Gelobt sei der Zweifel
am 20.01.2012 veröffentlicht
Biennalekorsett für Brecht geplatzt?
Bei der Präsentation des letzten Teils von Joachim Langs Brechtfestival-Trilogie Anfang Dezember 2011 stand nicht allein das Programm rund um »Brecht und Politik« im Mittelpunkt. Die Journalisten wollten vom Festivalleiter vor allem wissen, ob er in den kommenden Jahren seine Arbeit in Augsburg fortsetzen möchte und, wenn ja, in welchem Rhythmus. Er gab damals deutlich zu verstehen, dass er keine Sympathien für den Plan des Kulturreferenten Peter Grab hegt, Brecht in ein Biennalekorsett zu zwängen. Trotzdem signalisierten an diesem Tag sowohl Lang als auch Grab deutlich Interesse an einer Fortführung der Zusammenarbeit, und zwar auf der Basis einer neuen inhaltlichen Ausrichtung des Festivals. Lang ging diesbezüglich in Vorleistung und skizzierte einen neuen Ansatz mit klarem Fokus auf die aktuelle Theaterarbeit rund um den Autor.
Wie aus dem Umfeld der Festivalmacher unlängst zu erfahren war, ist das Biennalekonzept für Brecht nun wohl endgültig vom Tisch. Unter diesen Bedingungen ist es wahrscheinlich, dass Grab seine Idee vom Zweijahresplan nun auch für den Rest der Festivallandschaft ad acta legen muss. Das sind gute Neuigkeiten für die Kulturregion. Erfreulich ist auch, dass der Plan verfolgt wird, das Stadttheater ab 2013 als zentralen Ort des Brechtfestivals zu etablieren. Diese Entwicklung ergab sich allem Anschein nach aus einer Reihe von Gesprächen zwischen Intendanz und Festivalleitung. Offiziell bestätigen wollte das zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch keine der Parteien. Um diesen Schritt zu wagen, fehlt vor allem noch eine klare Positionierung der Stadt zum Thema. Viel Zeit bleibt dem Kulturreferenten dafür nicht mehr, will er nicht erneut eine schmerzhafte Zäsur bei seiner Dachmarke Brecht wie schon beim Wechsel von Albert Ostermaiers ABC-Festival zu Joachim Langs Konzept in Kauf nehmen. Bis das geschehen ist, agiert die Szene eben weiter frei nach dem Brechtzitat: »Gelobt sei der Zweifel!« (kaj)
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