser zu nutzen sein als bisher. Das wird dann auch privaten Veranstaltungen zugutekommen, für die sich das Schloss öffnen wird. a3: Die Verwaltung der Anlage soll auch nach der Neueröffnung, die für Mitte 2017 geplant ist, in den Händen der Stadt Friedberg liegen. Bei der Vermarktung, vor allem im überregionalen Kontext, wird sich wohl auch Ihr Haus, Herr Beck, stark engagieren. Wie sieht Ihre Strategie dafür aus? GB: Noch ist es natürlich etwas zu früh, um ein exaktes Strategiepapier für das neue Friedberger Schloss vorzulegen. Allerdings haben sowohl wir als auch die Kollegen in Friedberg klare Vorstellungen, wie das Projekt zu platzieren sein wird. Von entscheidender Bedeutung sind natürlich das unglaubliche Ambiente der Anlage und seine unmittelbare Nachbarschaft zu Augsburg. Auch die gleichzeitige oder alternative Bespielung von Bürgersaal und Schlosshof bietet bisher ungeahnte Möglichkeiten. Die Anlage hat alle Chancen, sich zum wichtigen Pfeiler für die Vermarktung des gesamten Wittelsbacher Landes, aber auch als wertvolle Ergänzung zum Tagungs- und Kongressort Augsburg zu entwickeln. Das Produkt ist so gut, dass man es überregional bestens vermarkten kann. a3: Welche Rolle spielt in dem Szenario das Label »Wittelsbacher Land«? PB: Die Entwicklung dieser Marke ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Getragen wird sie im Übrigen von einem Verein, der beim Landratsamt Aichach-Friedberg angedockt ist. Der Wittelsbacher Land e.V. übernimmt nicht nur eine wichtige Rolle, wenn es beispielsweise um Themen wie Fundraising oder regionales Marketing geht. Er ist auch Ansprechpartner und Pulsgeber, was neue Konzepte betrifft, wie die Vernetzung der Spezialitätenwirte oder Direktanbieter der Region. So wird nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Wertschöpfung erzielt. GB: Beim Wittelsbacher Land handelt es sich um eine Dachmarke, die nicht nur nach außen, sondern auch nach innen wirkt. So funktioniert Marketing von morgen. Das macht die Marke stark und damit wertvoll. Das Basisangebot hier hat sich gut entwickelt. Nun geht es darum, die Qualität weiter anzuheben, um damit langfristig das Profil der Region zu stärken. Überlegen Sie nur, was man vor zehn Jahren von dieser Gegend gekannt hat: die Mülldeponie in Gallenbach und vielleicht noch das Aichacher Frauengefängnis. Da hat sich total viel getan. Unser heutiges Angebot reicht von der Sisi bis zum Bayerischen Hiasl und vom Oxenweg bis zur Schlacht auf dem Lechfeld. Und das alles in eine lebendige, altbayerische Traditionslandschaft eingebunden. Das ist schon ein Quantensprung. a3: Meine Herren, ich danke Ihnen für das Gespräch. |